Depression im Fussball "Ein paar Tage nach Enke war alles vergessen"
Ein Profi, der an Depressionen litt und seine Karriere beenden musste – jahrelang hat er geschwiegen, nun offenbart er sich. Seinen Namen will er nicht öffentlich nennen.
© Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Schattenspiel Fußball
Frage: Sie leiden seit Jahren an Depressionen. Haben Sie deshalb im vorigen Sommer Ihre Karriere als Profifußballer beendet?
Antwort: Ich habe zehn Jahre im Profifußball gespielt. Am Ende zwangen mich meine Panikattacken und Angstzustände und die Schmerzen, unter denen ich spielte, mich von meinem Traum zu verabschieden. Ich hätte kein Spiel ohne psychologische Behandlung mehr geschafft. Ich habe jahrelang das Umfeld, die Vereine und Mitspieler nicht darüber informiert und versucht, die Probleme mit Therapien und Überspielen in den Griff zu bekommen.
Frage: Sie sind auf uns zugekommen, um Ihre Geschichte zu erzählen. Warum öffnen Sie sich jetzt?
Antwort: Das hängt sehr mit dem Fall Robert Enke zusammen...
Frage: ... der Nationaltorwart, der an Depressionen litt und sich selbst tötete.
Antwort: Ja, das ist ein paar Wochen her und es wird wieder weggesehen. Und zwar so hartnäckig, dass es für mich unerträglich ist. Das ist kein Einzelfall, es gibt diese Probleme im Profifußball. Ich weiß, wovon ich spreche.
Frage: Wie viel Mut gehört dazu, zu dieser Krankheit offen zu stehen?
Antwort: Diese Krankheit, die als Sinnbild für Schwäche und Versagen steht, passt nicht zu diesem Leistungssystem. Es wird schwer, eine Selbsthilfegruppe zu finden, weil jeder froh ist, sich damit nicht identifizieren zu müssen.
Frage: Kritisieren Sie den öffentlichen Umgang mit dem Fall Enke?
Antwort: Überhaupt nicht. Er litt an Versagensängsten, daran, es nicht allen recht machen zu können. Ich habe ihn oft beobachtet, ich wusste nichts von seiner Krankheit, aber er passte da irgendwie nicht rein. Er lief neben seinem Image her.
Frage: Wie kommen Sie darauf?
Ich habe in der Jugend beim FC Bayern gespielt, dort hab ich schon die Ellenbogengesellschaft zu spüren bekommen.
Antwort: Mir gefiel seine Sensibilität, die er sich bewahrt hatte. Das findet man nicht oft. Ich kenne welche, die sehr viel Geld verdienen, die ihr Geld zeigen. Dürfen sie ja auch. Enke zeigte Fürsorge. Er verkörperte etwas, mit dem man sich identifizieren konnte. Meine Freundin schaute sich die Berichterstattung wegen Frau Enke an, da sie zum Teil dieselben Worte benutzt: Komm, das schaffen wir schon! Fußball ist nicht alles! Wir haben uns doch! Aber ich kriege einen Vogel, wenn ich höre, dass das DSFmit vielen Kameras da war, selbst vor der Kirche, um Trauernde beim Busaussteigen zu filmen, und noch zwei Leute im Studio sitzen wie bei einem Live-Spiel. Ich muss nicht die halbe Nation vor dem Fernseher sitzen haben, um an etwas teilzunehmen, wovon die meisten keine Ahnung haben.
Frage: Viele waren ehrlich betroffen.
Antwort: Das glaube ich sofort. Denen gegenüber bin ich ungerecht. Doch für mich ist der Übergang in diesem Punkt von Teilnahme zum Voyeurismus fließend.
Frage: Leiden Sie heute an Depressionen?
Antwort: Ich habe zwölf Jahre beim FC Bayern gespielt, bis hoch zur A-Jugend, wo ich schon die Ellenbogengesellschaft zu spüren bekommen habe.
Frage: Das gehört zum Leistungssport.
Antwort: Schon, aber es geht immer um das Wie. Wer damals als Spieler hinzukam, der war kein Kollege, sondern ein Feind.
Frage: Der bekämpft wird nach dem Motto: Den lassen wir hier nicht rein?
Antwort: Nicht wir, sondern: Ich lasse ihn hier nicht rein! Ellenbogen raus! Das wurde gefördert, und es wird ja immer schlimmer im Jugendbereich. Da werden schon Sieben- und Achtjährige gescoutet und in Datenbanken erfasst, die über Jahre hinweg verfolgt werden. Dann wird gesagt: Wir holen vier Neue, dafür gehen vier raus. Was aus denen wird, interessiert keine Sau. Ich war damals noch Spielführer, bekam dann aber woanders einen Profivertrag.
