Wett-Skandal im Fußball Das Betrugssystem ist grenzenlos
Der Sport glaubte, einen Unterschied zwischen guten und bösen Wetten machen zu können. Jetzt steht die Lust am Fußball auf dem Spiel. Ein Kommentar von F. Teuffel
Manipulation im Fußball ist wie Doping im Fußball. Beides verdirbt die Idee des Spiels. Ob sich alle an die Regeln halten und am Ende die beste Leistung zum Sieg führt, kann der Zuschauer nicht mehr wissen. Bei der Manipulation kommt dazu, dass nicht einmal die eigenen Mitspieler wissen, ob ihr Nebenmann den Ball nun aus Unvermögen durchgelassen hat oder weil dahinter ein vereinbartes Geschäft steht.
Dieses Gefühl der Unsicherheit könnte sich nun ausbreiten in größeren und kleineren Fußballstadien. Denn der gerade aufgedeckte Wettbetrug trifft den Fußball mit einer ungeheuren Wucht. 200 verdächtige Spiele. Vielleicht sogar mehr. Betrug in so vielen Ländern. Auf so viele Ebenen. Angefangen von der höchsten des Klubfußballs, der Champions League, bis hinunter in den halbprofessionellen Bereich.
Als der Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer vor knapp fünf Jahren zugab, reihenweise Spiele verpfiffen zu haben, wurde der deutsche Fußball heftig durchgeschüttelt. Doch der konzentrierte Blick auf Hoyzer verstellte die Sicht auf das große Betrugssystem. Selbst wenn die Hintermänner ermittelt und bestraft wurden – die Affäre hört nach wie vor auf den Namen Hoyzer. Schmerzhaft befreit nun der aktuelle Fall vom Glauben an einzelne oder vereinzelte Täter.
Die damalige Affäre hat immerhin ein Frühwarnsystem hervorgebracht. Das hat das Betrügen schwieriger gemacht – und auch raffinierter. Was ist schon verdächtig daran, wenn die haushohen Favoriten nun nicht wie erwartet 5:0 gewinnen, sondern nur 2:0? Sie haben eben ihre Kräfte geschont für stärkere Gegner. Wer kann ihnen schon etwas nachweisen? Ertragreich kann ein solches Spielergebnis für die Betrüger dennoch sein. Längst sind Wetten auf Tordifferenzen, Rote Karten, ja sogar Einwürfe oft wichtiger geworden als der Tipp, welche Mannschaft an diesem Tag das Kräftemessen für sich entscheidet.
Im aktuellen Fall hat – eine weitere Parallele zum Doping – der Staat die Manipulation aufgedeckt, nicht der Sport mit seinen begrenzten Mitteln. Selbst dem mächtigen und wohlhabenden Fußball ist das Problem über den Kopf gewachsen. Lange Debatten über interne Lösungen kann sich der Fußball daher sparen. Dass auch hoch bezahlte Profischiedsrichter für Bestechung anfällig sind, war im amerikanischen Basketball zu beobachten. Dass Präventionskampagnen Sportler nicht edler machen können, zeigt die Aufklärung gegen Doping.
Mit staatlicher Hilfe wird der Fußball die Manipulation nicht ausrotten, aber Auswüchse bekämpfen können.
Manipulationen künftig zu erschweren bedeutet, Grenzen zu ziehen in einem fast grenzenlosen System. Das fängt beim Fußball selber an. Spieler und Trainer wechseln ständig den Verein, manche zieht es durch ganz Europa. Ehe ein Spieler seinen Kollegen fragen kann, warum ihm denn in letzter Zeit so viele rätselhafte Abwehrfehler unterliefen, steht der schon bei einem anderen Klub unter Vertrag.
Der Wettmarkt ist ohnehin global, auf Spiele in Europa lässt sich bei chinesischen Anbietern setzen. Das Frühwarnsystem würde nur dann besser funktionieren, wenn sich ihm alle Anbieter anschließen würden. Eine Illusion. Das Wettgeschäft ist verwinkelt und kaum noch kontrollierbar, selbst ein radikales Verbot würde den Handelsplatz nicht schließen.
Der Sport hat geglaubt, einen Unterschied zwischen guten Wetten und bösen Wetten machen zu können. Die guten sind die staatlichen, deren Erträge ihm zufließen bis in den Breitensport, und gut genug sind gerade auch noch die offen am Markt auftretenden privaten Anbieter, deren Sponsorengeld für Trikot- und Bandenwerbung Vereine gerne annehmen. Die bösen aber sind die irgendwo im Internet operierenden Firmen, die sich jeglicher Kontrolle und Kooperation zu entziehen versuchen.
Mit staatlicher Hilfe wird der Fußball die Manipulation nicht ausrotten, aber Auswüchse bekämpfen können. Doch jetzt muss er sich erst einmal auf dem Platz verteidigen. Die Lust am Fußball steht auf dem Spiel, wenn der Ausgang nicht mehr offen ist. Wie viele Spieler wohl an diesem Wochenende verdächtigt werden, denen der Ball unglücklich über den Fuß rutscht?
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel)
- Datum 20.11.2009 - 21:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 17
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Zuerst die Wetten im Finanzsektor, nun hier.
Was kommt als nächstes. Bin mittlerweile echt gespannt,
LG
IRONIX
Es gibt schon Schattenbörsen - da laufen die Wetten völlig unkontrolliert - was sagt da schon der DAX?
Währe auch ein Thema für eine große Zeitung.
Die Mafia hat in der Sportwette wohl das sagen - das geht immer weiter und hört nie auf - wetten wir besser auf das Wetter! Wer die schwarzen Syndikate aber zerschlagen will, der braucht nur den Drogenmarkt zu legalisieren!
