Olympia und Folklore Hofbräuhaus auf vornehm

Christof Siemes sieht sich die Repräsentanzen Kanadas, Deutschlands und der Schweiz in Vancouver an und stellt beruhigt und beklemmt fest: Kein Klischee kommt zu kurz.

Die Hirschhornknopfdichte ist so hoch wie der Lodenkoeffizient - Horst Seehofer im Deutschen Haus

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Die Olympischen Spiele sind nicht einfach nur das größte Multisportereignis der Welt, sie sind ein Schaulaufen der Nationen, bei dem es längst um viel mehr geht als Vierfachsprünge, Tore, Bestzeiten. Es geht um nationale Selbstfindung. Wer sind wir, wie wollen wir sein? Und vor allem: Wie sollen uns die anderen finden?

Weil die Sportler diese Aufgabe allein selbst im beredsten Interview oder mit der schnellsten Abfahrt nicht bewältigen können, präsentieren sich viele der teilnehmenden Länder in den "Häusern", die ein bisschen an jene Mustersiedlungen früherer Weltausstellungen erinnern, in denen Inuit und Indianer dem staunenden Rest der Welt beim Leben vorgeführt wurden.

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Allein in Whistler, der kleinen Bergdependance der Spiele von Vancouver, finden sich davon einige. Was lernt man da über seine Mitmenschen? Fangen wir mit unserer Stichprobenkontrolle bei den Gastgebern an. Das kanadische Team hat sich in der städtischen Bücherei einquartiert. Wer nun denkt, die Athleten mit dem Ahornblatt seien Literaturfreunde, sieht sich getäuscht. Kein einziges Buch steht mehr in dem modernen Holzbau an der Main Street.

Zu den Spielen gab es für die regulären Nutzer ein Spezialangebot der Bibliothek: Jedermann durfte für drei Monate so viele Bücher ausleihen, wie er wollte. Besonders gastfreundlich präsentieren sich die Gastgeber auf dem freigewordenen Platz allerdings nicht: "No public access", steht auf dem Schild am Eingang, Zugang nur mit Akkreditierung, und selbst die bekommt längst nicht jeder.

"Die Idee der Canada Houses wurde vor rund zwanzig Jahren geboren", sagt Kendra, die neugierige Journalisten in einem Schnelldurchgang abfertigt. "Sie sollten für die Athleten während der Spiele eine Art Heimat in der Fremde sein." Und das hat sich auch bei den Heimspielen nicht geändert. Das Prinzip ist simpel: Jeder der 206 kanadischen Athleten sowie die Betreuer, Trainer, Funktionäre drum herum durften sechs Menschen, Familienmitglieder, Freunde benennen, die unbegrenzten Zugang zum Haus haben.

Hier bekommen sie zwei warme Mahlzeiten am Tag, unbegrenzt Süßigkeiten von den Sponsoren, Internetzugang, ein Geschenkpaket vom Olympia-Ausrüster und was man sonst noch so braucht, um sich daheim zu fühlen. Für die Athleten und ihre Angehörigen ist eine Lounge eingerichtet, in der man auch als flüchtiger Besucher keinen Piep sagen darf, um den TV-Genuss des Dameneishockey-Spiels Kanada gegen Finnland nicht zu stören. Fazit: Wer nicht in die Familie eines kanadischen Olympioniken einheiratet, hat hier nichts verloren.

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Auch die Deutschen geben sich in Whistler exklusiv. Unten, in Vancouver, richten sie das German Fan Fest aus, braten Würste im Akkord und versteigern einen Trabbi. Das Deutsche Haus oben in Whistler ist Hofbräuhaus auf vornehm: Das gesamte Clubhaus des noblen Nicklaus North Golf Club hat die deutsche Delegation in Beschlag genommen. Gut zwei Kilometer außerhalb von Whistler in einem Viertel gelegen, wo die Porsches zu Dutzenden vor den Garagen schlafen und Whistler Air vom Green Lake für ein paar hundert Dollar Direktflüge mit dem Wasserflugzeug nach Vancouver anbietet, verirrt sich hierher sowieso kein Normalsterblicher. Falls doch, regeln zwei Drehkreuze am Eingang den Verkehr, die nur mit gültiger Akkreditierung überwunden werden können. Immerhin verzichtet man diesmal, anders als bei vorangegangenen Spielen, auf das Scannen eines Fingerabdrucks für den Zugang.

Leser-Kommentare
  1. Die Farben von Bayern sind weiss-blau und nicht umgekehrt.

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