Frage: Sie waren am Ziel.
Antwort: Nein, der Trainer war damals kein Freund der Jugendförderung. Der hat einen gern vor allen anderen kritisiert. Nach eineinhalb Jahren war ich da fertig, mundtot. Ich wollte alles hinschmeißen und nach Neuseeland auswandern.
Frage: Warum das denn?
Antwort: Weil es weit weg war. Ich wollte alles aufgeben, wofür ich in der Kindheit und Jugend gearbeitet hatte. Aber dann kam ein Angebot eines ambitionierten Klubs. Ich nahm es an, konnte aber keinen Ball mehr stoppen. Ich habe den Käfig mitgenommen, ich konnte nicht mehr.
Frage: Welchen Käfig?
Antwort: Ich meine die seelische Beklemmung. Ich wusste damals nichts von Depressionen. Ich war mit achtzehn körperlich stark ausgebildet, aber ich wusste nicht mehr weiter. Ich hatte für zwei Jahre unterschrieben und wusste nicht, wie ich das schaffen sollte.
Frage: Sie gingen zu einem Therapeuten?
Antwort: Ich vertraute mich meiner Schwester an, die Sozialpädagogik studierte. Sie gab mir die Nummer einer anonymen Anlaufstelle. Dort wurde mir nach einer Stunde gesagt: Sie brauchen Hilfe.
Es gab kaum ein Spiel, in dem ich nicht gefährdet war, vom Platz zu fliegen. Ich habe die Spieler beschimpft – das war ein Schutz. Ich habe mich nicht gekannt auf dem Platz.
Frage: Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen?
Antwort: Mit dieser Diagnose ist der Ofen erst einmal aus. Nicht nur versicherungstechnisch. Ich habe den Arzt überredet, dass er die Diagnose abflacht.
Frage: Wie oft waren Sie beim Therapeuten?
Antwort:Damals zweimal die Woche, jeweils vor dem Training. Das wusste kein Spieler im Club, nur noch meine Freundin und meine Eltern. Sie dachten: Der hat alles im Griff, der geht dahin, der macht was. Seltsamerweise war ich in dieser Zeit am erfolgreichsten auf dem Feld. Die Behandlung hielt ich etwa drei Jahre durch. Das glaubt mir ja keiner. Wenn ich am Wochenende zum Spiel fuhr und aus dem Bus stieg, war plötzlich alles zu, meine Muskeln wurden hart, ich begann zu zittern. Ich wusste nicht, wie ich in die Kabine komme.
Frage: Und so konnten Sie spielen?
Antwort: Teilweise ging das nur mit Spritzen in der Halbzeit. Ich habe mir weiß ich was einfallen lassen, damit die Krämpfe sich lösten. Ich hatte in all den Jahren vielleicht zehn Spiele, in denen ich keine Krämpfe hatte.
Frage: Was sagte der Vereinsarzt?
Antwort: Es wurde ein Blutbild gemacht, bei dem sämtliche Werte kontrolliert werden. Alles war okay.
Frage: Für Sie auch?
Antwort: Die Auswärtsspiele waren am schlimmsten. Da war die Stimmung aggressiver, auch ich war aggressiv. Es gab kaum ein Spiel, in dem ich nicht gefährdet war, vom Platz zu fliegen. Ich habe die Spieler beschimpft – das war ein Schutz. Ich habe mich nicht gekannt auf dem Platz. Danach war ich völlig ausgebrannt. Es gab Spiele, da musste ich mich hinterher in der Kabine behandeln lassen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.
Frage: Was war der Grund der Krämpfe?
Antwort: Ich hatte Angst. Ich liebe diesen Sport, aber das Umfeld vertrug ich immer weniger. Ich meine das Publikum.
Schon als Kind sah ich meinen Namen auf der Anzeigetafel im Olympiastadion.
Frage: Weil es Sie dabei beobachtet?
Antwort: Richtig. Ich hatte Angst vor Peinlichkeiten, eventuell über den Ball zu treten. Oder sich früh im Spiel zu verletzen. Ich war froh, wenn ich bis zur Halbzeit durchhielt. Ich war manches Mal wie gelähmt.
Frage: Erklären Sie das bitte.
Antwort: Es ist wie im Kino. Hol dich mal bewusst aus dem Film raus und beobachte die Leute ringsum. Dann gehst du das nächste Mal ins Kino und beobachtest nur noch die Leute und nicht mehr den Film. So war es bei mir. Ich bin rein ins Spiel und habe mich selbst beobachtet. Ich habe jeden Ball berechnet, der in meiner Nähe war. Anstatt mich auf meine Instinkte zu verlassen, habe ich versucht, nur bewusste Entscheidungen zu treffen, aber dafür reicht die Zeit nicht. Mit den Jahren wurde ich immer verletzungsanfälliger, und ich fürchtete, meine Ziele nicht zu erreichen. Ich versuchte meine Versagensängste durch Aggressivität zu überspielen. Später bekam ich eine Gürtelrose. Es wurde immer schlimmer.
