Olympische Winterspiele Russland soll Doping-Kontrolleure behindern

Eine Woche vor den Olympischen Winterspielen bahnt sich ein Doping-Skandal an: Mindestens elf russische Sportler sind 2009 überführt worden. Zugleich sollen die Behörden Kontrolleure behindern.

Ausländische Doping-Kontrolleure sollen in Russland bei ihrer Arbeit stark behindert worden sein. Zu diesem Schluss kommt die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in einem vertraulichen Bericht, der dem ZDF vorliegt.

Demnach habe es zumindest bis vor wenigen Monaten bei einer der erfolgreichsten Sportnation der Welt erhebliche Probleme und Defizite im Dopingkontrollsystem gegeben. So sollen staatliche Stellen die Arbeit internationaler Kontrolleure auf russischem Gebiet gestört haben. In dem WADA-Papier heißt es, dass Behörden "es ausländischen Dopingkontrolleuren erschwerten, innerhalb des russischen Territoriums zu arbeiten".

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Nach ZDF-Informationen wurden mehrfach Dopingproben von der russischen Polizei beschlagnahmt. Mindestens in einem Fall wurde ein Fahnder über mehrere Stunden in Arrest genommen. Nach dem WADA-Bericht habe man Ermittler dabei behindert, "Proben über die Grenzen ins Ausland zu bringen, Proben innerhalb der russischen Grenzen zu transportieren sowie ihre Dopingkontroll-Utensilien und Gerätschaften nach Russland ein- und auszuführen".

Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), spricht in einem ZDF-Interview von "Nachlässigkeiten" der russischen Behörden gegenüber illegalen Doping-Aktivitäten. Von einem staatlichen Doping-System in Russland könne allerdings nicht die Rede sein. "Nachlässigkeiten ja, aber das ist ein großer Unterschied zu der Behauptung, dass es ein staatlich organisiertes System gab", sagte der Belgier.

Rogge selbst hat in den vergangenen Monaten die Defizite in Russlands Anti-Doping-Kampf bei Treffen mit führenden Regierungsvertretern angesprochen. Im vergangenen Oktober wurde dann die norwegische Anti-Doping-Agentur dem Verband in Russland beratend zur Seite gestellt.

Die russische Dopingbilanz im vergangenen Jahr wirft einen Schatten auf Russlands Topathleten: Allein in den olympischen Winterdisziplinen sind elf positive Dopingfälle zu verzeichnen. Darunter Spitzensportler und Olympiasieger wie Jewgeni Dementjew und Julia Tschepalova. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Alena Sidko Ende 2009 positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet wurde. Es war bereits der fünfte russische Doping-Fall in der laufenden Saison.

Besonders auffällig ist nach ZDF-Angaben, dass Sportler nie bei überraschenden Trainingskontrollen in Russland überführt wurden. Sie alle wurden bei Wettkampftests oder im Ausland positiv getestet. Die Trainingskontrollen sind jedoch eigentlich das Kernelement des Anti-Doping-Kampfes. WADA-Generalsekretär David Howman wollte dem ZDF die Kritik aus dem internen Papier seines Verbandes nicht kommentieren.

Mit großer Verwunderung verfolgt auch der Internationale Ski-Verband (Fis) die Serie der russischen Doping-Fälle. Die Fis kündigte zudem an, am Ende der Saison über Maßnahmen gegen den russischen Ski-Verband entscheiden zu wollen. Möglich sind nach den Regeln eine Geldstrafe oder ein temporärer Ausschluss des Verbandes.

 
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