Statt sich auf ihre Stärken zu besinnen, geraten die Beteiligten immer wieder in Versuchung, ihren Sport zu überhöhen
Andererseits ist gerade die familiäre Atmosphäre das große Pfund der Paralympics. Die Athleten sind nah und authentisch und ihre individuellen Lebenswege fast immer faszinierender als die manch stromlinienförmiger Olympiastarter. Es gibt bei der Anreise kaum nervige Staus oder Schlangen und vieles wirkt entspannter, natürlicher als bei Olympischen Spielen. Wer das komplizierte Verrechnungssystem der Schadensklassen als gegeben akzeptiert und sich führen lässt von der Wettkampf-Moderation, der kann auch die sportlichen Duelle genießen.
Doch statt sich auf ihre Stärken zu besinnen, geraten die Beteiligten immer wieder in Versuchung, ihren Sport zu überhöhen. Seit 1976 gibt es paralympische Winterspiele und seitdem hat sich viel getan. Die Wettkämpfe sind professioneller geworden, mehr Länder nehmen teil und mehr Medien berichten. Erstmals sind die paralympischen Empfänge im gleichen deutschen Haus untergebracht wie die olympischen Abende zuvor. Dass Politiker und Funktionäre dem deutschen Behindertensportverband ihre Aufwartung machen, ist längst selbstverständlich.
Das alles ist eine gute Entwicklung. Deshalb gleich vom zweitgrößten Sportevent der Welt zu sprechen, wie es der Vorsitzende des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Philip Craven, immer wieder tut, ist dennoch übertrieben. Paralympische Spiele bleiben aus vielen Gründen vorerst ein Randsport-Ereignis. Wer sich darauf einlässt, wird dennoch belohnt.
- Datum 15.03.2010 - 15:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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