Blamable Niederlage: Deutschlands Handballer gehören nicht mehr zu Europas Spitze. Im seinem letzten Spiel der EM in Österreich vergab der WM-Fünfte in Innsbruck kläglich seinen zweiten Turniersieg und musste sich mit einem 26:26 (16:14) gegen Tschechien begnügen. In der Schlussminute hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) noch die Chance zum Siegtreffer, vertändelte diese jedoch. Nun reist die Mannschaft um Kapitän Michael Kraus mit dem schlechtesten EM-Platz seit dem neunten Rang im Jahr 2000 nach Hause.

Vor rund 6000 Zuschauern in der Olympiahalle konnte die DHB-Auswahl ein weitere Mal nicht überzeugen. Beste Werfer waren Lars Kaufmann und (7) und Uwe Gensheimer (6/1). "Die erste Halbzeit war in Ordnung. In der zweiten Hälfte fehlte die Kraft. Aber das war auch bei den Tschechen so", sagte Bundestrainer Heiner Brand.

Bei ihrer Abschiedsvorstellung von der EM musste die deutsche Mannschaft ohne Holger Glandorf auskommen. Der Rückraumspieler hatte bei der 20:25-Niederlage gegen Spanien eine schwere Prellung des Oberschenkelknochens direkt oberhalb des Knies erlitten. Der Lemgoer muss 14 Tage pausieren.

Ohne den Linkshänder kam das Team von Handball-Bundestrainer Heiner Brand in den ersten Minuten des letzten EM-Spiels überhaupt nicht zurecht. Mit schwachen Torwürfen vergab die deutsche Auswahl wieder einmal zu viele Chancen. Erst der 0:3-Rückstand (7.) schien die Blockade in den Köpfen der Spieler zu lösen. Das Ende der Torflaute durch Lars Kaufmann mit dem Treffer zum 1:3 (8.) war die erhoffte Initialzündung. Mit fünf Treffern hintereinander drehte die bislang enttäuschende Mannschaft den Rückstand in eine 5:3-Führung.

Bundestrainer Brand wartete mit einer taktischen Überraschung auf. Statt der üblichen 6:0-Abwehr bot er diesmal eine offensive 5:1-Formation auf, in der Kreisläufer Christoph Theuerkauf Tschechiens Ausnahmespieler Filip Jicha (Kiel) in Manndeckung nahm. So waren die Kreise des Champions-League-Torschützenkönigs weitgehend eingeschränkt. Zwar glichen die Tschechen beim 9:9 (18.) trotzdem noch einmal aus. Doch die deutsche Mannschaft behielt ihre Linie bei und setzte sich wieder auf 13:10 (25.) ab und ging mit einer 16:14- Führung in die Pause.

Statt schnellem und schönem Handballs boten beide Teams im Kampf um einen Platz unter den ersten Zehn in der EM-Endabrechnung ein zähes Ringen. Dabei erarbeitete sich die DHB-Auswahl vor allem durch den dynamischen Lars Kaufmann Vorteile. Der Rückraumspieler sorgte mit seinen Treffern sechs und sieben für das 19:16 (38.) und damit den erneuten Drei-Tore-Vorsprung.  

Trotzdem war dem deutschen Team der Kräfteverschleiß aus den bisherigen Partien anzumerken. "Wenn der Körper ausgelaugt ist, macht der Kopf auch nicht mehr mit. Da brauchte ich einigen Spielern nur ins Gesicht zu gucken, um das zu sehen", sagte Brand. So gab seine Mannschaft den Vorteil wieder aus der Hand und musste beim 20:20 (47.) wieder den Ausgleich hinnehmen.