Formel 1 "Michael muss niemandem etwas beweisen"
Michael Schumacher sei so stark wie zu besten Zeiten, sagt sein Manager Willi Weber im Interview – und erklärt, weshalb er auf eine Überweisung von Bernie Ecclestone wartet.
© Ryan Pierse/Getty Images

"Er hat gemerkt, was ihm die drei Jahre gefehlt hat", sagt Michael Schumachers Manager Willi Weber.
Frage: Herr Weber, am Sonntag startet die neue Formel-1-Saison in Bahrain. Wem werden Sie die Daumen drücken: dem Rückkehrer Michael Schumacher oder dem Neuling Nico Hülkenberg?
Weber: Ich hab ja Gott sei dank zwei Daumen, so dass es für jeden reicht. Ich hatte die Situation ja schon mal mit Michael und seinem Bruder Ralf. Am liebsten ist es mir natürlich, wenn sie sich abwechseln und jeder gewinnt – mal der eine, mal der andere.
Frage: Sie kümmern sich neben dem Williams-Piloten Hülkenberg also auch noch um Michael Schumacher? Es heißt ja, dass Sie als sein Manager nicht mehr gefragt seien.
Weber: Gehen Sie mal auf seine Homepage, da steht diesbezüglich alles drauf. Ich weiß nicht, wo die Leute immer diese Dinger herbringen.
Frage: Dort ist zu lesen, Schumacher wolle unter Beihilfe seiner Sprecherin Sabine Kehm von der Schweiz aus „geschäftliche Dinge mehr und mehr selbst in die Hand nehmen“. Ihre Wege würden sich aber nicht trennen. Sind Sie weiterhin sein Manager?
Weber: Natürlich, es hat sich nichts verändert. Michael hat klar gesagt: Willi ist und bleibt mein Manager. Ich berate ihn nach wie vor und kümmere mich um seine Geschäfte wie das Merchandising und das Sponsoring. Michael ist mit seinen 41 Jahren aber erfahren genug und braucht nicht mehr in jeder Frage Beratung. Den Mercedes-Vertrag hat er beispielsweise allein ausgehandelt. Michaels Büro in der Schweiz und mein Büro in Stuttgart teilen sich die restlichen Aufgaben.
Frage: Hat er die Entscheidung zum Comeback auch allein getroffen?
Weber: Ich glaube, die Entscheidung, das Angebot von Mercedes anzunehmen, kam deswegen zustande, weil wir damals im August gesagt haben, er steigt in den Ferrari ein. Da ist der Schalter umgelegt worden, dass er es noch mal probieren will. Das andere war nur noch die logische Folge.
Frage: Allerdings haben Sie ihm im August zunächst abgeraten: Die Erwartung sei zu hoch. Es scheint aber, als mache ihm dieser unheimliche Druck auch noch Freude. Sie haben jetzt 22 Jahre mit ihm zusammengearbeitet: Warum tut er sich das an, wem will er etwas beweisen?
Weber: Ich glaube nicht, dass er irgendjemandem oder sich selbst etwas beweisen muss. Das hat er alles schon hinter sich. Für mich ist Michael Schumacher als Rennfahrer auf die Welt gekommen. Der Abschied von der Formel 1 2006 kam zum richtigen Zeitpunkt, denn er war einfach erschöpft und verbraucht. Und er wollte mal die Dinge tun, die er einfach zeitmäßig nicht tun konnte diese vielen Jahre in der Formel 1. Ich glaube nicht, dass er vor der Ferrari-Anfrage im August überhaupt darüber nachgedacht hat, noch einmal zu fahren. Er war mit seinem Leben zufrieden, das Motorradfahren hat ihm Spaß gemacht, und er hat sich immer fit gehalten.
Frage: Irgendetwas muss ihm aber wohl gefehlt haben.
Weber: Das hat er gemerkt, als die Anfrage von Ferrari kam, Felipe Massa nach seinem Unfall zu ersetzen. Das war der Moment, darüber nachzudenken: Warum fahre ich eigentlich nicht wieder? Als er dann im Auto saß, hat er gemerkt, was ihm eigentlich die drei Jahre gefehlt hat. Formel 1 ist sein Leben, und warum soll er das nicht wieder tun? Er macht nichts mit mehr Begeisterung und Können, als Rennautos zu fahren.
Frage: Aber ist er auch noch so stark wie zu seinen Glanzzeiten?
Weber: Absolut. Er trainiert, macht sein Pensum, er ist topfit. Sein Körper ist exzellent beieinander. Michael ist ein Profi – er weiß, wo es langgeht. Da mache ich mir gar keinen Kopf.
- Datum 08.03.2010 - 15:39 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren