Olympia-Bewerbung München Olympische Spiele, für immer in der SchweizSeite 2/2

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude reduzierte die Gegenwehr auf den Reflex einer schreckhaften Mediengesellschaft. Sind Deutschlands Entscheidungsträger nicht fähig zu einer ausgewogenen Debatte über die öffentliche Rolle des Sports? In einem Land, dessen Regierung in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro in Sport investiert. In einem Staat, in dem rund 1000 Athleten von Bundeswehr, Polizei, Zoll und Feuerwehr alimentiert werden. Die Münchner werden nie genau beziffern können, wie viel Steuergeld Olympia an direkten und indirekten Leistungen kosten würde. Wahrscheinlich würden es wie in Vancouver etwa vier Milliarden Euro sein, mindestens.

Axel Doering und viele Bauern wollen die Weideflächen in Garmich nicht hergeben, da sie nach Olympia nicht regenerierbar seien. "Unsere Wiesen sind über Jahrhunderte gewachsene Schätze", sagt er. "Danach wären sie Durchschnitt."

In Oberammergau, wo 2018 Biathlon stattfinden soll, denken sie mit Grauen an die schmelzenden Gletscher. Die Vereinigung Nolympia fühlt sich von den Bewerbern nicht ernst genommen. "Ständig werden Pläne umgeworfen, wir sind schmückendes Beiwerk. Das ist die Umkehr von Demokratie", sagt Doering. "Das IOC nimmt sich alle Rechte und wälzt die Verantwortung ab. Am Ende wird unser Tal für ein paar Medaillen betoniert." Sein Netzwerk hat auf einer Internetseite 18 Gründe gegen Olympia notiert. Die Ziele: eine Gegenöffentlichkeit, die in einem bindenden Bürgerentscheid mündet. Laut einer Umfrage der Hochschule München stünden nur 57 Prozent der Bewohner Garmischs hinter einer Bewerbung, das IOC wünscht sich 90 Prozent.

Im Juli 2011 entscheidet das IOC, wo die Winterspiele 2018 stattfinden werden, Münchens Konkurrenten sind Pyeongchang in Südkorea und Annecy in Frankreich. Ein Schweizer Bewerber, der Olympia dauerhaft übernehmen könnte, ist nicht dabei. Noch nicht.

Was heute absurd erscheint, könnte durch den Klimawandel in zwei oder drei Jahrzehnten tatsächlich erwogen werden. Wer hätte vor zehn oder 15 Jahren für möglich gehalten, dass sich Automobilwerke wie BMW oder Toyota wegen Umwelt- und Kostengründen aus der Formel 1 zurückziehen? Die Schweizer Lösung müsse nicht für die Ewigkeit sein, schrieb Charles Banks-Altekruse in der New York Times, aber sie käme einer Temporeduzierung gleich, einer Besinnung. Auf den Sport und den olympischen Gedanken.

 
Leser-Kommentare
  1. die olympische spiele in der schweiz,die bayreuther festspiele in pakistan,die oscar verleihung in timbuktu und das africa cup in sued amerika...klingt eigentlich logisch...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ist ein Vergleich.
    Es geht darum, dass die großen Umwälzungen die entstehen wenn alle vier Jahre irgendwo ein komplettes "olympisches Dorf" und Sportstätten aus dem Boden gestampft werden.
    Die Oscar Verleihung findet wie die Bayreuther Festspiele jedes Jahr an der gleichen Stelle platz. Das Kodak-Theater wird nicht jedes Jahr irgendwo neu aufgebaut ;)
    Fußballstadien stehen in der Regel auch schon.

    Ich finde die Idee des Artikels gut, und unterstütze auch die NOlympia Bewegung.

    ...ist ein Vergleich.
    Es geht darum, dass die großen Umwälzungen die entstehen wenn alle vier Jahre irgendwo ein komplettes "olympisches Dorf" und Sportstätten aus dem Boden gestampft werden.
    Die Oscar Verleihung findet wie die Bayreuther Festspiele jedes Jahr an der gleichen Stelle platz. Das Kodak-Theater wird nicht jedes Jahr irgendwo neu aufgebaut ;)
    Fußballstadien stehen in der Regel auch schon.

    Ich finde die Idee des Artikels gut, und unterstütze auch die NOlympia Bewegung.

    • carol
    • 09.03.2010 um 10:16 Uhr

    endlich wird da mal ein wenig darüber diskutiert.

    seitdem der kalte krieg vorbei ist (1989), hat der leistungssport nicht mehr den stellenwert bei den sportlern. diese "leisten" tolle sportliche höchstleistungen, dessen sinn ich nicht mehr nachvollziehen kann.

    millarden werden für ein paar sportler ausgegeben. und seit Athen verstehe ich die welt nicht mehr. und London hat jetzt schon kaum noch geld um überhaupt was auf die reihe zu bekommen.

    ich hoffe oder vielleicht wird diese idee mit einem austragungsort mal ein wenig ernster genommen.

  2. Richtig, Olympische Spiele stellen dieser Tage, in ihrer modernen Größe, immer eine Zerstörung gewachsener Strukturen dar.

    Dazu kommt noch der finanzielle Unsinn. Bayern alleine hat ja erst gerade wieder mal 10 Mrd. bei der Landesbank und noch mal 4 Mrd. bei Alpe Adria verloren. Da könnte man vier Mrd. - am Ende sind das wie üblich mindestens doppelt so viel - sicher wesentlich besser verwenden.

    Darüberhinaus stellt die weiterführende Frage, ob diese ausufernden Olympischen Siele überhaupt noch zeitgemäß sind und vielleicht doch eher wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgestutzt werden sollten.

  3. ...ist ein Vergleich.
    Es geht darum, dass die großen Umwälzungen die entstehen wenn alle vier Jahre irgendwo ein komplettes "olympisches Dorf" und Sportstätten aus dem Boden gestampft werden.
    Die Oscar Verleihung findet wie die Bayreuther Festspiele jedes Jahr an der gleichen Stelle platz. Das Kodak-Theater wird nicht jedes Jahr irgendwo neu aufgebaut ;)
    Fußballstadien stehen in der Regel auch schon.

    Ich finde die Idee des Artikels gut, und unterstütze auch die NOlympia Bewegung.

    Antwort auf "verkehrte welt"
  4. Wieso sollte ein so kleines Land mit erst noch extrem wenig Platz den Olympiaspass der halben Welt finanzieren? Wo sollte man die gigantischen Olympiabauten in der Schweiz überhaupt hinbauen? Falls man es noch nicht bemerkt hat: Die Schweiz finanziert beispielsweise bereits einen schönen Teil der UNO-Infrastruktur - da brauchen die Schweizer das restliche Steuergeld lieber für Dinge, die ihnen auch was nützen, und nicht für schöne Träume und Schäume anderer Nationen. Ausserdem passt ein Anlass wie die Olypischen Spiele überhaupt nicht zur schweizerischen Kultur der Bescheidenheit und Zurückhaltung. Olympische Winterspiele (dauerhaft) in der Schweiz - so eine Schnapsidee. Soll doch Charles Banks-Altekruse diese Gigawahnsinnsanlagen doch in den USA bauen. Olympia passt schliesslich wesentlich besser zur amerikanischen Kultur und Platz genug haben die auf der andern Seite des Teiches ja auch.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service