Olympia-Vergabe
Samaranch – Geheimagent Moskaus?
Der ehemalige IOC-Präsident und Franco-Anhänger Samaranch soll für den KGB gespitzelt haben. Hat er die Vergabe der Spiele nach Moskau und Sotschi beeinflusst? Ein Kommentar
© Alexander Natruskin/REUTERS

Händchenhalten im Zeichen der Ringe: Wladimir Putin und Juan Antonio Samaranch im Jahr 2001
"Geheimbund" ist das Internationale Olympische Komitee schon oft genannt worden. So grandios undurchsichtig, wie es den Sport bisweilen regiert, hat es sich diese Auszeichnung wirklich verdient. An der Spitze saß offenbar zwei Jahrzehnte einer, der auch Olympiasieger im Geheimniskrämern hätte werden können: Juan Antonio Samaranch.
Dass er, wie jetzt ermittelt, vom KGB zur Agententätigkeit gedrängt worden sein soll, überrascht nicht. Eine Überraschung wäre, wenn Samaranch der einzige Geheimagent im IOC wäre.
Es lohnt sich, das IOC auszuspionieren und zu unterwandern. Als die Dopingbekämpfung noch nicht so professionell war, konnte man den ein oder anderen positiven Befund einfach verschwinden lassen. So bleiben dem betroffenen Land Blamagen erspart.
Vor allem aber hat das IOC alle zwei Jahre einen Schatz zu vergeben: die Olympischen Spiele. Wer sich diesen Schatz erkämpft, hat seinen Platz im Geschichtsbuch sicher. Schon Samaranch, ehemaliger spanischer Botschafter in der Sowjetunion, soll mitgeholfen haben, die Sommerspiele 1980 nach Moskau zu bringen.
Vor zwei Jahren hatte Samaranch, obwohl 2001 als IOC-Präsident abgetreten, wohl ebenfalls seine Finger im Spiel, als die Winterspiele rätselhafterweise nach Sotschi vergeben wurden. KGB-Agent Samaranch und KGB-Agent Putin – ein unschlagbarer Doppelsitzer.
Geheimdienste sind sich für keinen Wettbewerb zu schade. Wäre schon komisch, wenn sie gerade beim Milliardenspiel Olympia nicht mitmachten als unsichtbare Querschläger.
Weiterführende Links:
- Jens Weinreich: Die multiple Agententätigkeit Samaranchs
- Deutschlandradio: War Samaranch ein KGB-Agent?
- democrazy and dignity in sport: Samaranch grüßt Franco "römisch"
- Datum 6.11.2009 - 12:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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