Deutscher Sieg im Rodeln Gold beim Beerdigungskaffee

Jubel über den deutschen Doppelsieg: Aber zwei Tage nach dem Tod eines Kollegen sind viele Rodler vor allem froh, heil davongekommen zu sein.

Es ist der erste strahlende Tag dieser Spiele, als Felix Loch die Goldmedaille gewinnt, die Nodar Kumaritaschwili nie hätte gewinnen können. Er hätte aber sicher gerne die Party mitgefeiert. Doch der junge georgische Rodler ist tot, sein Vater ist aus dem Bergdorf Bakuriani nach Vancouver aufgebrochen, um den Leichnam seines Sohnes abzuholen, der sein Leben auf der schnellsten Bob- und Rodelbahn der Welt ließ. Die Party findet trotzdem statt.

Halbnackte amerikanische Fans turnen schreiend auf der Bande am Ziel herum, als wären sie beim Tabledance. Wenn in der Kälte ihre Stimmen den Dienst versagen, greifen sie zu ihren blauen und roten Vuvuzelas und erzeugen jenen tiefen Trötensound, der bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft noch allen genug auf den Geist gehen wird.

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Wenn sie und der Rest der Fans auf der Zieltribüne eine Atempause einzulegen drohen, werden sie von den Kameramännern des Olympic Broadcasting Service animiert, sich doch bitteschön wieder gehen zu lassen, das gibt so tolle Bilder. Der Rest der Anlage klingt wie eine Almwiese im Sommer, weil der beliebteste Stimmungsmacher der kanadischen Fans die Kuhglocke ist. Weil deren unablässiges Schwenken Durst macht, ist Bier das Getränk der Stunde.

Auf dem Helm jedes Rodlers klebt ein schwarzer Streifen, ein Trauerflor für Raser.

Kurzum: Es herrscht Volksfeststimmung im Whistler Sliding Center, als in den Läufen 3 und 4 der Olympiasieger im Rodeln ermittelt wird; auch bei der Formel 1 des Wintersports erhöht die Möglichkeit eines Crashs den "Thrill". Aus den Lautsprechern entlang der sechzehn Kurven grundiert coole Loungemusik die Ansagen des Bahnsprechers, der noch den letzten der achtunddreißig Rodler mit einem Enthusiasmus präsentiert, als wäre er ein Weltstar.

Und sind sie das nicht alle, die Fahrer aus Argentinien, Indien, Taiwan, die sich nach dem Tod ihres Kollegen trotzdem den Eiskanal hinabstürzen? Um zwei Kurven haben die Verantwortlichen die Strecke verkürzt, die Männer legen nun am Damenstart los. Die meisten Fahrer finden das als Geste okay, im Grunde aber überflüssig. "Wir sind Männer", sagt selbst ein Rodel-Exot wie Shiva Keshavan aus Indien, "wir sollten auch bei den Männern starten."

Der Ansager kennt offenbar die Sorgen der Männer, als Weicheier dazustehen, und spricht ständig und mit Nachdruck von "the men's Olympic start", an dem die Fahrten beginnen. Natürlich habe man untereinander heftig diskutiert, ob der Wettkampf überhaupt ausgetragen werden sollte, sagt Keshavan. "Aber wir empfanden die Pflicht, für Norad anzutreten, der doch ein Mitglied der großen Rodlerfamilie war. Es gibt viele Schwierigkeiten im Leben, denen man sich stellen muss. Das heißt doch nicht, das wir ihn vergessen!" Auf dem Helm jedes Rodlers klebt ein schwarzer Streifen, ein Trauerflor für Raser.

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