Interview Magdalena Neuner "Es war ganz schön viel für mich"

Magdalena Neuner ist in Bestform und derzeit die beste Sportlerin dieser Olympischen Spiele. Im Interview erklärt sie, wieso sie dennoch auf einen Start in der Staffel verzichtet.

Zweimal Gold, einmal Silber: Die 23-jährige Magdalena Neuner ist die erfolgreichste Athletin der Spiele in Vanvouver

Zweimal Gold, einmal Silber: Die 23-jährige Magdalena Neuner ist die erfolgreichste Athletin der Spiele in Vanvouver

"Für mich sind die Olympischen Spiele heute beendet. Ich werde die Staffel nicht laufen", sagte Magdalena Neuner während der Pressekonferenz im Deutschen Haus in Whistler. Ungläubiges Staunen bei allen Beobachtern - mit diesem Verzicht hatte niemand gerechnet. Wenige Stunden zuvor hatte die Biathletin im Massenstart ihre zweite Goldmedaille gewonnen und sich damit zur erfolgreichsten Sportlerin der Winterspiele aufgeschwungen.

Frage: Frau Neuner, Sie verzichten auf einen Staffel-Einsatz. Wie haben ihre Mannschaftskolleginnen reagiert?

Magdalena Neuner: Ich habe den Mädels gesagt, dass ich auf meinen Startplatz verzichten werde, weil ich meine Medaillen schon gewonnen habe. Ihre Reaktion war eigentlich eher so, dass sie gesagt haben: Stark von dir. Ich glaube, sie freuen sich, dass sie noch einmal einen Einsatz bekommen und noch einmal die Chance haben, eine Medaille zu holen. Ich gönne es Ihnen von Herzen.

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Frage: Ist die Staffel denn ohne Sie noch so stark?

Neuner: Ja, definitiv. Die Martina Beck ist eine unglaubliche Startläuferin. Die Andrea Henkel hat auch schon oft ihre Klasse gezeigt. Zu Simone Hauswald braucht man nicht viel dazu sagen. Und Kati Wilhelm hat als Schlussläuferin schon oft genug überzeugt. Definitiv haben die vier eine Chance, eine Medaille zu holen. Mit Sicherheit.

Frage: Aber auf eine zweimalige Olympiasiegerin zu verzichten, fällt doch bestimmt schwer. Was hat ihr Trainer Uwe Müssiggang gesagt?

Neuner: Der Uwe hat gesagt, das ist meine Entscheidung. Aber es ist für ihn auch unheimlich schwierig, jemandem zu sagen, du darfst nicht laufen. Wir sind halt fünf starke Läuferinnen. Es gibt noch drei bei uns in der Mannschaft, die keine Medaille haben. Am schönsten ist es für das ganze Team, wenn jede eine Medaille mit heim nimmt.

Frage: Ist Ihnen denn die Entscheidung schwer gefallen? Sie hätten ja auch als dreimalige Olympiasiegerin nach Hause fahren können?

Neuner: Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich bin unheimlich glücklich damit, was ich gewonnen habe. Für mich haben sich mehr als alle Träume erfüllt. Für mich ist es die richtige Entscheidung. Es muss ja keiner verstehen.

Frage: Wie ist die Entscheidung gefallen?

Neuner: Die Trainer und ich haben uns zusammengesetzt. Es ist üblich, dass der Trainer mit dem Sportler darüber spricht: Willst du Staffel laufen? Wie machen wir es? Wir haben uns darüber unterhalten, und ich habe meine Sorgen deutlich gemacht, dass es am Dienstag nicht klappen könnte. Es war schon alles ganz schön viel für mich. Ich möchte einfach nicht, dass es nicht klappt und die Mädels dann enttäuscht sind.

 
Leser-Kommentare
  1. Ja, wie klasse ist das denn?

    Was für ein Team!

    Wie vorbildlich!

    Jetzt läuft die Frauenstaffel mit 5 Frauen und hat für mich schon gewonnen! Den Preis für Teamfähigkeit.

    Wenn sich so etwas doch übertragen ließe...auf die Politik, die Wirtschaft, unsere Gesellschaft.

  2. Magdalena Neuner ist eine vorbildliche Sportlerin, die mit einer unglaublichen Sympathie und Erdung sicherlich viele Sympathien beim Publikum gewonnen hat.
    Dass sie auf ihren Platz in der Staffel verzichtet ist zwar ein sportlicher VErlust, aber es ist auich schoen, wenn jemand mal sagt: Jetzt reicht es.
    Ich bin zufrieden.
    Das Maedel ist ja erst 23, da kann sie noch viele Medaillen gewinnen. 2-3 olympische Spiele wird sie sicher noch absolvieren.
    Es waere den anderen Damen eine Medaille zu wuenschen, aber dafuer muessen sie schon stark sein.
    Die Konkurrenz schlaeft nicht.

    • BSiR
    • 22.02.2010 um 14:57 Uhr

    Eine großartig sportliche Entscheidung. Hut ab. Das ist ein Teamgeist, wie ich ihn mir auch auf anderen Ebenen wünschen würde. Zugleich auch psychologisch wertvoll, da nun die übrigen 3 Mädels, Kati, Andrea und Martina alles daran setzen werden, den Verzicht durch den Gewinn einer eigenen Medaille zu honorieren.
    Auch diese Mädels haben sich lange und unter manchem Verzicht auf diese Spiele vorbereitet und das sie leistungsfähig sind, haben sie schon oft genug bewiesen.
    Die Fahrkarte nach Vancouver gab es nicht umsonst.
    Ich drücke der Staffel beide Daumen für einen Sieg.
    Gäbe es eine Medaille für besonderes Fairplay, ich würde sie an Magdalena vergeben.