... den Fußball nicht erschüttert. Er ist in den Knast gegangen und geändert hat sich gar nichts. Fußball ist Kommerz, genauso wie manch andere Sportarten. Wen wundert es eigentlich, dass ein paar Zocker oder die Mafia da mitverdienen wollen?
und wer kümmert sich in verantwortung um die gesellschaft ?
bayern münchen ?
mutter theresa würde sich im grabe umdrehen,sowie pressekonferenzen
der vereine die wichtigkeit des dritten weltkrieges haben. sie sind in der wirklichkeit
unnütz und dumm , da wo mit werbung der restverstand weggewischt wird.
Die Unis in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind immernoch besetzt! Frankreich und ander Länder sind auch dabei! Es gibt weiterhin andauernde Aktionen, auch in den kommenden Wochen. Heute wurden in NRW die Uni Köln und Uni Bonn von der Polizei geräumt. Asta der Uni Bonn stellt sich gegen die Studierenden! Montag gehts weiter. Aber die liebe Presse berichtet lieber von irgendwelchen Wettskandalen! Berichtet über den Streik verdammt noch mal! Nehmt die Studenten ernst!
http://www.unsereunis.de/
die studenten jammern auf hohem niveau
es sind nicht wenige akademiker schuld an der wirtschaftskrise, und einsehen der "elite" ist nicht erkennbar, im gegenteil es wird so weitergemacht wie vor der krise
die studenten jammern auf hohem niveau
es sind nicht wenige akademiker schuld an der wirtschaftskrise, und einsehen der "elite" ist nicht erkennbar, im gegenteil es wird so weitergemacht wie vor der krise
vielleicht ist das qualifikationsspiel der franzosen gegen die irländer auch teil dieses wettskandals
die studenten jammern auf hohem niveau
es sind nicht wenige akademiker schuld an der wirtschaftskrise, und einsehen der "elite" ist nicht erkennbar, im gegenteil es wird so weitergemacht wie vor der krise
Studenten sind (noch) keine Akademiker und die wenigsten waren wohl die Drahtzieher der Wirtschaftskrise.Ihre "Elite" wohnt in 15qm WG-Zimmern fährt Pizza durch die Gegend.
"es sind nicht wenige akademiker schuld an der wirtschaftskrise und einsehen der 'elite' ist nicht erkennbar..."
Falls es Ihnen bisher entgangen sein sollte:
Die Studenten protestieren derzeit vor allem gegen die derzeitige Ausprägung des neu eingeführten Bachelor-/Mastersystems, welches darauf abzielt den Studenten große Mengen vorgekauten Wissens innerhalb kürzester Zeit einzutrichtern (nach bestandener Klausur wird der Speicher gleich wieder freigeschaufelt um neu beladen werden zu können). Was dabei auf der Strecke bleibt, ist tatsächliches Verstehen und Einordnung in größere Zusammenhänge.
Dazu kommen die in vielen Bundesländern erhobenen Studiengebühren, die keineswegs zu einer Verbesserung der Lehre führen, sondern lediglich die Löcher stopfen, die durch die jahrelange Stagnation der Hochschulfinanzierung von Seiten der Länder (bei anhaltener Inflation) entstanden sind.
Diese Gebühren sind eine deutliche Hürde für Kinder finanzschwächerer Familien. Folglich studieren nicht zwangsläufig diejenigen, die dazu am besten befähigt sind.
Sie kritisieren die Beschränktheit der derzeitigen 'Elite'?
Dann machen sie sich im Falle der Fortführung der derzeitigen Bildungspolitik schon mal auf eine noch viel beschränktere 'Elite' gefasst!
Mit freundlichen Grüßen
ein Student
Studenten sind (noch) keine Akademiker und die wenigsten waren wohl die Drahtzieher der Wirtschaftskrise.Ihre "Elite" wohnt in 15qm WG-Zimmern fährt Pizza durch die Gegend.
"es sind nicht wenige akademiker schuld an der wirtschaftskrise und einsehen der 'elite' ist nicht erkennbar..."
Falls es Ihnen bisher entgangen sein sollte:
Die Studenten protestieren derzeit vor allem gegen die derzeitige Ausprägung des neu eingeführten Bachelor-/Mastersystems, welches darauf abzielt den Studenten große Mengen vorgekauten Wissens innerhalb kürzester Zeit einzutrichtern (nach bestandener Klausur wird der Speicher gleich wieder freigeschaufelt um neu beladen werden zu können). Was dabei auf der Strecke bleibt, ist tatsächliches Verstehen und Einordnung in größere Zusammenhänge.
Dazu kommen die in vielen Bundesländern erhobenen Studiengebühren, die keineswegs zu einer Verbesserung der Lehre führen, sondern lediglich die Löcher stopfen, die durch die jahrelange Stagnation der Hochschulfinanzierung von Seiten der Länder (bei anhaltener Inflation) entstanden sind.
Diese Gebühren sind eine deutliche Hürde für Kinder finanzschwächerer Familien. Folglich studieren nicht zwangsläufig diejenigen, die dazu am besten befähigt sind.
Sie kritisieren die Beschränktheit der derzeitigen 'Elite'?
Dann machen sie sich im Falle der Fortführung der derzeitigen Bildungspolitik schon mal auf eine noch viel beschränktere 'Elite' gefasst!
Mit freundlichen Grüßen
ein Student
Schade für die Fans. Ansonsten, who cares...es gibt schlimmeres als Sportwetten zu manipulieren.
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