Der Fall Semenya "Es muss endlich eine Lösung her"
Für den Leichtathletik-Funktionär Digel zeigt der Fall der Caster Semenya: Die Intersexualität ist im Leistungssport ein grundsätzliches Problem. Ein Interview
© OLIVIER MORIN/Getty Images

Die Sprinterin Caster Semenya hat männliche Merkmale. Ob sie trotz dieses Vorteils weiter starten darf, ist immer noch unklar
Frage: Herr Digel, seit der WM in Berlin im August beschäftigt sich die Leichtathletik damit, ob die Südafrikanerin Caster Semenya trotz ihrer männlichen Merkmale weiter starten darf. Warum hat der Weltverband IAAF dazu immer noch keine Entscheidung getroffen?
Helmut Digel: Diese Frage kann nur der Präsident der IAAF selbst beantworten. Er kennt die ärztlichen Gutachten und er kann die politischen Schwierigkeiten beurteilen, die dieser Fall hervorgerufen hat. Eine entscheidende Rolle hat dabei auch der südafrikanische Verband gespielt. Da dessen Präsidium und Präsident suspendiert sind, kam es zwangsläufig zu Kommunikationsproblemen.
Frage: Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Digel: Uns wurde im Council der IAAF gesagt, dass es bis zur nächsten Councilsitzung in Kiew im August eine Entscheidung geben wird.
Frage: Dann wäre ein Jahr vergangen. Halten Sie das nicht für skandalös?
Digel: Als Councilmitglied darf ich mich eigentlich dazu nicht äußern. Ich hoffe jedenfalls, dass der Fall in einer für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren Weise beendet wird und damit endlich klare Verhältnisse geschaffen werden.
Frage: Wenn die Tests ergeben haben sollten, dass die Athletin männliche Merkmale besitzt und dadurch einen Leistungsvorteil gegenüber anderen Frauen hat, was könnte dies bedeuten?
Digel: Das Regelwerk der IAAF unterscheidet Wettkämpfe für weibliche und männliche Athleten. Die Frage, ob jemand Mann oder Frau ist, wird bei der Geburt beantwortet und diese Entscheidung ist unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten verbindlich. Wenn ein Staat bei Geburt einem Menschen ein bestimmtes Geschlecht zuweist, haben dies die Sportverbände bislang bei ihren Entscheidungen zur Wettkampfteilnahme akzeptiert.
Frage: Schon in Berlin hatte sich die IAAF unwürdig gegenüber Semenya verhalten und ihr beispielsweise verboten, vom Innenraum des Stadions an den Fernsehkameras vorbeizugehen, um Interviews zu geben.
Digel: Ich möchte mich nicht mehr im Detail über diesen Fall äußern. Hier wurde von den Verantwortlichen der Leichtathletik, aber auch von den Medien auf dem Rücken eines Menschen schon viel zu viel Unheil angerichtet. Mir ist es wichtiger, dass wir erkennen, dass es sich hier um ein allgemeines sportpolitisches Problem handelt. Das Problem der Transsexualität und der Intersexualität stellt sich für die Verbände unabhängig vom Fall Semenya. Insbesondere für die Problematik der Intersexualität muss endlich eine Lösung gefunden werden.
Frage: Was könnte die sein?
Digel: Es gibt Funktionäre, die glauben, dass sich das Problem der Intersexualität durch Operationen zugunsten des männlichen Geschlechts lösen lässt. Mir scheint dies eher unwahrscheinlich zu sein, zumal es von vielen Intersexuellen überhaupt nicht gewünscht wird. Ich vermute vielmehr, dass die meisten Sportverbände die Tragweite des Problems noch gar nicht richtig verstanden haben.
Frage: Was wären die wirklichen Optionen?
Digel: Zunächst einmal müsste geklärt werden, welche Größenordnung das Problem der Intersexualität im Hochleistungssport erreicht hat. Notwendig erscheint mir auch der Dialog mit den weiblichen Athleten. Sie wären schließlich durch die Teilnahme von Intersexuellen benachteiligt.
Frage: Von Biologen war zu hören, dass die Bestimmung des Geschlechts nicht so einfach ist.
Digel: Es ist richtig, dass es Experten gibt, die davon ausgehen, dass es mehr als nur zwei Geschlechter gibt. Dennoch gibt es in der Forschung weitgehend Konsens bei der Bestimmung der Geschlechter. Die Sportorganisationen müssen nun endlich einmal mit diesen Experten diskutieren und die Betroffenen einbeziehen.
Frage: Das Internationale Olympische Komitee hat doch im Januar eine große Konferenz dazu veranstaltet.
Digel: Ich kann die Ergebnisse dieser Konferenz nicht beurteilen. Für die notwendigen sportpolitischen Entscheidungen scheinen sie allerdings nicht sehr hilfreich zu sein.
