"Ich werde nichts loslassen"
Hoeneß: Das stimmt nicht. Ich wollte gehen, weil wir zu unterschiedliche Auffassungen über meine Rolle in meinem letzten Vertragsjahr bis Sommer 2010 hatten.
Tagesspiegel: Inwieweit können Sie loslassen, wenn es um das Zusammenspiel mit Trainern geht?
Hoeneß: Die Leute hier in Wolfsburg wollten meine Fußballkompetenz. Die haben mich nicht geholt, damit ich mich zurückziehe. Ich werde auch nichts loslassen. Warum sollte ich das tun?
Tagesspiegel: Weil Ihre Nähe zur Mannschaft einen Trainer bei seiner Arbeit behindern kann.
Hoeneß: Nein, so ist das nicht. Es geht darum, wie man diese Rolle ausfüllt. Ich lebe Fußball mit jeder Faser. Ich brauche die Nähe zur Mannschaft, um zu spüren, was da passiert und was sich entwickelt. Ich habe nun mal die Hauptverantwortung im sportlichen Bereich.
Tagesspiegel: War diese Nähe für die Trainer unter Ihnen ein Problem?
Hoeneß: Das ist doch Unsinn, für die schon gar nicht. Mich ärgert, dass da unterschwellig immer suggeriert wird, der Hoeneß könne nicht mit starken Trainern. Und das, obwohl ich mit Typen wie Jürgen Röber, Huub Stevens, Hans Meyer oder Lucien Favre gearbeitet habe – alles andere als Duckmäuser und jeder auf seine Art bisweilen auch schwierig. Bei einem Fußballverein ist es doch so, dass jeder Trainer ein Pendant braucht. Es geht nicht in erster Linie darum, was der Trainer wünscht, sondern was der Verein möchte. Allein dem fühle ich mich verantwortlich. Wenn du ein kleines Kind fragst, ob es zwei oder fünf Eiskugeln haben möchte, wird es fünf sagen. So ist es mit den Trainern auch. Willst du mehr Macht oder weniger? Aber das hier ist doch kein Wunschkonzert. Die Trainer haben das Beste für den Verein zu tun.
Hoeneß: Nein, es ist immer ein Zusammenspiel. Aber ich bin einer, der Dinge angeht und nach vorne geht. Und auch wenn Sie es nicht glauben: Eitelkeit ist mir fremd. Das ist nicht mein Motiv. Mein Motiv ist der Erfolg. Ich will gewinnen. Ich mache sicherlich nicht alles richtig. Aber fürchterlich viel falsch gemacht habe ich bislang auch nicht.
Tagesspiegel: Herr Hoeneß, wo wollen Sie mit der Meisterschale in Wolfsburg feiern?
Hoeneß: Unsere Vision heißt Champions League. Mittelfristig wollen wir den Verein im vorderen Teil der Tabelle etablieren und international dabei sein. Eine Meisterschaft kann man nicht planen. Das kann vielleicht Bayern München. Aber zwischen denen und uns liegen Welten.
Tagesspiegel: Sie wirken hier in Wolfsburg irgendwie entspannter als in Berlin.
Hoeneß: Ich hatte Zeit, runterzukommen. Es war in Berlin wunderschön. Aber es war umso belastender, dass ich den Erfolg am Schluss nicht genießen konnte. Hier in Wolfsburg musste ich allerdings gleich wieder von null auf hundert marschieren. Es gab einen Trainerwechsel, was überhaupt nicht geplant war. Jetzt haben wir die sportlichen Probleme in den Griff bekommen. Das ist natürlich eine Befriedigung. Abends gönne ich mir täglich das Ritual, eine Zigarre zu rauchen. Aber nur eine. Als Belohnung.
Tagesspiegel: Sind Sie schon mal in Wolfsburg ausgegangen?
Hoeneß: Dafür hatte ich bislang kaum Zeit. Aber es gibt hier ein paar schöne Restaurants. Manchmal sitze ich auch einfach nur zu Hause, sehe fern, lese ein Buch oder spiele mit meiner Frau ein Würfelspiel.
Tagesspiegel: Können Sie da verlieren?
Hoeneß: Ich will immer gewinnen. Aber wenn ich gegen meine Frau spiele, sehe ich das nicht ganz so eng.
Das Gespräch führten Robert Ide und Christian Otto.
(Das Interview erschien zuerst im Tagesspiegel vom 21.03.2010)
- Datum 21.03.2010 - 12:53 Uhr
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