Nationalelf Erstes Spiel nach dem Kommunikationsdebakel
Joachim Löw will vor dem Spiel gegen Argentinien den Streit im DFB hinter sich lassen, doch innerlich scheint er sich für die Trennung nach der WM entschieden zu haben.
© Andreas Rentz/Getty Images Sport

Der Blick Joachim Löws besagt Eiszeit und Trennung von Theo Zwanziger
Am Dienstag hat der DFB ein gemeinsames Projekt mit der Deutschen Telekom vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine Art Videokonferenz auf HDTV-Niveau. Damit können die Protagonisten von DFB und Nationalelf bald auch über große Distanzen so wunderschön streiten wie in den vergangenen Wochen, und das auch noch von Angesicht zu Angesicht. So weit die boshafte Interpretation. Oliver Bierhoff wählt lieber einen versöhnenden Ansatz mit seiner These, "dass viele Probleme vielleicht gar nicht aufgetreten wären, wenn die Kommunikation gestimmt hätte".
Da freuen sich die Herren von der Telekom genauso wie DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der neben Bierhoff sitzt und von dem man weiß, dass er dem Nationalmannschaftsmanager nicht übermäßig zugetan ist. Man stellt sich das gerne vor, wie die Herren Niersbach (Frankfurt am Main) und Bierhoff (Starnberger See) via Bildschirm über den Inhalt einer Vertragsverlängerung für Trainer- und Managerteam debattieren und ein Mitschnitt dieses vertraulichen Gesprächs in der Mailbox eines großen deutschen Medienhauses landet, natürlich ganz zufällig. So ähnlich ist das vor ein paar Wochen tatsächlich passiert. Eher nebenbei wurde dabei auch der Bundestrainer aufs Schwerste beschädigt, aber das begriffen beide Streitparteien erst, als es viel zu spät war.
Joachim Löw trägt einen Tag vor dem Testspiel gegen Argentinien (Mittwoch 20.45 Uhr, Live-Blog von ZEIT ONLINE) wie gewohnt Schwarz und gibt sich doch in krassem Kontrast dazu betont gelöst. Es ist der erste öffentliche Auftritt des Bundestrainers seit dem verbandsinternen Kommunikationsdebakel Ende Januar. Löw macht ein Späßchen über Diego Maradona und über eine Zigarre, die ihm DFB-Sprecher Harald Stenger in die Hand drückt, und freut sich, dass es endlich mal wieder um das Wesentliche geht, nämlich um Fußball.
Argentinien, "in Ballbesitz eine der besten Mannschaften der Welt", schwärmt Löw, "sie wird uns alles abverlangen". Ja, es sei für ihn "absolut vorstellbar", Bastian Schweinsteiger ins zentrale Mittelfeld neben Michael Ballack zu stellen, "auf dieser Position hat er beim FC Bayern zuletzt sehr gut gespielt". Ob er sich traue, Schweinsteigers Planstelle auf dem rechten Flügel einem Debütanten anzuvertrauen? "Ich traue mich alles", sagt Löw und dass der Münchner Thomas Müller und der Leverkusener Toni Kroos sehr gute Chancen auf einen Platz in der Startelf hätten. "Aber Argentinien ist natürlich ein sehr starker Gegner, wir müssen mal sehen, ob die jungen Spieler da umsetzen können, was in ihnen steckt."
Ein einziges Mal wird Löw ernst, ja sogar ein wenig verärgert. Das geschieht im Anschluss an die Frage, wie er denn das aktuelle Erscheinungsbild seines Arbeitgebers beurteile. Löw sagt, "über andere Themen, Schiedsrichter und so", wolle er sich nicht äußern, "ich muss mich auf Argentinien und meine Mannschaft konzentrieren, damit sind meine Kapazitäten erschöpft". Und was die Vertragsverlängerung betrifft, wird er noch eine Spur lauter: "Dazu ist alles gesagt. Ich habe oft das Gefühl, dass man das, was ich sage, nicht so richtig ernst nimmt. Wir müssen uns auf die WM konzentrieren, das ist die Hauptaufgabe, bis dahin werden die Verhandlungen nicht mehr aufgenommen, das sage ich jetzt zum letzten Mal."
Nun ist es keineswegs ausgeschlossen, dass die DFB-Elf trotz aller Turbulenzen um ihren Trainer in Südafrika eine gute Rolle spielen wird. Die Verbandsspitze weiß, dass sie Schaden angerichtet hat, sie wird das Unternehmen WM 2010 nicht weiter gefährden wollen. Und auch der Bundestrainer wird alles geben bis dahin. Aber eben nicht weiter.
