Sperre für Togo Zynischer Missbrauch von Paragrafen
Erst werden Togos Fußballer angegriffen, nun von einem gekränkten Sportfürsten bestraft. Der Fifa-Chef Blatter muss eingreifen und so gegen eigene Prinzipien verstoßen.
© Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

Issa Hayatou und Joseph Blatter
Selten treten Unverfrorenheit und Kaltherzigkeit so offen zu Tage wie am vorigen Samstag bei Issa Hayatou. Der Präsident des Afrikanischen Fußballverbands (CAF) hat Togo für die nächsten beiden Afrika Cups gesperrt. Vier ganze Jahre! Was hat Togos Mannschaft verbrochen? Sie hat es gewagt, ein Tunier abzusagen. Genauer gesagt das in Angola, welches gestern mit dem Sieg Ägyptens zu Ende gegangen ist. Und warum? Weil vor drei Wochen der Bus der Mannschaft von Rebellen angegriffen worden war – und der Pressesprecher, der Assistenztrainer sowie der Busfahrer getötet wurden.
Tatsächlich gibt es einen Paragrafen, der eine Sperre für "unerlaubtes Fernbleiben" rechtfertigt. Doch muss Recht durchgesetzt werden, auch wenn die Welt daran zugrundegeht? Ohnehin dürfte die Argumentation Hayatous formal nicht korrekt sein. Denn es gibt auch zulässige Ausnahmen für eine Absage, etwa höhere Gewalt.
Unzweifelhaft ist jedoch der moralische Abgrund der Entscheidung Hayatous, der aus Opfern Täter macht. Durchsichtigerweise handelt es sich um die Reaktion eines Gekränkten. Den Entschluss zur Abreise traf die Delegation Togos nämlich, nachdem ihr Premierminister Gilbert Houngbo sie dazu aufgefordert hatte. Zuvor hatte Hayatou versucht, die geschockten Spieler zum Weitermachen zu überreden – mit Hilfe des "The Games must go on"-Prinzips. Das Wort des Politikers war stärker als das des Sportlers. Das scheint untragbar für einen Machtmenschen zu sein.
"Abscheulich", findet Togos Star Emmanuel Adebayor die Haltung Hayatous und fordert ihn zum Rücktritt auf. Die internationale Presse ist fassungslos. Gespannt darf man auf die Reaktion der Fifa sein. Präsident Joseph Blatter, gegen den Hayatou vor acht Jahren vergeblich kandidierte, ist jetzt zum Handeln gezwungen. Südafrika ist nicht Angola, und die Fifa ist nicht die CAF. Doch könnte die schlechte Stimmung auf die Weltmeisterschaft abfärben, die in vier Monaten erstmalig in Afrika stattfinden wird. Der Bundesverdienstkreuzträger Blatter muss die Sperre aufheben.
Allerdings würde er damit ein Prinzip angreifen, das vielen Sportfunktionären und -organisationen heilig ist, und das er seit Jahren verteidigt: die Autonomie des Sports. Doch ihr muss Einhalt geboten werden. Wie der Sport sie missbraucht, dafür hat Hayatou nun ein weiteres lehrreiches und zynisches Beispiel geliefert.
- Datum 01.02.2010 - 15:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Die "Autonomie des Sports" ist ja schön und gut. Wenn allerdings ein Terroranschlag auf die Nationalmannschaft Togo's ausgeführt wird, bei dem auch noch Menschen sterben, dann ist das wohl eine Angelegenheit die über die Zuständigkeiten des Sports hinausgeht. Nicht umsonst wird der Fussball umgangssprachlich als "schönste Nebensache der Welt" bezeichnet.
Ich würde hierbau auch nicht direkt von einer Einmischung der Politik in den Bereich des Sportes sondern vielmehr in den Bereich der Sicherheit sprechen. Wenn hierbei jemand in den inneren Ablauf des Sportprogramms Einfluss genommen hat, dann die Menschen, die für den Anschlag verantwortlich sind.
...wenn die ganze Nationalmannschaft Togos bei dem Anschlag ums Leben gekommen wäre? Hätte man dann die "2.Reihe" aus der Heimat nachkommen lassen müssen? Und wenn die Spieler sich aus verständlichen Gründen geweigert hätten?
Teile des Führungspersonals der FIFA sind so krank, korrupt und unmoralisch, es ist kaum noch fassbar.
Btw: Dass man Blatter, der ALLES getan hat, um die WM 2006 NICHT in Deutschland stattfinden zu lassen, nachträglich auch noch das Bundesverdienstkreuz hinterhergeschmissen hat, finde ich auch immer wieder eine beschämende Sache.
Wollen wir mal hoffen, wawerka, dass er nicht noch höhere Weihen erhält. Wenn das alles glatt geht mit Südafrika in diesem Jahr, wird man das auch ihm zugutehalte.
Die Prinzipienreiter und Erbsenzähler gibt es also nicht nur in der ersten Welt? Keine guten Aussichten.
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