Frage: Warum haben Sie sich dem Vereinsarzt nicht anvertraut?
Antwort: So weit war ich damals nicht. Ich wollte auch nicht, dass jemand Verdacht schöpft. Als mir morbide Gedanken kamen, bin ich zur Therapie. Später brach ich sie ab, weil ich dachte, dass sie mir im Weg steht. Ich wollte in die Bundesliga, das war mein Traum.
Frage: Was haben Sie sich davon versprochen, in die Bundesliga zu kommen?
Antwort: Alles, schon als Kind sah ich meinen Namen auf der Anzeigetafel im Olympiastadion.
Frage: Sie haben sich in Ihrer Fantasie nicht auf dem Rasen gesehen?
Antwort: Das ist interessant, nein, nicht auf dem Rasen, nur auf der Tafel.
Frage: Wie haben Sie sich vor den Spielen von Ihren Problemen abgelenkt?
Antwort: Ich wusste nicht: Soll ich ruhige Musik hören oder laute oder vielleicht aggressive? Manchmal bekam ich Magenkrämpfe und musste mich übergeben vor Nervosität. Parallel dazu habe ich dann viele Substanzen ausprobiert, um mich runterzuholen.
Frage: Was waren das für Substanzen?
Antwort: Irgendwann sagte ein Arzt zu mir: Ich geb' dir mal was, damit du runterkommst. Ich habe vieles ausprobiert. Auch Alkohol. Das funktioniert nicht, kann man gleich streichen von der Liste.
Frage: Das blieb doch nicht verborgen, oder?
Antwort: Später natürlich nicht. Ein paar Mitspieler haben das mitgekriegt, dann habe ich gesagt: Komm, hau ab! Die Physiotherapeuten hatten dagegen nur Angst, dass da was dabei ist, was auf der Dopingliste steht. War es aber nicht.
Frage: Wann nahmen Sie etwas ein?
Antwort: Optimal waren zwei Tage früher – wenn du Samstag ein Spiel hattest, also Donnerstag. Aber es konnte auch in die Hose gehen, sodass du im Spiel nicht voll da warst. Die Gedanken arbeiten nicht mehr so, ich konnte abends vor dem Spiel gut schlafen, war anderntags ausgeruht und leistungsbereit. Es hat mich komplett verstellt. Zum Spielen war das gut, du bist entspannt. Schön war’s.
Frage: Und niemand hat was gesagt?
Antwort: Doch, später. Dann sagte man mir: Geh’ doch mal zum Psychologen. Ich antwortete nur: Da war ich schon. Ich ließ mich dann operieren. Das war auch eine Art Rechtfertigung. Ich wollte denen sagen: Es ist nicht mein Kopf, sondern das Knie.
Frage: Warum?
Antwort: Ich habe mich zum Teil selbst belogen. Anders als die körperlichen wollte ich die seelischen Erkrankungen nicht wahrhaben. Die Diagnose ist hart; sie verstecken zu müssen ist fast noch schlimmer. Ich habe es niemandem gesagt. Heute bin ich mir sicher, dass es sonst vorbei gewesen wäre mit meiner Karriere.
Frage: Sebastian Deisler wählte 2003 einen offenen Umgang mit dieser Krankheit.
Antwort: Ich fühle mich solchen Menschen verbunden. Aber ich habe mich nicht damit identifiziert. Deisler hat das vielleicht von dem allerletzten Schritt abgehalten. Aber das System ist überfordert mit dieser Diagnose.
Frage: Warum haben Sie Ihre Krankheit nicht angenommen?
Antwort: Die Diagnose ist unvereinbar mit dem Traum, Bundesligaprofi zu werden. Für mich galt: Wenn ich in der Bundesliga bin, dann ist die Krankheit bezwungen. Verrückt, was?
Frage: Sie hätten die Behandlungen im Geheimen fortführen können.
Antwort: Das Risiko, dass es rauskommt, wuchs stetig. Ich habe während der Therapie mit dem Arzt kaum gesprochen. In meiner besten Phase, sportlich gesehen, habe ich eine Stunde dringelegen und kein Wort gesagt.
Frage: Was haben Sie dann gedacht?
