Sportsoldaten Olympiasieger ohne berufliche Perspektive
Fast die Hälfte der deutschen Athleten in Vancouver gehört zur Bundeswehr. Während ihrer Karriere profitieren sie von der Sportförderung. Doch wie sieht es danach aus?
© Peter Kneffel /dpa

Sportsoldat und Silbermedaillengewinner Tobias Angerer (r.) posiert mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Teamkamerad Jens Filbrich ist mit von der Partie
Er musste nichts sagen, nichts erklären, nicht über Afghanistan, nicht über die Zankereien der Bundesregierung. Karl-Theodor zu Guttenberg musste einfach nur dasitzen, kerzengerade in einem knallroten Bob, eine schwarz-rot-goldene Fahne halten und grinsen. So posierte der Verteidigungsminister im Deutschen Haus in Vancouver bei seinem Besuch der Olympischen Spiele, gemeinsam mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). In der endlosen Rangliste der peinlichen Politiker-Motive hat diese Szene einen Ehrenplatz verdient. Guttenberg wird das egal sein, er durfte von Sportlern schwärmen und über Medaillen reden, die dem Ansehen der Heimat dienen: "Ich spüre unter den Athleten eine hohe Motivation und eine Stimmung, die beispielgebend ist." Rhetorisch würde er es unter Sportfunktionären weit bringen.
Es ist fast Tradition, dass der Verteidigungsminister deutschen Sportlern bei Olympischen Spielen einen Besuch abstattet, schließlich ist die Bundeswehr einer ihrer wichtigsten Förderer. In Vancouver sind formell 62 der 153 deutschen Teilnehmer Guttenberg unterstellt. Der CSU-Minister wurde nicht müde, die Leistung der Sportsoldaten hervorzuheben. "Wir sind stolz auf unsere Athleten, und ich bin froh, dass der Staat ein Stück weit zu ihrer Entfaltung beitragen kann." Klingt nach einem friedlichen Auslandseinsatz mit hohem Spaßfaktor, unumstritten und ehrenvoll. Doch nur auf den ersten Blick.
Insgesamt sind 100 Staatsathleten aus Deutschland nach Kanada gereist, denn auch die Polizei und der Zoll fördern Leistungssportler. Nur unter den Eishockeyspielern findet sich keiner von ihnen. Bei den vergangenen Winterspielen in Turin 2006 hatten 73 Sportsoldaten 65 Prozent der Medaillen gewonnen. Der Staat alimentiert den Spitzensport, das scheint in Deutschland völlig normal zu sein. "Ohne die Bundeswehr wäre unsere Sportförderung auf diesem hohen Niveau nicht aufrechtzuerhalten", sagt Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB. "Die Sportsoldaten tragen zur nationalen Repräsentation der Bundeswehr bei. Das ist eine Win-Win-Situation."
Insgesamt sind 824 Sportler bei der Bundeswehr beschäftigt, sie werden mit rund 20 Millionen Euro im Jahr gefördert. Ihre militärischen Pflichten halten sich in Grenzen, im Mittelpunkt steht die Produktion von Medaillen. Nimmt man Polizei, Zoll und Feuerwehr als Förderer hinzu, kommt man auf über 1000 Sportler, die im Dienste des Steuerzahlers sprinten, schießen oder rodeln.
Wird Deutschland von einem Staatssport dominiert? Ist dieses Modell, das während des Kalten Kriegs geschaffen und von totalitären Systemen wie der Sowjetunion und China auf die Spitze getrieben wurde, im Zeitalter von Kommerz und Doping noch zeitgemäß? Michael Vesper verweist auf die Vorbildfunktion der Athleten und den hohen gesellschaftlichen Stellenwert des Sports. Außerdem würden andere Länder weit mehr Geld aus der Staatskasse beziehen.
Verteidigungsminister Guttenberg pflichtet ihm bei: "Was ist daran verwerflich, wenn der Staat unseren Sportlern unter die Arme greift?" Nimmt man alle Kosten zusammen, so steckt der Bund 2010 etwa 250 Millionen Euro in die Sportförderung. In Kanada zum Beispiel müssen sich Sportfunktionäre seit Langem für ihren Apparat rechtfertigen: Umgerechnet 80 Millionen Euro erhielten die Verbände für die Entwicklung ihrer Athleten und ihrer Infrastruktur – allerdings für einen Zeitraum von fünf Jahren. Verglichen mit der deutschen Sahnetorte sind das winzige Krümel.
