Thomas Hitzlsperger : "Ich wurde gefragt, was hast du denn an?"

Mannschaftsabende, Kabinenfeste und die Frage nach dem Leitwolf: Thomas Hitzlsperger spricht im Kolumnen-Gespräch über Rituale, Streiche und Mobbing unter Fußballern.
Thomas Hitzlsperger: "Ich beschränke mich aufs Händeschütteln" © Markus Gilliar-Pool/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger , 0:4 vor fast 90.000 Zuschauern: Haben Sie sich gestern Abend gefreut oder geärgert, nicht in Barcelona gewesen zu sein?

Thomas Hitzlsperger: Ich habe mich weder gefreut noch geärgert, lediglich meinen Ex-Kollegen ein besseres Resultat gewünscht.

ZEIT ONLINE: Sind Sie inzwischen richtig angekommen in Rom ?

Hitzlsperger: Ja, nach sechs Wochen kann man das schon sagen. Leider hat sich unsere sportliche Situation noch nicht verbessert.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie sich zuletzt peinlich benommen?

Hitzlsperger: Puuh, ich weiß ja, worum es geht. Wir wollen über Rituale reden. Aber mir ist so etwas in Rom erspart geblieben. Die Kollegen sind sehr hilfsbereit zu mir, auch weil ich die Sprache noch nicht richtig kann. Ich vermute, dass die Zeit der richtigen Einstandsrituale im Fußball sowieso vorbei ist.

ZEIT ONLINE: In Stuttgart gab es keine Initiationsriten?

Hitzlsperger: Beim VfB mussten Neuankömmlinge zum Einstand einen ausgeben, die meisten haben ein Kabinenfest organisiert. Wenige haben das Team auch abends zum Essen eingeladen.

ZEIT ONLINE: Kabinenfest müssen Sie kurz erklären.

Hitzlsperger: Bei einem Kabinenfest wird aufgefahren: Bierbänke, Essen, Getränke. Nach dem Training sitzen dann alle zusammen und essen. So habe ich auch meinen Einstand beim VfB gegeben.

ZEIT ONLINE: Neuankömmlinge müssen beim FC Chelsea auf einen Stuhl steigen und der Mannschaft ein Lied singen. Bei den Bolton Wanderers werden neue Spieler angeblich zum Toilet-Racing mitgenommen: auf Go-Karts mit WC-Sitzen.

Hitzlsperger: Als ich in England für Aston Villa spielte, habe ich auch viele von diesen Geschichten gehört. Ich glaube aber, dass dies im heutigen Profifußball sehr selten geworden ist. Die Spieler wechseln einfach zu oft. Es gibt keine Gruppe mehr, die lange bei einem Klub spielt und die diese Aufnahmerituale initiiert. Manchmal bekommt eine Mannschaft in der Winterpause fünf oder sechs neue Spieler.

ZEIT ONLINE: Früher wurden neuen Spielern von Manchester United die Genitalien mit Schuhcreme eingerieben.

Hitzlsperger: Das liegt sicher schon lange zurück. Irgendwelche Späßchen gibt es immer mal wieder. Da habe ich auch schon was erlebt, das war aber nicht unbedingt zum Einstand.

ZEIT ONLINE: Dann lassen Sie mal hören.

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