Antwort: Nichts sagen, nichts denken, das war’s. In meinen Träumen war ich immer oben – auf Bäumen, auf Türmen, auf hohen Gebäuden. Und immer wackelte alles, drohte zusammenzubrechen. Ich kann mich an Flugzeugabstürze erinnern. Aber in der Realität hatte ich nie Flugangst. Ich glaubte aber, dass man mir meine Panikattacken auf dem Platz ansah. Das Thema Bundesliga war irgendwann durch. Ich legte mir weiterhin Infusionen.
Frage: Zu Hause?
Antwort: Ja. Und bei jedem Spiel hatte ich was dabei, was mich runterholt. Dafür braucht man keine Ärzte. Man kann sich über die DFB- und DFL-Internetseiten relativ gut informieren, was Doping ist und was nicht. Ich hatte bei zwei Apotheken eine Kundenkarte. Bei mir waren oft die Lichter aus.
Frage: Dieses Versteckspiel muss schlauchen!
Antwort: Ich konnte nie vor drei oder vier Uhr einschlafen. Und das siebenmal die Woche. Das geht an die Substanz. Im Training war ich super. Ich habe so gut trainiert, dass ich wieder hätte spielen müssen. Dann wäre die Scheiße wieder losgegangen. Davor hatte ich Angst. Der Trainer ignorierte mich, und ich war froh drum.
Frage: War es am Ende die Erschöpfung oder die Angst, entdeckt zu werden?
Antwort: Die früheren Mitspieler habe ich angelogen. Für sie war klar, dass ich nach den Operationen nicht mehr konnte. Für jeden war die Geschichte geschrieben.
Frage: Plagen Sie heute Versagensängste?
Antwort: Klar. Die Zweite und Dritte Liga sind ja Schwellenligen. So viel verdienst du nicht, dass du ausgesorgt hast. Du musst schon bald was finden, womit du Geld verdienst. Ich habe den Fußball verlassen, aber die Ängste begleiten mich weiter. Im Fußball ist es so, dass du mit Menschen zu tun hast, die kaum Sensibilität zeigen. Deisler hat den Mut gehabt. Ich nicht.
Frage: Hat sich durch Enke etwas verändert?
Antwort: Vielleicht für ein paar Tage. Und vorbei. Das nächste Unheil kommt bestimmt, dann ist alles wieder vergessen. Nach Enke war es der Wettskandal.
Frage: Was sollte sich verändern?
Antwort: Der Fußball hat eine gewisse Kultur. Ich kann von keinem Fan erwarten, dass er überdenkt, warum er dem Spieler bestimmte Dinge zuschreit. Ich kann nicht verlangen, dass der Fan seine Emotionen zu Hause lässt. Die logische Konsequenz wäre, dass alle still im Stadion sitzen, oder eben gar niemand.
Frage: Sie hat der Fall Enke auf unangenehme Weise berührt. Warum?
Antwort: Ich finde es nicht schlimm, wenn ein Mensch Gedanken hegt, die dem Leben nicht zugetan sind. Ich kann verstehen, dass er es getan hat. Er hatte einen Rucksack, der 100-mal so schwer war wie meiner. Ich weiß, wohin es mit einem galoppieren kann, wenn diese negativen Gedanken Überhand gewinnen. Ich weiß nicht, wie oft er für sich probiert hat, da rauszukommen, wie oft er sich gesagt hat, dass es nicht nur den Fußball gibt, und festgestellt hat, dass es für ihn nicht geht. Obwohl er doch alles hat: Familie, Liebe, Anerkennung, sportlichen Erfolg und Geld – er bringt sich verdammt noch mal um. Es war am Ende nur der Gedanke: Es geht nicht. Es geht nicht!
Der Trainer sagt vor einem Spiel: Du, dein Gegner hatte mal eine Knieoperation unten rechts, also du weißt, wo du mal hintreten musst, oder der ist leicht reizbar – reize ihn mal! Das wird im Fußball bewusst eingesetzt. Das ist eine Waffe.
Frage: Sie kennen solche Gedanken?
Antwort: Wenn ich mich auf gute Dinge fokussierte, erreichte ich genau das Gegenteil. Das ist bei Menschen so, die sich in ihren Gedanken verrannt haben. Was du fokussierst, das Positive, die Überzeugungen, das Leben, wird vom Negativen überlagert. Der Depressive wird nur darin bestätigt, dass es nicht geht.
Frage: Wie gehen Sie jetzt nach Ihrer Karriere damit um?
Antwort: Ich bin wieder in Behandlung. Der Depressive treibt mit seinen Gedanken irgendwohin. Es ist schwierig für den, der an der Seite eines Depressiven lebt. Allein schon dessen Gedanken, Sorgen und Ängsten zu folgen. Die Gedanken eines Depressiven suchen sich ihren eigenen Gang, wie in einem Labyrinth. Ich bin immer zwei, drei Schritte voraus. Der andere kommt nie nach.