Einiges deutet darauf hin, dass Löw sich innerlich schon entschieden hat. Dass er nämlich nicht mehr weitermachen will nach der WM, egal wie erfolgreich sie auch ausfallen mag für den deutschen Fußball. Dafür ist Löw bislang zu geradlinig gewesen in seiner Haltung und mit seinen Entscheidungen als Bundestrainer. In diesem Punkt ähnelt er doch sehr Jürgen Klinsmann. Dieser hatte nach monatelangen Anfeindungen und Rücktrittsforderungen trotz des Sommermärchens keine Lust mehr, weiterzumachen.
Es ist ziemlich genau vier Jahre her, da stand Klinsmann vor der Entlassung, nach einer 1:4-Niederlage gegen Italien, den letzten richtig schweren Gegner der WM-Vorbereitung. "Seitdem hat sich die Mannschaft weiterentwickelt", sagt Löw, "sie hat nicht mehr die Naivität wie damals, als wir wirklich Probleme hatten."
Die Zeiten ändern sich. Und die Probleme auch.
Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 3. März
- Datum 03.03.2010 - 17:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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man kann es hier keinen Recht machen und der Theo hätte schon von Anfang an mit den Zähnen blecken müssen und nicht hinter dem Rücken.
Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich zwar ein sehr intensiver Nationalmannschaftsfan, aber keiner von Joachim Löw. Ich empfand seine aufgesetzte Ruhe immer als eine besonders hinterhältige Form der Arroganz. Und er wusste ja schon aus seiner Zeit mit Klinsmann, dass ein Bundestrainer im Zweifelsfall der Buhmann ist, der alles ausbaden muss.
Herr Bierhoff dagegen hatte zu Beginn etwas Sunnyboy-Kredit. Und er hat nachgewiesen, dass die Arbeit eines Teammanagers sicherlich wichtig ist.
Den Kredit hat er allerdings gründlich verspielt. Was er so von sich gibt, hört sich so an, als würde die Nationalmannschaft aufhören zu existieren, wenn er nicht mehr da ist.
Ich kann nur sagen: Hochmut kommt meist vor dem Fall. Und eine solche Hybris hat noch jedem geschadet.
Mir geht es ähnlich wie meinem Vorredner. Die Art und Weise der schleichenden Demontage von Oliver Kahn (damals noch im Verein mit Klinsmann) und neuerdings Torsten Frings, bei denen es jeweils schon von Beginn an klar war, das es so enden würde, die ständig lautstark geäußerte Behauptung, es zähle der Leistungsgedanke bei gleichzeitiger Nibelungentreue zu seit längerem form- und leistungsschwachen Spielern wie Podolski und Klose (übrigens auch in der Nationalmannschaft, dass die dort mal was gerissen haben, ist schon ein Weilchen her), sowie der vor sich hergetragene angeblich konstruktive Umgang mit der Bundesliga (gegen die man alle zwei Wochen Giftpfeile fliegen lässt); dies alles verträgt sich kaum mit meiner Definition des Begriffs von geradlinig.
Geradlinigkeit oder besser Konsequenz erkenne ich bei Löw wie schon früher bei Klinsmann vor allem in ihrer Sturheit und dem Mangel an Fähigkeit zur Selbstkritik. Das kann man sich leisten, wenn man Titel holt. Da aber nur Träumer glauben, dass das in Südafrika der Fall sein könne, wird der Abschied von Löw nach der WM kein großer Verlust sein. Die Erfolge von Klinsmann und Löw haben andere Trainer mit schlechteren Mannschaften erreicht(Rudi Völler 2002) oder sogar übertroffen (Berti Vogts 1996). Aduequater Ersatz ist in Hülle und Fülle vorhanden, insoweit besorgt mich ein möglicher Abschied von Joachim Löw nur sehr wenig.
Was mir an Löw gefällt, dass er sich klar macht, und weder sich z. B. wie Berti Vogts den Medien hingibt (der Star ist die mannschaft)noch die Schuld bei Niederlagen bei anderen sucht. Er hat klar gesagt, was er tun will und übernimmt die Verantwortung. Andere haben da alle gegeneinander ausgespielt um von eigenen Mängeln abzulenken. Ich denke auch, dass die Spieler ihm vetrauen, dass er nach Kompetenz und Analyse die Mitspieler auswählt.
Insofern ist er eigentlich unter den heutigen Zuständen in seinem verbandlichen und medialen Umfeld nicht unbedingt komaptibel.
Er steht mit Herberger, Schön und auch Beckenbauer in einer Linie und die wussten, meine ich, wann Schluss ist. Aus eigener Erkenntnis nicht auf Drängelei des Umfelds.
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