Frage: Das IOC wartet wohl einfach die Entscheidung der IAAF ab.
Digel: Auch das scheint mir typisch zu sein. Es wird nun so getan, als ob die Geschlechtsproblematik nur in der Leichtathletik existieren würde. Aber entsprechende Fälle hat es schon in sehr vielen olympischen Sportarten gegeben. Wo immer hormonale Strukturen für die Erbringung sportlicher Leistung besonders bedeutsam sind und wo in den Sportarten die Wettkampfklassen nach Geschlechtern getrennt werden, kann das Problem auftauchen. Und wer anders sollte dann dieses Problem lösen außer dem IOC?
Frage: Ist das Problem vielleicht zu komplex für den Wettkampfsport mit seinen Regeln?
Digel: Das glaube ich nicht. Es liegt genügend wissenschaftliches Material auf dem Tisch. Die Sportverbände müssen sich nur damit beschäftigen, ob die bestehenden Regeln tragfähig sind oder ob sie verändert werden müssen.
Das Gespräch führte Friedhard Teuffel im Tagesspiegel.
- Datum 30.03.2010 - 10:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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An Herrn Digel sollten sich Medien und Politiker mal eine Scheibe abschneiden (auch ZEIT-Online):
"Hier wurde von den Verantwortlichen der Leichtathletik, aber auch von den Medien auf dem Rücken eines Menschen schon viel zu viel Unheil angerichtet."
Endlich jemand, der auch so etwas wie Persönlichkeitsrechte kennt und nicht ständig versucht, sich durch das Schicksal hilfloser Menschen zu profilieren.
Die Gesinnungsaristokratie hat doch schon beschlossen, dass die Zuordnung einer geschlechtlichen Identität repressiv ist und also weg muss. Unterhaltsam wird's, wenn - wie auf diesen Seiten geschehen - Feministinnen dagegenhalten, die dann doch nicht wünschen, dass Transen ("ich muss heute meine weibliche Seite ausleben, weissu") auf dem Frauen-WC auftauchen. Tjaaahh...dann kann man - oh, Entschuldigung: man/frau/es - sich nur zurücklehnen und diesen Diskurs geniessen; schwarzer Humor ist allerdings vonnöten.
Die Gesinnungsaristokratie hat doch schon beschlossen, dass die Zuordnung einer geschlechtlichen Identität repressiv ist und also weg muss. Unterhaltsam wird's, wenn - wie auf diesen Seiten geschehen - Feministinnen dagegenhalten, die dann doch nicht wünschen, dass Transen ("ich muss heute meine weibliche Seite ausleben, weissu") auf dem Frauen-WC auftauchen. Tjaaahh...dann kann man - oh, Entschuldigung: man/frau/es - sich nur zurücklehnen und diesen Diskurs geniessen; schwarzer Humor ist allerdings vonnöten.
Die Gesinnungsaristokratie hat doch schon beschlossen, dass die Zuordnung einer geschlechtlichen Identität repressiv ist und also weg muss. Unterhaltsam wird's, wenn - wie auf diesen Seiten geschehen - Feministinnen dagegenhalten, die dann doch nicht wünschen, dass Transen ("ich muss heute meine weibliche Seite ausleben, weissu") auf dem Frauen-WC auftauchen. Tjaaahh...dann kann man - oh, Entschuldigung: man/frau/es - sich nur zurücklehnen und diesen Diskurs geniessen; schwarzer Humor ist allerdings vonnöten.
Herr Digel gibt sich ja ziemlich optimistisch! . Unter der sehr wahrscheinlichen Annahme dass Caster Semenya keine "eindeutige Frau" ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: 1: Man erklärt sie zu einer (eindeutigen) Frau, mit allen Rechten bei Frauenwettkämpfen zu starten. Dies bedeutet natürlich, dass in ähnlich gelagerten Fällen ebenfalls so entschieden werden muss. Die wahrscheinliche Folge (auch mit Rückblick auf die Phase als noch keine genetischen Untersuchungen stattfanden) ist, dass in einer Vielzahl von Disziplinen Athletinnen dominieren werden, die einen Vorteil besitzen aufgrund ihrer Intersexualität. Was dies für die überwiegende Mehrzahl der Frauen bedeuten würde, die diesen Vorteil nicht besitzen dürfte klar sein. Meine Prognose: Der Frauensport als Hochleistungssport wäre tot.
2. Man führt genetische Untersuchungen wieder ein, und lässt zu Wettkämpfen nur Frauen zu, die eindeutig dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind. Damit werden Menschen wie Caster Semenya ausgeschlossen. Dies bedeutet für diese Gruppe natürlich eine extreme Diskriminierung, die bis zur öffentlichen Bloßstellung führen kann, wie im tragischen Beispiel Semenya.