Frage: Haben Sie Angst vor dem Tod?
Antwort: Die Angst, dass mir keiner helfen kann, habe ich nicht. Ich bin diesen letzten Schritt nicht durchlaufen. Das ist eine total bewusste Tat, sich selbst zu töten. Das ist eine Entscheidung, die in einem Körper stattfindet, der völlig anders funktioniert, denkt, fühlt, anders entscheidet.
Frage: Was treibt Sie heute an?
Antwort: Meine Intention liegt darin, zu sagen, dass es auch nach Deisler und Enke Menschen mit solchen Problemen gibt. Egal, ob im Sport oder anderswo. Mit Gemüt kann man mitunter mehr erreichen als mit harter Arbeit. Es gibt Leute, die es mit einer Scheißegal-Haltung weit bringen. Im Fußball hast du keine Chance mit dieser Krankheit. Heute weiß man fast alles über den Gegner. Der Trainer sagt vor einem Spiel: Du, dein Gegner hatte mal eine Knieoperation unten rechts, also du weißt, wo du mal hintreten musst, oder der ist leicht reizbar – reize ihn mal! Das wird im Fußball bewusst eingesetzt. Das ist eine Waffe und darauf wird man nicht verzichten wollen.
Die Fragen stellte Michael Rosentritt, erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 3. Januar 2010.
- Datum 03.01.2010 - 10:25 Uhr
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Glauben sie wirklich es ist ein einzelnes Phänomen? Glauben sie dass ein Chirurg, Flugkapitän oder Lockführer nicht ebenfalls leidet und von permanenter Versagensangst gepeinigt wird? Wer spricht denn darüber, nein das darf und kann natürlich nicht sein. und der Fußball das ist natürlich unser wichtigstes Gesellschaftsproblem!
MFG
und kein psychologisches. Ich darf mal scharf vermuten, der gute Mann hat einen Psychotherapeuten aufgesucht, wo er bei einem medizinisch versierten Psychater besser aufgehoben wäre. Bzw. ein kombinierte Behandlung mit Medikamenten und Therapie, weil die Medikamente überhaupt erst die Therapie ermöglichen. Überhaupt halte ich die Psychologisierung unseres Alltags für gemeingefährlich
- unsere Kinder haben adhs
- unsere Studenten haben burnout
- unsere Kollegen werden gemobbt
Wahrscheinlich gibt es keinen Menschen mehr, der sich nicht irgendeine Psycho-Geschichte an den Leib hängen darf. Nur schade, dass auf die Pseudo-Kranken soviel Zeit verschwendet wird, weil die Leute untergehen, die wirklich Hilfe brauchen: Leute mit Psychosen, Angststörungen und anderen Problemen, die durch ihre Krankheit - der Begriff ist hier angebracht - praktisch handlungs- und lebensunfähig sind. Stattdessen wird über die kleinen Alltags-Wehwehchen von Leuten berichtet, die schon längst jeden Blick für die Realität menschlichen Elends verloren haben. Womit ich aber nicht diesen Herren meine, er scheint tatsächlich behandlungsbedürftig zu sein.
Mit verlaub, aber Sie haben anscheinend überhaupt keine Ahnung von dem was Sie schreiben. Und gerade wegen solcher Menschen wie Sie ist es für Betroffene so schwer sich ihre Probleme einzugestehen und auch damit nach Außen zu gehen. Denn was würde passieren wenn Betroffene an einen Menschen wie Sie gelangen? Es würden die die typischen Sprüche kommen wie von wegen "Stress hat ja jeder", oder "Probleme hat jeder", oder noch besser "stell dich nicht so an"...das hilft den Betroffenen allgemein.
Sie würde anscheinend einfach Tabletten verschreiben und gut ist. Nur das hilft niemandem. Damit bekämpfen Sie höchstens das Symptom, aber nicht die Ursache. Was nützt es mir, wenn ich mit Mediakemten vollgestopft durch die Welt gehe? Kurzfristig um akute Situationen zu überstehen ist das ja ok, aber ansonsten eher hinderlich. Mal davon abgesehen dass es hierbei nicht wie bei Kopfschmerztabletten ist. Man muss erfst mal den richtigen Wirkstoff finden (jeder Mensch reagiert anders darauf) und dann noch die richtige Dosis.So etwas kann schon mal ein halbes Jahr dauern. Und später kann man die Medikamente nicht einfach absetzen, man muss langsam die Dosis zurückschrauben ("ausschleichen").