- Datum 22.02.2010 - 14:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das ist ja alles ganz interessant, aber es fehlen die Angaben über die stattgefundenen oder nicht stattgefundenen Karrieren der ehemaligen Sportler. So bleibt eine unbelegte Behauptung übrig.
Das Bedenklichste ist der Umstand der verdeckten Förderung der Sportler durch Bundeswehr, Polizei, Zoll. Leider gibt es insowiet keine Straftatbestände im Abschnitt "Straftaten im Amt". Also muß man den § 266, Untreue, heranziehen. Bei konsequenter Anwendung dieses Straftatbestandes müßte es eine Vielzahl von Tätern geben, die den Tatbestand verwirklichen. Alle wissen es, niemand von der Staatsanwaltschaft wird sich aber daran die Finger verbrennen wollen. Also bleibt alles, wie es ist. Trotzdem wird Staatsknete veruntreut, indem man vorgibt, man bezahle Beamte, Soldaten für die Erfüllung ihrer Aufgaben, wo die doch nur pro forma bei der Polizei, dem Zoll oder der Bundeswehr sind.
So tut man letztlich nur das, worin die Bundesrepublik Deutschland ein Meister ist:
VERSCHLEIERN;VERTUSCHEN UND TÄUSCHEN.
Sympatisch wie er da steht und in die Kamera grinst.
Was hat ein Verteidigungsminister dort zu suchen?!
Ich kann mir dies nicht vorstellen. Denn unsere "Elite-Soldaten" werden ganz woanders gebraucht: Wie ich verstanden habe, geht es darum, das Image der Bundesrepublik Deutschland aufzuwerten. Und dies wäre unter den ISAF-Truppen in Afghanistan eine unmögliche Aufgabe. Waren es nicht auch im Irak-Krieg die amerikanischen "underdogs", die sich freiwillig verpflichtet haben? Ich mache mir um unsere Medaillengewinner der Bundeswehr wirklich keine Sorgen, denn Förderer mit lukrativen Sponsoren-Verträgen werden sich in Deutschland immer finden (ich denke z.B. an unseren Bundestrainer "ohne Charisma" Jogi Löw und die TUI).
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
www.twitter.com/klmmetzger
Lassen wir doch unsere Militär-Sportsfreunde alle zukünftigen Konflikte "friedlich" im "fairen" sportlichen Wettkampf austragen.
Die Vorteile lägen auf der Hand:
Die Militärmaschinerie entfällt.
Kollateralschäden werden vermieden.
"Heldenfriedhöfe" gehören der Vergangenheit an.
Die Umwelt wird nicht mehr auf Dauer geschädigt.
Anstelle von Kalaschnikows und G-1 - Sturmgewehren könnten die Menschen in den Entwicklungsländern endlich das tun, was sie eigentlich tun sollten: Ihr Land bestellen und sich aus eigener Kraft ernähren...
Die Außenminister hätten völlig andere Aufgaben zu lösen und bräuchten innenpolitisch nicht dämlich durch die Luft blöken, um ihrer überflüssigen Daseinsberechtigung marktschreierisch Nachdruck zu verleihen - wie unser "Gelber Engel".
Außerdem hätten wir dann endlich wieder ein vernünftiges Unterhaltungsprogramm und können uns die hoch bezahlten "Dumpfbacken"-Shows sparen und das Geld dafür in die wirkliche Bildung der Jugend stecken.
...
SPORT FREI!
oder
Mach mit - Mach's nach - Mach's besser!
Wie wär's, wenn der Staat mal all die anderen Talente außerhalb des Sports mit der gleichen Vehemenz und dem gleichen Personen-, Finanz- und Infrastrukturaufwand fördern würde, mit der die Talentförderung im Sport staatlich bestritten oder (wenn durch Dritte bestritten) staatlich unterstützt wird?
Wenn man sich die momentane Situation der Talentförderung in Deutschland anschaut, könnte man glatt meinen, es gäbe unter Deutschlands Jugend nur Talente im Sport, aber praktisch nirgends sonst.
