ZEIT ONLINE: Herr Rasch, Wie haben Sie in den vergangenen beiden Nächten geschlafen?

Dirk Rasch: Die erste Nacht war schlaflos, die zweite Nacht hatte ich damit weniger Probleme.

ZEIT ONLINE: Was hat sich in den vergangenen Tagen für Sie verändert?

Rasch: Die Erkenntnis, dass auch die bisher von mir als seriös eingeschätzten Medien, also einige TV-Sender und gedruckte Zeitungen, aus schierer Sensationslust heraus sich einer Doppelmoral bedienen. Die Vorverurteilung von Spielern hat mit Pressefreiheit nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet der Skandal für den Fußball in Deutschland?

Rasch: Zunächst, dass wir intensivst daran arbeiten müssen, dass Fußballprofis ihrer  Vorbildfunktion gegenüber jungen Menschen gerecht werden und nicht als korrupt und geldgierig gesehen werden. Sodann sollte auch öffentlich das Thema Spielsucht enttabuisiert werden. Hier erwarte ich mir vor allem seitens des DFB Denkanstöße.

ZEIT ONLINE: Was halten Sie von dem Frühwarnsystem des DFB, welches eigentlich vor Spielmanipulationen warnen soll?

Rasch: In dem einen oder andern Fall mag das Frühwarnsystem des DFB funktioniert haben. Allgemein muss ich konstatieren, dass das Frühwarnsystem die globalisierte kriminelle Energie nicht stoppen kann.

ZEIT ONLINE: Hat der VfL zu spät auf die Vorwürfe der Spielmanipulation reagiert?

Rasch: Nein, weil wir zunächst die Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Bochum abwarten mussten.

ZEIT ONLINE: Welche Nachricht könnte Sie jetzt noch hart treffen?

Rasch: Hierüber möchte ich öffentlich nicht spekulieren.

ZEIT ONLINE: Wie stehen Sie nach den Vorwürfen zu Thomas Reichenberger? Es heißt, gegen den Kapitän Ihres Teams wird ermittelt, da er einer der Spieler sein soll, die sich haben bestechen lassen.

Rasch: Die Verantwortlichen des VfL Osnabrück stehen geschlossen hinter Thomas Reichenberger.  

ZEIT ONLINE: Haben Sie Angst davor, dass auch die Relegationsspiele unter Manipulationsverdacht geraten könnten? Durch die beiden 0:1-Niederlagen gegen Paderborn musste der VfL in die Dritte Liga absteigen.

Rasch: Offensichtlich ist nichts mehr auszuschließen.

ZEIT ONLINE: Viele Fans sind sauer. Zu Recht?

Rasch: Zu Recht. Ich habe Verständnis für die Wut und Enttäuschung vieler Fans, weil das Fairplay mit Füßen getreten worden ist. Nur kann sich die Wut nicht gegen Verein VfL Osnabrück richten, sondern ausschließlich gegen die, die aktiv an den Manipulationen nachweislich beteiligt sind.

ZEIT ONLINE: Was möchten Sie den Fans des VfL Osnabrück in diesen harten Stunden  sagen?

Rasch: Zunächst, dass die aktuelle Mannschaft von unserem fantastischen Publikum weiterhin bedingungslos unterstützt wird und zweitens dass sie sich darauf verlassen können, dass Fairplay zu den wichtigsten Tugenden gehört, für die sich die Verantwortlichen des VfL Osnabrück engagieren.

Die Fragen stellte Tobias Romberg.