Aber was bringen Medikamente sonst? Gar nichts. Wenn es mir schlecht geht muss ich wissen wann es mir schlecht geht, ich muss darüber mit meinem Therapeuten reden können, ich muss genau fühlen wie es mir in dem Momenten geht. Wie will ich das, wenn alles betäubt ist? Wie soll ein normaler Arzt z.B. von Ihnen erfahren können wo Sie schmerzen haben wenn alles betäubt ist? Zudem ist ein Psychiater nicht automatisch besser als ein Therapeut...ich habe eher das Gefühl dass sie nicht mal genau wissen wo der Unterschied zwischen einem Therapeuten, Psychiater und Psychologen besteht.
Und wenn Sie Angststörungen (Phobien) höher als Depressionen bewerten, ist mir alles klar. Ist jemand, der Angst vor Spinnen, Mäusen oder Fahrstuhlfahren hat in seinem Leben wirklich so eingeschränkt? Diese Bereiche gehören nämlich auch zu den Phobien.
Ich vermute eher dass das Problem darin liegt, dass sie nicht annäherns wissen was eine Depression wirklich ist. Vielleicht da erst einmal anfangen und sich schlau machen...
Ihre Arroganz gegenüber den real existierenden Problemen der Gesellschaft ist erschreckend. ADHS, Burn-Out-Syndrom, Mobbing - das sind häufige und greifbare Krankheiten, die nichts mit den kleinen Alltags-Wehwehchen zu tun haben.
Wenn Sie sich auch nur annähernd über die Ursachen einer Depression informiert hätten, wüssten Sie, dass eine monokausale Ursache als Erklärung nie ausreichend und entsprechend es die alleinige Gabe von Psychopharmaka ebenfalls nicht ist. Gleiches gilt für die von Ihnen erwähnten Angststörungen.
Die von Ihnen propagierte Unwissenheit (Arroganz?)ist es leider, die vielen hilfebedürftigen Menschen den Weg zum Arzt oder Therapeuten versperrt und sie schlimmstenfalls den Freitod als einzigen Ausweg wählen lässt.
Mal das hier lesen...vielleicht ändert es ja was...
http://www.zeit.de/2009/4...
Mit verlaub, aber Sie haben anscheinend überhaupt keine Ahnung von dem was Sie schreiben. Und gerade wegen solcher Menschen wie Sie ist es für Betroffene so schwer sich ihre Probleme einzugestehen und auch damit nach Außen zu gehen. Denn was würde passieren wenn Betroffene an einen Menschen wie Sie gelangen? Es würden die die typischen Sprüche kommen wie von wegen "Stress hat ja jeder", oder "Probleme hat jeder", oder noch besser "stell dich nicht so an"...das hilft den Betroffenen allgemein.
Sie würde anscheinend einfach Tabletten verschreiben und gut ist. Nur das hilft niemandem. Damit bekämpfen Sie höchstens das Symptom, aber nicht die Ursache. Was nützt es mir, wenn ich mit Mediakemten vollgestopft durch die Welt gehe? Kurzfristig um akute Situationen zu überstehen ist das ja ok, aber ansonsten eher hinderlich. Mal davon abgesehen dass es hierbei nicht wie bei Kopfschmerztabletten ist. Man muss erfst mal den richtigen Wirkstoff finden (jeder Mensch reagiert anders darauf) und dann noch die richtige Dosis.So etwas kann schon mal ein halbes Jahr dauern. Und später kann man die Medikamente nicht einfach absetzen, man muss langsam die Dosis zurückschrauben ("ausschleichen").
Aber was bringen Medikamente sonst? Gar nichts. Wenn es mir schlecht geht muss ich wissen wann es mir schlecht geht, ich muss darüber mit meinem Therapeuten reden können, ich muss genau fühlen wie es mir in dem Momenten geht. Wie will ich das, wenn alles betäubt ist? Wie soll ein normaler Arzt z.B. von Ihnen erfahren können wo Sie schmerzen haben wenn alles betäubt ist? Zudem ist ein Psychiater nicht automatisch besser als ein Therapeut...ich habe eher das Gefühl dass sie nicht mal genau wissen wo der Unterschied zwischen einem Therapeuten, Psychiater und Psychologen besteht.
Und wenn Sie Angststörungen (Phobien) höher als Depressionen bewerten, ist mir alles klar. Ist jemand, der Angst vor Spinnen, Mäusen oder Fahrstuhlfahren hat in seinem Leben wirklich so eingeschränkt? Diese Bereiche gehören nämlich auch zu den Phobien.
Ich vermute eher dass das Problem darin liegt, dass sie nicht annäherns wissen was eine Depression wirklich ist. Vielleicht da erst einmal anfangen und sich schlau machen...
