Vieles ist neu beim FC Augsburg in diesen Tagen. Der Charterflieger zum Beispiel, den sie erstmals in der 103-jährigen Vereinsgeschichte für die Anreise zu einem Auswärtsspiel gebucht haben. Oder die Kameras des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die heute Abend dafür sorgen werden, dass der Zweitligist FC Augsburg zur besten Sendezeit vor einem Millionenpublikum spielt.

Während des DFB-Pokalfinales gegen den SV Werder Bremen wird der durchschnittlich interessierte TV-Zuschauer jedoch auch einige Augsburger Spieler wiedererkennen. Der Trainer Jos Luhukay baute sein Team um einen ganz besonderen Spielertypus. Gescheiterte, sagen die, die es böse meinen. Fußballer im dritten Frühling, urteilen die Gnädigen. Spieler wie Michael Thurk.

81 Bundesliga-Spiele für Mainz und Frankfurt, 22 Tore. Das ist Thurks Bilanz. Nicht schlecht, mehr aber auch nicht. Thurk ist der Prototyp eines Spielers, der zwischen den Welten pendelt. Nicht konstant genug für Liga eins, fast zu begabt für Liga zwei. Dort läuft es jetzt wieder gut. Allein in dieser Saison erzielte er 21 Treffer. Gäbe es eine Gesamttorjägerliste für beide Ligen, würde Thurk mit großem Vorsprung führen, vor Stefan Kießling und Kevin Kuranyi. So sah sich mancher gar zu Appellen an Jogi Löw gezwungen. "Wenn ich Bundestrainer wäre, würde ich ihn mitnehmen", sagte der damalige Bielefelder Trainer Thomas Gerstner vor ein paar Wochen. Thurk hatte im Spiel zuvor zweimal gegen seine Mannschaft getroffen. Der Torjäger war geschmeichelt. "Aber ich habe schon Urlaub gebucht", sagte er. Es soll ans Rote Meer gehen, zum Schnorcheln.

Irgendwie aber würde eine WM-Teilnahme mit 34 Jahren zu der verrückten Karriere des Michael Thurk passen. Eine Karriere voller Kuriositäten und Missverständnissen. Das größte gab es in Frankfurt, seiner Heimatstadt und der Stadt seines Lieblingsvereins. Ein Leben lang träumte Thurk davon, das Eintracht-Trikot zu tragen. Es schien beinahe, als seien alle Tore, die er vorher für Mainz erzielt hatte, Bewerbungen für den Stürmerjob bei der Eintracht. Doch als er dann da war, klappte nicht viel. Die Fans mochten ihn nicht. Eigentlich machte er nur ein richtig gutes Spiel. Im Europacup gegen Bröndby IF erzielte er drei Tore und bekam hinterher vom Schiedsrichter den Ball geschenkt.