Fazit: Es gibt keine einfach und "gerechte" Lösung, zumindest nicht in den bisherigen Strukturen. Es könnte eine "brutale" Schaden/Nutzen-Abwägung erfolgen: Dies würde sicherlich die 2. Variante (also Ausschluss) befürworten.
Oder man führt eine dritte Kategorie bei Wettkämpfen ein! Intersexuelle. Aber das wäre eine Revolution.
Eine eigene Startkategorie für Intersexuelle wäre denke ich keine Revolution. Wäre Caster Semenya in einer Kategorie der Interesexuellen gestartet, hätte sie wahrscheinlich noch weniger Aufmerksamkeit bekommen als wenn sie bei den Paralympics gestartet wäre.
Eine eigene Startkategorie für Intersexuelle wäre denke ich keine Revolution. Wäre Caster Semenya in einer Kategorie der Interesexuellen gestartet, hätte sie wahrscheinlich noch weniger Aufmerksamkeit bekommen als wenn sie bei den Paralympics gestartet wäre.
Formuliert Digel hier:
"Notwendig erscheint mir auch der Dialog mit den weiblichen Athleten. Sie wären schließlich durch die Teilnahme von Intersexuellen benachteiligt."
Damit wäre der Leistungssport für Frauen bei körperlicher Überlegenheit der als Frau antretenden Transsexuellen sinnlos und man könnte auf deren Teilnahme verzichten. Das dürfte wohl kaum im Sinne des Sports sein.
Das ist ja die etwas perfide Strategie der Funktionäre, um sich vor einer Entscheidung zu drücken. Sie erhoffen sich aus diesem "Dialog" soviel Druck von weiblichen Sportlern, auch öffentlich, dass sie sich gar nicht mehr anders entscheiden können. Das Problem ist nur, dass dieser öffentliche Druck bisher ausblieb, aus welchen Gründen auch immer. Auch ein Grund warum noch immer keine Ergebnisse vorliegen, und warum es noch keine Entscheidung gibt.
Das ist ja die etwas perfide Strategie der Funktionäre, um sich vor einer Entscheidung zu drücken. Sie erhoffen sich aus diesem "Dialog" soviel Druck von weiblichen Sportlern, auch öffentlich, dass sie sich gar nicht mehr anders entscheiden können. Das Problem ist nur, dass dieser öffentliche Druck bisher ausblieb, aus welchen Gründen auch immer. Auch ein Grund warum noch immer keine Ergebnisse vorliegen, und warum es noch keine Entscheidung gibt.
Das ist ja die etwas perfide Strategie der Funktionäre, um sich vor einer Entscheidung zu drücken. Sie erhoffen sich aus diesem "Dialog" soviel Druck von weiblichen Sportlern, auch öffentlich, dass sie sich gar nicht mehr anders entscheiden können. Das Problem ist nur, dass dieser öffentliche Druck bisher ausblieb, aus welchen Gründen auch immer. Auch ein Grund warum noch immer keine Ergebnisse vorliegen, und warum es noch keine Entscheidung gibt.
Wenn's den Damen unlieb ist sich mit Intersexuellen zu messen, kann man doch bestimmt bei den Männerwettbewerben mitmachen.
Es geht hier gar nicht um transsexuelle Sportlerinnen. Für diese gibt es schon heute eine Regelung: Sie dürfen bereits seit 2004 an Frauenwettkämpfen teilnehmen, wenn ihre Transition körperlich vollzogen ist (das meint vor Allem eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen, die Entfernung der Hoden und eine darauf folgende zweijährige Wartezeit) und sie den legalen Status als Frau haben.
Es gibt für diese Problematik also bereits eine Handlungsvorschrift.
Frau Semenya ist dem Vernehmen nach intersexuell. Wie mit ihr umgegangen wurde war einfach würdelos, widerlich und unentschuldbar. Klar ist, dass eine Regelung getroffen werden muss, bei der nach bestem Wissen und Gewissen niemand benachteiligt und niemand bloßgestellt wird, wie es in ihrem Fall und in dem Fall der Leichtathletin Santhi Soundarajan in jüngster Zeit geschehen ist.
Da es aber ganz verschiedene intersexuelle Syndrome mit ganz unterschiedlichen Folgen für die Körper der betroffenen Personen gibt, wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis eine solche Regelung zustande kommt.
Finde die Diskussion absurd. Eine Frau mit Penis ist ein Mann. Punkt, Komma, Schluss. Also nur Starten bei den Männern möglich...sonst ist es Betrug. Die Manndame hat das "Problem" doch nicht erst seit Olympia...jetzt tun alle geradezu als sei er/sie diskriminiert worden wider bessere Vorahnungen...sie hats probiert...und es ist aufgeflogen.
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