Verlierer des Sportjahres Jeder darf über Klinsmann herziehen

Klinsmann, der WM-Held von 2006 ist einer der Verlierer dieses Sportjahres. Unsere Auswahl erinnert an sportliche Minderleistungen, Manipulatoren und Betrüger.

Jürgen Klinsmann

Inzwischen auf großer Distanz zueinander: Uli Hoeneß und Jürgen Klinsmann

Inzwischen auf großer Distanz zueinander: Uli Hoeneß und Jürgen Klinsmann

Vor drei Jahren war Jürgen Klinsmann Deutschlands Held, hatte er doch eine lange als aussichtslos geltende Mannschaft ins WM-Halbfinale geführt. Hohe Popularitätswerte verzeichnete er gerade auch in ehemals fußballfernen Milieus. Vielleicht war das der wichtigste Grund dafür, dass Bayern München ihn 2008 als Trainer engagierte.

Doch dort, wo Klinsmann schon vor gut einem Jahrzehnt als Spieler nicht hinpasste, war er auch in neuer Funktion zum Scheitern verurteilt. Die Bayern-Fans mögen ihn nicht – ihn, der sich erdreistete, Lehmann statt Kahn ins Tor zu stellen. Auch erwies sich Klinsmann als Novize, seine Elf spielte mal stark, mal bekam sie von Wolfsburg fünf Stück. Im April war Bayerns Timm-Thaler-Baron-Lefuet-Strategie, nicht nur einen Trainer, sondern auch ein Lachen zu kaufen, am Ende.

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Klinsmanns Ruf ist nun fast auf das Niveau der Vor-WM-Zeit zurückgesunken. Man darf wieder über ihn herziehen – sei es der Stammtischbruder Waldemar Hartmann ("Klinsmann ist ein Daum ohne Drogen") oder Chefredakteure aus der Provinz. 

Leser-Kommentare
  1. über Klinsmann herziehen? i wo, er wird jetzt - endlich - doch nur auf seine wahre Größe eingeordet.

    Klinsmann wurden zu Unrecht die Erfolge mit der Nationalmannschaft zugeschrieben. In Wirklichkeit war es doch der Jogi Löw, der den ganzen Laden geschmissen hat. Das ist spätestens dann sichtbar geworden, als Klinsmann als verantwortlicher Trainer des FC Bayern ohne seinen treuen Jogi L. auskommen mußte und sang-und klanglos unterging.

    Es war Jupp Heinkes, der einen orientierungslosen FC BAyern wieder aufrichtete, von den letzten 5 Spielen 4 x gewann und einmal unentschieden spielte, und so die Vizemeisterschaft errang. Mit Klinsmann wäre der FC Bayern im Mittelfeld gelandet.

    Klinsmann war der in Deutschland von allen am meisten überschätzte Trainer. Die sachverstädndigen Bayern-Fans wußten, daß Klinsmann ein Trainerlehrling war, die Mannschaft wußte es auch. mußte aber den Mund halten, das Management wußte es auch, wollte aber und konnte seine getroffene Fehlbesetzung nicht eingestehen; Also hat man Klinsmann lange Zeit mitgezogen, bis es nicht mehr ging. Einen anderen Verein, der ihn als Trainer haben wollte, hat Klinsmann nicht mehr gefunden.

    Das einzig Positive, das man Klinsmann attestieren muß, ist seine Fähigkeit, sich teuer zu verkaufen. Sein Jahresgehalt soll 5 Mio betragen haben und der Rausschmiß noch einmal 10 Mio Euro.

    Insofern braucht niemand übergroßes Mitleid mit ihm haben.

  2. Redaktion

    Klar doch, der Löw wars. Wenn ich nochmal drüber nachdenke, würde ich sogar so weit gehen: Für die gute Leistung der Deutschen an der WM war das Wetter verantwortlich. Oder vielleicht doch Kaiser Franz ...

  3. Die Ansicht, dass der WM-Erfolg 2006 nur Löw und kein bißchen Klinsmann zu verdanken ist, ist sehr oberflächlich.
    Klinsmann war es, der das neue System mit den vielen Assistenztrainern und den amerikanischen Fitnesstrainern einführte. Klinsmann war es, der Löw und all die anderen Assistenten einstellte. Klinsmann sorgte dafür, dass die Nationalmannschaft offensiv spielte. Klinsmann überwand diese unsägliche Stagnation, die Nörgelei und den Stillstand, der 2004 die Nationalmannschaft prägte, und ersetzte sie durch Zuversicht, Optimismus und positives Denken.