Ihre Arroganz gegenüber den real existierenden Problemen der Gesellschaft ist erschreckend. ADHS, Burn-Out-Syndrom, Mobbing - das sind häufige und greifbare Krankheiten, die nichts mit den kleinen Alltags-Wehwehchen zu tun haben.
Wenn Sie sich auch nur annähernd über die Ursachen einer Depression informiert hätten, wüssten Sie, dass eine monokausale Ursache als Erklärung nie ausreichend und entsprechend es die alleinige Gabe von Psychopharmaka ebenfalls nicht ist. Gleiches gilt für die von Ihnen erwähnten Angststörungen.
Die von Ihnen propagierte Unwissenheit (Arroganz?)ist es leider, die vielen hilfebedürftigen Menschen den Weg zum Arzt oder Therapeuten versperrt und sie schlimmstenfalls den Freitod als einzigen Ausweg wählen lässt.
Mal das hier lesen...vielleicht ändert es ja was...
http://www.zeit.de/2009/4...
das der Erfolgsdruck im Fußball besonders hoch ist. Tatsache ist aber auch, wie temporalis34 ^^ vor mir schon richtig bemerkt hat, das es genug Bürger auf dieser Welt gibt die eine ähnliche Hölle erleben. Ich denke im Fußball sind die Menschen wenigstens finanziell abgesichert. Das kann der gemeine Pöbel wohl eher nicht von sich behaupten. Meine Fresse diese Menschen haben Geld, werden geliebt, haben die schönsten Frauen usw.... soll ich jetzt etwa mitleid haben???
Es tut mir als Fussballfan wirklich besonders leid was da mit und um Robert Enke geschehen ist. Aber es kann nicht sein das jetzt jeder Fussballer bemitleidet wird für sein Traumleben. Ein Familienvater der jeden Tag Angst hat seinen Job zu verlieren oder eine Alleinerziehende Mutter die nicht weis wie sie Arbeit und ERziehung unter einem Hut bringen soll... DAS SIND PROBLEME!!!
(Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
Ist Ihr Benutzername bei Ihnen Programm?
Sie gehören anscheinend auch zu den Leuten, die nach dem Motto agieren "was ich nicht sehe ist auch nicht da". Wenn Emke jetzt durch was auch immer gelähmt wäre, dann würde er von Ihnen "Mitleid" bekommen (ob er es haben wollen würde ist eine andere Sache)?
Was heisst es schon wenn die Menschen Geld haben, geliebt werden und wer weiß was noch haben wenn sie den Kontakt zu sich selber verloren haben? Letztendlich ist ein Mensch mit Depressionen fast nur noch eine leere Hülle. Auch wenn Ihnen dass nicht passt...
Machen Sie sich doch bitte erst einmal schlau was eine Depression wirklich ist, dann können wir weiter diskutieren...
(Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
Ist Ihr Benutzername bei Ihnen Programm?
Sie gehören anscheinend auch zu den Leuten, die nach dem Motto agieren "was ich nicht sehe ist auch nicht da". Wenn Emke jetzt durch was auch immer gelähmt wäre, dann würde er von Ihnen "Mitleid" bekommen (ob er es haben wollen würde ist eine andere Sache)?
Was heisst es schon wenn die Menschen Geld haben, geliebt werden und wer weiß was noch haben wenn sie den Kontakt zu sich selber verloren haben? Letztendlich ist ein Mensch mit Depressionen fast nur noch eine leere Hülle. Auch wenn Ihnen dass nicht passt...
Machen Sie sich doch bitte erst einmal schlau was eine Depression wirklich ist, dann können wir weiter diskutieren...
[...] (Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion /ft)
Die beiden Kommentare zuvor sind etwas dürftig. 1. Nichts mehr über derartige Probleme hören zu wollen ist ja gerade eines der Grundprobleme. 2. Sicher geht es in Deutschland fast immer nur um Fußball; deshalb ist es ja gut, wenn auch einmal die Schattenseiten dieses völlig überzogenen Trubels aufgezeigt werden. 3. Wir sollten alles ernst nehmen, was es so gibt, die leichten (adhs, burnout, mobbing) wie die schweren Fälle.
ich bezog mich natürlich auf Kommentar 1.u.2.
Mit verlaub, aber Sie haben anscheinend überhaupt keine Ahnung von dem was Sie schreiben. Und gerade wegen solcher Menschen wie Sie ist es für Betroffene so schwer sich ihre Probleme einzugestehen und auch damit nach Außen zu gehen. Denn was würde passieren wenn Betroffene an einen Menschen wie Sie gelangen? Es würden die die typischen Sprüche kommen wie von wegen "Stress hat ja jeder", oder "Probleme hat jeder", oder noch besser "stell dich nicht so an"...das hilft den Betroffenen allgemein.
