Dieter Hoeneß "Eitelkeit ist mir fremd"
"Hertha wird immer einen Platz in meinem Herz haben." Dieter Hoeneß über das Wiedersehen mit Hertha BSC, die Arbeit mit starken Trainern und Würfelspiele gegen seine Frau.
© Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Der ehemalige Manager von Hertha BSC, Dieter Hoeneß
Der Tagesspiegel: Herr Hoeneß, haben Sie als Manager schon einmal geweint?
Dieter Hoeneß: Ja, aber aus Freude. Einmal haben mich die Emotionen übermannt: Das war, als nach unserem Aufstieg 1997 unser Trainer Jürgen Röber stark unter Druck stand. Im Spiel gegen den Karlsruher SC ging es um seine Entlassung. Wir lagen zurück, aber haben doch noch gewonnen – und ich hatte feuchte Augen.
Tagesspiegel: Haben Ihnen die Tränen, die Michael Preetz gerade bei Hertha BSC vergossen hat, leidgetan?
Hoeneß: Mich lässt das Thema Hertha nicht kalt. Vor dem Heimspiel in Wolfsburg gegen Hertha packt mich das natürlich. 13 Jahre lassen sich nicht einfach so wegschieben. Aber zu meinem Nachfolger Michael Preetz möchte ich nichts sagen. Ich versuche, mich in Sachen Hertha komplett zurückzunehmen.
Tagesspiegel: Sie reden noch von "wir", wenn Sie über Hertha sprechen.
Hoeneß: Hertha ist ein wichtiges Kapitel in meinem Leben. Die Emotionen – auch die Art, wie es im Konflikt auseinandergegangen ist – brauchen einfach ihre Zeit der Verarbeitung. Deshalb habe ich mir ein halbes Jahr Pause genommen, bin gereist, habe Freunde besucht, aber auch einen Berg an Formalitäten endlich erledigt. Ich suchte den Abstand zu Hertha. Mir bleiben viele positive Emotionen und phantastische Momente. Hertha wird immer einen Platz in meinem Herz haben.
Tagesspiegel: Sie haben Ihren unfreiwilligen Rückzug angesprochen. Was wollen Sie beim VfL Wolfsburg anders machen?
Tagesspiegel: Halten Sie hier wieder alle Fäden in der Hand?
Hoeneß: Was heißt hier wieder? Das Klischee über mich von der One-Man-Show hat doch nie gestimmt. Bei Hertha hieß es doch, ich hätte auch noch den Speiseplan für das Nachwuchs-Leistungszentrum bestimmen wollen. Aber das ist einfach unwahr. In Berlin hatten wir mit Ingo Schiller einen guten Mann für die Finanzen, im Vergleich zu ihm bin ich in diesem Bereich eine Null. Aber dennoch bin allein ich mit allen finanziellen Dingen in Verbindung gebracht worden – im Positiven wie im Negativen. Aber Schluss jetzt, ich will zu Hertha nichts mehr sagen.
Tagesspiegel: Anders gefragt: Wollen Sie auch in Wolfsburg das Gesicht des Vereins werden?
Hoeneß: Es ist der Wunsch des Aufsichtsrats gewesen, dass ich das werde. Und ich habe nichts dagegen. Ich stehe seit 35 Jahren in der Öffentlichkeit. Überall, wo ich hinkomme, stehe ich für etwas im Fußball. Dem kann ich mich doch nicht entziehen. Der VfL Wolfsburg hat die Grundsatzentscheidung getroffen, dass man neben dem Trainer noch ein zweites Gesicht braucht. Und ich bin einer, der gerne Verantwortung übernimmt.
Tagesspiegel: Welche Fehler wurden in Wolfsburg direkt nach der Meisterschaft gemacht?
Hoeneß: Fehler in der Euphorie kommen oft vor. Der VfL ist nicht der einzige Verein, der einem überraschenden Erfolg erliegt. Das ist ähnlich wie damals bei Hertha. Wir sind in Berlin nach dem Aufstieg in der zweiten Saison gleich in die Champions League gekommen. Dann will man am Erfolg festhalten und macht den einen oder anderen Fehler.
Tagesspiegel: Sie meinen die Einstellung von Armin Veh als Trainer und Manager.
Hoeneß: Armin Veh wäre sicher lieber nur Trainer gewesen. Die Last der drei Rollen als Geschäftsführer, Manager und Trainer hat ihn fast erdrückt. Aber bei seiner Einstellung hat man fast keine andere Möglichkeit gesehen, als ihn in die gleiche Position zu hieven, die Felix Magath zuvor innehatte. Ich schließe jedenfalls aus, dass ein Trainer hier auch wieder Geschäftsführer wird.
Tagesspiegel: Aber Felix Magath hatte als Trainer, Manager und Geschäftsführer Erfolg.
Hoeneß: Ja, aber nachhaltig für den VfL war das Modell nicht. Lassen Sie mich allgemein antworten: Das englische Modell von Trainer und Manager in Personalunion ist gescheitert – mit den beiden Ausnahmen Arsenal und Manchester United. Und bei letzteren stimmt das auch nicht mehr. Manchester galt zwar jahrelang als Vorzeigeklub. Doch jetzt erfährt man, dass der Klub 800 Millionen Euro Verbindlichkeiten hat. Bei anderen Klubs in England durfte ein Einzelner das Personal bestimmen und für viel Geld Spieler holen. Dann wird er bei ausbleibendem Erfolg entlassen, und das ganze Spiel beginnt wieder von vorne. Das ist auf lange Sicht schädlich. Deshalb ist die Premier League sechsmal so hoch verschuldet wie die Bundesliga – trotz viel höherer Einnahmen. Daran sieht man: Trainer brauchen ein Regulativ. Es muss zwei Pole geben, die sich reiben. Da kann es natürlich schon mal krachen.
Tagesspiegel: So wie in Berlin zwischen Ihnen und Lucien Favre?
Hoeneß: Das war anstrengend, für beide. Aber es war notwendig für den Verein. Am Ende geht es darum, was man auf die Bahn bringt. Und wir hatten Erfolg.
Tagesspiegel: Und trotzdem wurden Sie geschasst.
- Datum 21.03.2010 - 12:53 Uhr
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