    Nach dem Gewinn der EM 1996 war die Luft doch komplett raus aus dem Team, die Vize-WM 2002 war vor allem auf typisch deutsches Losglück zurückzuführen, wenn man sich die gegnerischen Mannschaften vor dem Finale mal ansieht. Diese negative Stimmung zu drehen, war und bleibt die große Leistung von Jürgen Klinsmann. Schließlich hatte er das Kommando über das Team bei der WM 2006, nicht Löw. Klinsi hätte alles stoppen können, was Löw wollte.

  4. Man sagt immer so schön: "Der Fisch fault vom Kopfe her", und das stimmt auch. Aber wenn es stimmt, dann gilt es auch andersrum. Und deswegen ist es schlicht unfair, den Erfolg 2006 allein Löw zuzuschreiben. Ich glaube auch, dass es 2006 ohne die taktischen Analysen vom Jogi schlechter gelaufen wäre, vielleicht war das ein entscheidendes Mosaikteilchen für das erfolgreiche Gesamtbild. Aber wenn Klinsmann nicht seinen Teil der Arbeit geleistet hätte, dann wären all die taktischen Vorgaben Löws ins Leere gelaufen. Klinsmanns Anteil am Erfolg ist deswegen sicher erheblich höher einzuschätzen als der von Löw.

  5. Redaktion

    Volle Zustimmung, Garonthil. Klinsmann hat Herkulesarbeit für den deutschen Fußball geleistet. Gar nicht mal als Trainer im klassischen Sinne. Sondern mit notwendigen Reformen: Er hat den Zug wieder auf die Gleise gehoben - gegen größte Widerstände, auch aus Süddeutschland.

    Zur Erinnerung: Beckenbauer wollte 2004 Matthäus als Nationaltrainer, später dann Holger Osieck als Co-Trainer.

  6. Redaktion

    Stimme voll zu, Garonthil. Klinsmann hat 2004-06 herkulische Arbeit für den deutschen Fußball verrichtet. Nicht unbedingt als Trainer im klassischen Sinn, aber als Reformator. Wer hat den Löw überhaupt erst ermöglicht? Das war Klinsmann. Wenn es nach Beckenbauer gegangen wäre, wäre Holger Osieck Co-Trainer geworden (und Lothar Matthäus Bundestrainer). Gegen großen Widerstand, auch aus Süddeutschland, hat Klinsmann viele wichtige Sachen durchgesetzt.

    Leider vergessen die Leute schnell. Etwa, wie schlecht die Stimmung 2004 war. Ja, sogar noch 2006. Es gab Experten, die am liebsten dem DFB geraten hätten, gar nicht an der WM teilzunehmen.

  7. Redaktion

    Stimme voll zu, Garonthil. Klinsmann hat 2004-06 herkulische Arbeit für den deutschen Fußball verrichtet. Nicht unbedingt als Trainer im klassischen Sinn, aber als Reformator. Wer hat den Löw überhaupt erst ermöglicht? Das war Klinsmann. Wenn es nach Beckenbauer gegangen wäre, wäre Holger Osieck Co-Trainer geworden (und Lothar Matthäus Bundestrainer). Gegen großen Widerstand, auch aus Süddeutschland, hat Klinsmann viele wichtige Sachen durchgesetzt.

    Leider vergessen die Leute schnell. Etwa, wie schlecht die Stimmung 2004 war. Ja, sogar noch 2006. Es gab Experten, die am liebsten dem DFB geraten hätten, gar nicht an der WM teilzunehmen.

    • BerndL
    • 20.12.2009 um 13:39 Uhr
    8. 4

    Klinsmann war ein glänzender Motivator und Löw war und ist ein Fußballfachmann und ein guter Trainer. So hatten beide ihren Anteil am WM-Erfolg.
    Bei aller Hochschätzung der Motivation muss ein g u t e r Trainer für mich immer ein guterFachmann sein und das war Klinsmann eben nicht. Die Realität hat ihn eben eingeholt- angesichts seiner gigantischen Bezüge ist die Häme, die ihn nun überzieht, durchaus angebracht.
    Neururer hatte mal gesagt, Klinsmann ist der teuerste Berufsanfänger der Welt (oder so ähnlich).

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