Filmstart "Looking for Eric" Ratschläge mit dem schwachen Fuß

Postbote Eric macht alles falsch - bis ihn Eric Cantona, Manchesters Fußballheld der Neunziger, errettet. Die Komödie ist ab heute in deutschen Kinos zu sehen. Eine Rezension

Musik hat erbauende Wirkung - Steve Evets als Eric (rechts) und Eric Cantona als Eric Cantona

Musik hat erbauende Wirkung - Steve Evets als Eric (rechts) und Eric Cantona als Eric Cantona

"Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie erwarten, dass Sardinen ins Meer geworfen werden. Vielen Dank!" So lauteten die mysteriösen Worte, die Eric Cantona 1995 auf einer Pressekonferenz an die Journalisten richtete, bevor er den Raum wieder verließ. Es war, trotz Giovanni Trappatonis viel zitierter Wutrede, die eigenwilligste Pressekonferenz der Fußballgeschichte. Nun können auch Kinobesucher diesen Kurzauftritt noch einmal erleben: im Abspann von Ken Loachs Spielfilm Looking for Eric, in dem der frühere Star von Manchester United sich selbst spielt.

Grund für die Pressekonferenz war die neunmonatige Sperre für eine aufsehenerregende Tat: Cantona hatte bei einem Spiel von United gegen Crystal Palace einen gegnerischen Fan während des Spiels mit einem Kung-Fu-Tritt niedergestreckt, nachdem dieser ihn provoziert hatte. Als Cantona vor die Presse trat, erwartete alle Welt eine reuevolle Geste, aber auf keinen Fall einen pseudo-philosophischen Ausspruch.

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Sowohl der Tritt als auch verschiedene andere Ausraster (den früheren französischen Nationaltrainer Henri Michel bezeichnete er einmal als "Shitbag") haben dem Ruf Cantonas nie geschadet. Die Fans haben ihn zum wichtigsten Fußballer von Manchester United im 20. Jahrhundert gewählt, für sie personifiziert er den Beginn einer bis heute anhaltenden Erfolgsgeschichte. 1993 gewann der Klub mit dem aus Leeds geholten Cantona den ersten Meistertitel seit 26 Jahren.

1997 trat Cantona, erst 31-jährig, zurück. Seitdem ist er als Schauspieler tätig, unter anderem an der Seite Cate Blanchetts in dem Historienfilm Elizabeth. "Ich war jüngst mit ihm bei einem Spiel in Old Trafford in Manchester und es wurden Cantona-Lieder gesungen", sagt Ken Loach. "Einfach so, zehn Jahre nach seiner aktiven Zeit und ohne, dass jemand mitbekommen hätte, dass er da ist. Als sie ihn entdeckten, begannen erwachsene Männer zu weinen." 

Der 73-jährige Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty haben nun einen Weg gefunden, diese Verehrung auf die Kinoleinwand zu bannen. Looking for Eric ist ein humorvolles Märchen, weist aber auch viele Elemente auf, die typisch sind für Loachs Sozialdramen. Protagonist ist der Postbote Eric Bishop (Steve Evets), der jahrzehntelang alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann. Sein Idol ist Cantona, der ihm auf wundersame Weise hilft, das Leben und einen schmierigen Gangsterboss in den Griff zu bekommen. Wie ein Gottvater wirkt der Fußball-Eric in den Sequenzen, in denen er dem Protagonisten geisterhaft erscheint, gleichzeitig aber auch so jungenhaft-schelmisch, wie man ihn in Erinnerung hat.

Das Thema Fußball verarbeiteten Laverty und Loach bereits 1998 in My Name is Joe, in dem der alkoholkranke Protagonist eine Hobbymannschaft sozial benachteiligter Jugendlicher in Glasgow trainiert. In Looking for Eric werfen sie auch Schlaglichter auf die Höhepunkte von Cantonas Karriere. In den Gesprächen zwischen dem Loser und dem Helden gibt auch der Held Einblick in sein Inneres. "Ich hatte Angst, dass es aufhört", sagt Cantona.

Einige der spektakulären Tore Cantonas sind in die Handlung eingewebt. In diesen Szenen kommt jenes unglaubliche Selbstbewusstsein zum Ausdruck, das er auf und neben dem Platz verkörperte. Der Höhepunkt seiner Karriere, sagt der Fußball-Eric zum Postmann Eric, sei aber kein Tor gewesen, sondern ein Außenristpass in einem Spiel gegen Tottenham im Januar 1993, den Denis Irwin mitnahm und im Tor unterbrachte.

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