    • riddle
    • 22.02.2010 um 15:42 Uhr

    Jetzt mal im Ernst: Welcher weltklasse-Sportler verzichtet freiwillig und von sich aus auf eine Medaille (welcher Farbe auch immer). Welcher weltklasse-Sportler innerhalb eines Verbandes darf überhaupt von sich aus und ohne Verletzung auf einen Start verzichten?

    Die Biathletinnen, die in Canada an der Staffel teilnehmen sind die Besten aus Deutschland-dafür gibt`s die Staffel und Lena hat keine Lust mehr. Ich weiß nicht, ob diese Einstellung wirklich so ruhmhaft ist, wie manche das zu glauben wissen.

    Faktisch wird das Team durch diese Entscheidung geschwächt. Ob sie wirklich von Lena persönlich getroffen wurde, bezweifle ich sehr!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann ihnen da nur zustimmen.
    Das Problem scheint wohl eher die seit längerer Zeit schwach laufende und schwach schießende Kati Wilhelm zu sein.
    Schon der Verlust einer Goldmedaille bei der letzten Weltmeisterschaft ging auf deren Kappe und in dieser Saison hat sie auch schon Staffelrennen vergeigt. Sie hätte verzichten müssen, oder Müßiggang hätte ein Machtwort sprechen müssen.
    Es wird viel Geld vom Staat in diese Sportler gesteckt, da sollte auch immer versucht werden, das Beste rauszuholen.
    Hier wird eine mögliche Goldmedaille einfach so verschenkt, möglich ist nun, dass es gar keine Medaille gibt.

    Orpheus

    Ich kann ihnen da nur zustimmen.
    Das Problem scheint wohl eher die seit längerer Zeit schwach laufende und schwach schießende Kati Wilhelm zu sein.
    Schon der Verlust einer Goldmedaille bei der letzten Weltmeisterschaft ging auf deren Kappe und in dieser Saison hat sie auch schon Staffelrennen vergeigt. Sie hätte verzichten müssen, oder Müßiggang hätte ein Machtwort sprechen müssen.
    Es wird viel Geld vom Staat in diese Sportler gesteckt, da sollte auch immer versucht werden, das Beste rauszuholen.
    Hier wird eine mögliche Goldmedaille einfach so verschenkt, möglich ist nun, dass es gar keine Medaille gibt.

    Orpheus

    • riddle
    • 22.02.2010 um 16:21 Uhr

    @BSiR #3:

    Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie jetzt ernsthaft glauben, die Deutsche Staffel würde mit 3 Läuferinnen starten, da Lena abgesagt hat, oder haben Sie die "Simone" in Ihrer Aufzählung schlichweg vergessen, da Sie von den "übrigen 3 Mädels" sprechen?

  3. Magdalena Neuner hatte unglublich erfolgreiche Spiele. Allerdings hatte sie auch Glück. Bei aller läuferischer Klasse darf man nicht vergessen, dass sie eine verhältnismäßig schlechte Schützin ist, besonders im Stehendanschlag. Wenn ich mich recht erinnere war sie durch eigene schlechte Leistungen am Schießstand (Strafrunden) an der Niederlage der Staffel in mindestens einem Weltcuprennen verantwortlich. Dieses Negativerlebnis dürfte nachwirken. Wie schlimm wäre es, wenn ausgerechnet sie, die schon ihre Medaillen hat, den anderen die Chance auf eine Medaille verbauen würde!? Diesem Druck möchte sie sich einfach nicht aussetzen. Da die leistungsdichte relativ hoch ist, müssen die anderen nun um die Chance auf eine Medaille kämpfen. Da die Strecke eh nicht so schwierig ist, und auch relativ kurz, fällt die Laufstärke von Neuner eh nicht so positiv ins Gewicht. Ihre Schwäche am Schießstand, könnte um so mehr ein Risiko sein.
    Die Entscheidung von Neuner ist also durchaus sinnvoll und nachvollziehbar: Für sich selbst und das Team. Ja, und auch eine gewisse Form der angenehmen Zurücknahme schwingt dabei mit! Man muss nicht alles gewinnen!

  4. @riddle

    Genscher war zwar kein Weltklassesportler aber ein Superaußenminister, ganz im Gegensatz zu seinem Ziehkind Westerwelle. Genscher hat aber rechtzeitig aufgehört bei maximaler Popularität, die Westerwelle nie erreichen wird. Kohl konnte nicht aufhören und musste abgewählt werden.

    Warum soll Magdalena Neuner nicht aufhören, wenn sie das Maximimum des bisher Erreichbaren bereits erreicht hat.

    Wenn's am besten schmeckt, soll man aufhören zu essen, und an den Urlaubsort, an dem es einem am besten gefallen hat, soll man nie wieder hinfahren und der komplizierte chemische Versuch, der super geklappt hat, wird natürlich niemals wiederholt, wenigstens nicht kurz danach.

    Wieso soll Neuner nicht schon so viel Lebensweisheit haben, wie sie manch dreimal so Altem (Westerwelle ist doppelt so alt) niemals zuteil werden wird?

  5. In einer Welt in der es zum guten Ton gehört immer mehr zu wollen, einmalig zu sein, der oder die Grösste aller Zeiten zu sein ist es schon etwas besonderes bescheiden zu bleiben. Magdalena Neuner macht sich durch ihren Verzicht ein Denkmal, nicht durch ihre 2 Gold und 1 Silber. Da haben andere schon mehr bei Olynpia gewonnen. Hut ab.
    Bleibt natuerlich zu hoffen dass Deutschlands Damen auch ohne ihre beste Laeuferin Gold gewinnen.

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