Jetzt ist auch noch Heinrich von Pierer dabei. Ein Mann des Sports, keine Frage. Bayerischer Jugendmeister im Tennis, 1959. Und nun Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München. Mit Räten und Aufsichtsräten kennt sich von Pierer aus, nach all den Jahren in der Wirtschaft. Aber jetzt, mit 68, hat er wieder mehr Zeit. Seit knapp zwei Jahren ist er nicht mehr Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank; im Jahr zuvor hatte er wegen einer ärgerlichen Korruptionsaffäre den Job als Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens aufgegeben. Bleibt derzeit nur noch der Aufsichtsrat beim türkischen Konzern Koc Holding. Und beim FC Bayern. Helmut Markwort, 73, gehört zum Team, Hans Wilhelm Gäb, 73, und noch ein paar andere Größen. Edel-Fan Boris Becker, Roland Berger (72) und Georg von Waldenfels (65) waren ausgeschieden. Große Namen, aber: Können sie einen Fußballverein nach vorne bringen?

Von frischem Blut kann beim Rekordmeister zum Beginn der Rückrunde (am Freitag, 20.30 Uhr gegen Hoffenheim live im Ticker) wahrlich nicht die Rede sein, obwohl sich der erfolgreichste deutsche Fußballverein selbst eine Frischkur verordnet hat. Ein lange angekündigter Umbruch soll sich vollzogen haben, als auf der Mitgliederversammlung im vergangenen November der entscheidende Mann im Klub, Uli Hoeneß, vom Manager- auf den Präsidentenstuhl umzog. Als ob das an der Statik des FC Bayern etwas ändern würde!

Hoeneß war, ist und wird der starke Mann bleiben - egal, auf welchem Stuhl er sitzt. Christian Nerlinger wird einen recht cleveren Sportdirektor abgeben, aber von Charisma, Ausstrahlung und Machtbewusstsein eines Uli Hoeneß ist und bleibt er weit entfernt. Undenkbar, dass zum Beispiel die Causa Ribery nicht über den Schreibtisch von Hoeneß geht.

Keine Entwicklung, keine Perspektive, keine Vision also in der Klubführung. Einzig die Abteilung Sport gibt Anlass zur Hoffnung. Kurz vor Weihnachten wäre Louis van Gaal aus verschiedenen Gründen fast seines Jobs verlustig gegangen; nun hat er wohl das Schlimmste überstanden und darf erst einmal in relativer Ruhe seiner Arbeit nachgehen. Und das ist ein durchaus viel versprechender "Prozess", wie er es selbst gerne ausdrückt. Die zweite Saisonhälfte könnte ein Fest werden für die Münchner.

Vor allem sein konsequenter Jugend-Kurs bereitet Freude: Endlich ist da mal ein Trainer, der nicht nur vom Nachwuchs redet und Lippenbekenntnisse abgibt, sondern die Jungen auch spielen lässt. Der 19-jährige Diego Contento unterschrieb in dieser Woche einen Profi-Vertrag; die Kollegen Mehmet Ekici und David Alaba werden wohl bald folgen.

Zudem kann van Gaal dieses Mal rechtzeitig an einem neuen Kader basteln. Mit Toni Kroos kommt aus Leverkusen im Sommer der Mann zurück, dem Hoeneß einst versprach, das Trikot mit der "10" für ihn zu reservieren. Die trägt nun zwar Arjen Robben, aber als Spielmacher würde Kroos auch mit der Nummer 117 durchgehen. Hinzu könnten noch die Spieler Manuel Neuer vom FC Schalke und Jérôme Boateng vom HSV stoßen, und dass Mesut Özil bei Bremen noch nicht verlängert hat, könnte auch mit der Hängepartie um Franck Ribery zusammenhängen. Bei dem stellt sich eigentlich nur noch die Frage, für welche Ablösesumme ihn Real Madrid aus seinem bis 2011 laufenden Vertrag herauskauft.

Die zweite Saisonhälfte könnte ein Fest werden für die Münchner. Van Gaal hat eine Stammelf gefunden, hat erkannt, dass nicht nur der Trainer über Wohl und Wehe der Mannschaft bestimmt. Seit zehn Spielen ist der FCB in der Liga unbesiegt, zuletzt stehen sechs Pflichtspielsiege in Folge zu Buche. In den vergangenen vier Spielen gelangen 15 Treffer. In der Bundesliga glauben zur Winterpause 14 von 18 Trainern, dass Bayern Meister wird. Nach 51 Spieltagen und mehr als 600 Tagen kann bei einem Sieg am Freitag gegen Hoffenheim erstmals wieder die Tabellenführung erobert werden. In DFB-Pokal und Champions League warten mit Fürth und Florenz lösbare Aufgaben, "und wenn die Bayern erstmal ins Rollen kommen, kann man sie nur schwer aufhalten", sagt Toni Kroos.