Bundestag SPD behält Vorsitz im Sportausschuss
Die SPD hat an der Ausschuss-Spitze den Wunschkandidaten des Olympischen Sportbundes, Eberhard Gienger, verhindert. Künftig führt die Opposition das Parlamentsgremium an.
Peter Danckert (SPD), bisheriger Ausschuss-Chef, räumt das Feld. Doch den Kampf um die Spitze des Sportausschusses hat die SPD gegen den Wunschkandidaten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Eberhard Gienger, gewonnen. Wie aus Parlamentskreisen zu erfahren war, fällt der Vorsitz des Bundestagsgremiums auch in der neuen Wahlperiode an die Sozialdemokraten.
Der ehemalige Turn-Weltmeister Gienger (CDU), der amtierender Vizepräsident des Leistungssports im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist, galt bis zuletzt als Anwärter für den Posten und hätte den Ausschuss wohl deutlich DOSB-freundlicher geführt als "Chefkritiker" Danckert.
Der 69-jährige Danckert wechselt in den Haushaltsausschuss. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", sagte er. "Dass der Ausschuss wieder an die SPD gefallen ist, darüber freue ich mich."
Als mögliche Nachfolger kommen nun die SPD- Politikerinnen Sabine Bätzing und Dagmar Freitag infrage. "Wenn das an einen herangetragen wird, wird man sicher nicht Nein sagen", sagte ein Sprecher der ehemaligen Bundesdrogenbeauftragten Bätzing. Freitag dürfte allerdings als SPD-Fraktionssprecherin für Sport erste Anwärterin auf das Amt sein.
Gienger, der im September zum dritten Mal nacheinander ein Bundestagsmandat erkämpft hatte, reagierte gelassen auf die Nachricht aus Berlin. "Ich habe ja gesagt, dass alles möglich ist", meinte der 58-Jährige. Er hoffe nun im Sportausschuss auf eine gute Zusammenarbeit mit der Oppositionspartei SPD. "Wir sollten in die Zukunft schauen. Wir gehen mit sehr viel Optimismus an die Sache heran."
Nach der Bundestagswahl schien lange Zeit beschlossene Sache, dass die Regierungskoalition aus CDU und FDP sich den Vorsitz sichern würde. Unter der Leitung von Danckert hatte sich der Sportausschuss zu einem renommierten Gremium entwickelt, das die deutschen Sportverbände vor allem beim Umgang mit der Doping-Problematik immer wieder kritisierte und damit unter Handlungsdruck setzte. Dem DOSB unter Präsident Thomas Bach soll diese offensive Politik längst nicht immer genehm gewesen sein. Auch deshalb kam der Name Gienger zuletzt wohl immer stärker ins Spiel.
Danckert zumindest geht mit einem weinenden Auge. Die angeblichen Pläne von CDU und FDP, den Ausschuss künftig nicht mehr öffentlich tagen zu lassen und ihm so einen Teil seiner Wirksamkeit zu rauben, hätten ihm aber die Entscheidung erleichtert. "Ich habe das vier Jahre lang gern gemacht", sagte er. "Aber als Parlamentarier ist man auch mal für andere Arbeiten vorgesehen", sagte Danckert.
- Datum 10.11.2009 - 18:52 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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