Sie würde anscheinend einfach Tabletten verschreiben und gut ist. Nur das hilft niemandem. Damit bekämpfen Sie höchstens das Symptom, aber nicht die Ursache. Was nützt es mir, wenn ich mit Mediakemten vollgestopft durch die Welt gehe? Kurzfristig um akute Situationen zu überstehen ist das ja ok, aber ansonsten eher hinderlich. Mal davon abgesehen dass es hierbei nicht wie bei Kopfschmerztabletten ist. Man muss erfst mal den richtigen Wirkstoff finden (jeder Mensch reagiert anders darauf) und dann noch die richtige Dosis.So etwas kann schon mal ein halbes Jahr dauern. Und später kann man die Medikamente nicht einfach absetzen, man muss langsam die Dosis zurückschrauben ("ausschleichen").
Aber was bringen Medikamente sonst? Gar nichts. Wenn es mir schlecht geht muss ich wissen wann es mir schlecht geht, ich muss darüber mit meinem Therapeuten reden können, ich muss genau fühlen wie es mir in dem Momenten geht. Wie will ich das, wenn alles betäubt ist? Wie soll ein normaler Arzt z.B. von Ihnen erfahren können wo Sie schmerzen haben wenn alles betäubt ist? Zudem ist ein Psychiater nicht automatisch besser als ein Therapeut...ich habe eher das Gefühl dass sie nicht mal genau wissen wo der Unterschied zwischen einem Therapeuten, Psychiater und Psychologen besteht.
Und wenn Sie Angststörungen (Phobien) höher als Depressionen bewerten, ist mir alles klar. Ist jemand, der Angst vor Spinnen, Mäusen oder Fahrstuhlfahren hat in seinem Leben wirklich so eingeschränkt? Diese Bereiche gehören nämlich auch zu den Phobien.
Ich vermute eher dass das Problem darin liegt, dass sie nicht annäherns wissen was eine Depression wirklich ist. Vielleicht da erst einmal anfangen und sich schlau machen...
Ich kann dieser Einschätzung nur voll zustimmen. Als Ehemann einer manisch Depressiven habe ich genügend Erfahrungen im Umfeld gesammelt. Das hauptsächliche Problem im Umgang mit dieser Krankheit ist das "nicht Verstehen" derselben.
Es ist auch aus der Sicht eines gesunden Menschen, der sicher auch schon manchen Schicksalsschlag einstecken mußte, nicht wirklich begreifbar. Die gut gemeinten Ratschläge machen jedem Erkrankten nur noch deutlicher die eigentliche Ohnmacht klar.Manchmal hatte ich auch das Gefühl daß so mancher Psychiater oder Therapeut nicht wirklich begreift was er dort tut. Es ist deswegen auch reine Glückssache oder harte Sucharbeit bis man "den Richtigen" gefunden hat. Es drängt sich mir auch in der letzten Zeit der Gedanke auf, das die Krankheit in dieser Gesellschaft regelrecht gezüchtet wird.
Durch solche Fälle wie Robert Enke, wird dieses Problem für einen Augenblick ins Licht gezogen, um danach wieder hinter den Schlagzeilen des nächsten Tages zu verschwinden.
Wird sich nun etwas in unserer "Leistungsgesellschaft" - ich glaube nicht.
Ich kann dieser Einschätzung nur voll zustimmen. Als Ehemann einer manisch Depressiven habe ich genügend Erfahrungen im Umfeld gesammelt. Das hauptsächliche Problem im Umgang mit dieser Krankheit ist das "nicht Verstehen" derselben.
Es ist auch aus der Sicht eines gesunden Menschen, der sicher auch schon manchen Schicksalsschlag einstecken mußte, nicht wirklich begreifbar. Die gut gemeinten Ratschläge machen jedem Erkrankten nur noch deutlicher die eigentliche Ohnmacht klar.Manchmal hatte ich auch das Gefühl daß so mancher Psychiater oder Therapeut nicht wirklich begreift was er dort tut. Es ist deswegen auch reine Glückssache oder harte Sucharbeit bis man "den Richtigen" gefunden hat. Es drängt sich mir auch in der letzten Zeit der Gedanke auf, das die Krankheit in dieser Gesellschaft regelrecht gezüchtet wird.
Durch solche Fälle wie Robert Enke, wird dieses Problem für einen Augenblick ins Licht gezogen, um danach wieder hinter den Schlagzeilen des nächsten Tages zu verschwinden.
Wird sich nun etwas in unserer "Leistungsgesellschaft" - ich glaube nicht.
.....das hilft den Betroffenen allgemein nicht....(wann gibt es hier endlich eine Editier-Funktion?)
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