Der Titel ist schlecht gewaehlt - als Berufssoldaten haben diese Athleten ja doch sehr wohl eine berufliche Perspektive - ihr Beruf ist eben naemlich nun mal Soldat. Mag ja sein, dass man die Foerderung auch anders organisieren koennte, aber schlecht ist es so eigentlich nicht.
... Das sind keine Berufssoldaten, das sind Zeitsoldaten, die sich für maximal 12 Jahre verpflichten. Auf eine Übernahme danach als Berufssoldaten (Beamte!) haben sie alle keine Chance, weil sie während ihrer Dienstzeit ja nie wirklich militärischen Dienst geleistet und damit vom Kerngeschäft praktisch keine Ahnung haben. Die Offizierslaufbahn bleibt ihnen ebenfalls verschlossen, weil dazu ja ein Studium gehört, und das ist bei der Bundeswehr Vollzeit. Am Ende dieser großartigen Laufbahnen kommen dann Unteroffiziere oder Feldwebel heraus, die nie die entsprechenden Lehrgänge absolviert haben und damit auch auf die minimalsten beim Militär erwerbbaren Schlüsselqualifikationen wie Teamführung u.ä. verzichten müssen(ist ja ebenfalls Vollzeit), und sich ihre Beförderungen bestenfalls mit ihren sportlichen Erfolgen verdienen. Von der Handvoll Sponsorenfinder abgesehen, wird auch in den Sporteinheiten der Bundeswehr genau das produziert, was in allen Armeen produziert wird: Kanonenfutter, nur eben für einen anderen Kriegsschauplatz.
... Das sind keine Berufssoldaten, das sind Zeitsoldaten, die sich für maximal 12 Jahre verpflichten. Auf eine Übernahme danach als Berufssoldaten (Beamte!) haben sie alle keine Chance, weil sie während ihrer Dienstzeit ja nie wirklich militärischen Dienst geleistet und damit vom Kerngeschäft praktisch keine Ahnung haben. Die Offizierslaufbahn bleibt ihnen ebenfalls verschlossen, weil dazu ja ein Studium gehört, und das ist bei der Bundeswehr Vollzeit. Am Ende dieser großartigen Laufbahnen kommen dann Unteroffiziere oder Feldwebel heraus, die nie die entsprechenden Lehrgänge absolviert haben und damit auch auf die minimalsten beim Militär erwerbbaren Schlüsselqualifikationen wie Teamführung u.ä. verzichten müssen(ist ja ebenfalls Vollzeit), und sich ihre Beförderungen bestenfalls mit ihren sportlichen Erfolgen verdienen. Von der Handvoll Sponsorenfinder abgesehen, wird auch in den Sporteinheiten der Bundeswehr genau das produziert, was in allen Armeen produziert wird: Kanonenfutter, nur eben für einen anderen Kriegsschauplatz.
noch ein Grund um auf der bösen, bösen Bundeswehr rumzuhacken. ACHTUNG: Ironie!
... Das sind keine Berufssoldaten, das sind Zeitsoldaten, die sich für maximal 12 Jahre verpflichten. Auf eine Übernahme danach als Berufssoldaten (Beamte!) haben sie alle keine Chance, weil sie während ihrer Dienstzeit ja nie wirklich militärischen Dienst geleistet und damit vom Kerngeschäft praktisch keine Ahnung haben. Die Offizierslaufbahn bleibt ihnen ebenfalls verschlossen, weil dazu ja ein Studium gehört, und das ist bei der Bundeswehr Vollzeit. Am Ende dieser großartigen Laufbahnen kommen dann Unteroffiziere oder Feldwebel heraus, die nie die entsprechenden Lehrgänge absolviert haben und damit auch auf die minimalsten beim Militär erwerbbaren Schlüsselqualifikationen wie Teamführung u.ä. verzichten müssen(ist ja ebenfalls Vollzeit), und sich ihre Beförderungen bestenfalls mit ihren sportlichen Erfolgen verdienen. Von der Handvoll Sponsorenfinder abgesehen, wird auch in den Sporteinheiten der Bundeswehr genau das produziert, was in allen Armeen produziert wird: Kanonenfutter, nur eben für einen anderen Kriegsschauplatz.
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