Claudia Pechstein Die mit der Blutmacke

Ein neues Gutachten erklärt Claudia Pechsteins Blutwerte mit einer Anomalie. Trotzdem fällt es schwer, an die Unschuld der Athletin zu glauben.

Claudia Pechstein vor ihrem Blutprofil: "Ich hoffe auf ein Happy End."

Claudia Pechstein vor ihrem Blutprofil: "Ich hoffe auf ein Happy End."

 "Es geht um die Wahrheit ", sagt Gerhard Ehninger. Deshalb hat er sie alle eingeladen. 13 Kamerateams und über 100 Journalisten drängen sich im Berliner Haus der Bundespressekonferenz. Wo sonst Politiker über Koalitionsverhandlungen oder Untersuchungsausschüsse reden, hält Ehninger eine große, rote Blutzelle aus Plastik in den Händen, um seinen Vortrag anschaulicher zu machen.

Es geht also ums Blut. Dass mit dem von Claudia Pechstein etwas nicht stimmt, hatten vor einiger Zeit schon Dopingfahnder festgestellt. Nun kümmert sich auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie mit ihrem Vorsitzenden Gerhard Ehninger darum. Mit einem völlig anderem Ergebnis:  "Für uns ist der Dopingverdacht ausgeräumt ", sagt er.

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Durch zwei neue Verfahren wollen die Wissenschaftler bewiesen haben, dass Claudia Pechstein tatsächlich an einer Blutanomalie leidet. Vom Vater habe sie die sogenannte Kugelzell-Anämie geerbt. Die würden den erhöhten Wert an unreifen roten Blutkörperchen (Retikulozyten) erklären, der einst zu Pechsteins Sperre geführt hatte.

"Blutmacke " nennt Claudia Pechstein selbst die medizinische Diagnose. Sie verfolgt den Vortrag der vier Wissenschaftler aus der ersten Reihe. Manchmal nickt sie müde, manchmal lächelt sie mild. Vor ihr wird ihr Blut seziert, auf 36 Power-Point-Folien. Nach deren Vortrag schüttelt sie den Wissenschaftlern dankbar die Hand. Hinterher empfängt sie Medienvertreter zum Einzelgespräch. Dort bezeichnet sie es noch immer als  "Wahnsinn ", überhaupt in dieser Situation zu sein.  "Aber ich kann nur diesen Weg gehen, ich möchte meine Rehabilitation. Ich habe nie gedopt ", sagt die Eisschnellläuferin.

Es scheint nun belegt, dass die Veränderung ihres Blutes durch eine Anomalie zustande kam. Trotzdem fällt es schwer, an die Unschuld von Claudia Pechstein zu glauben. Und so standen die Journalisten nach der Veranstaltung etwas ratlos zusammen und diskutierten. Es bleiben noch einige offene Fragen. Es geht zum Beispiel darum, wie es sein kann, dass eine Spitzensportlerin jahrelang mit einer unerkannten Bluterkrankung Höchstleistungen vollbringt. Oder wie es ins Bild passt, dass bei zwei weiteren deutschen Eisschnellläuferinnen ebenfalls erhöhte Retikulozyten-Werte festgestellt worden sein sollen.

Auch unter anderen Wissenschaftlern gibt es Zweifel. Nach der Experten-Erklärung in Berlin meldete sich prompt die andere Seite.  "Es kann gut sein, dass sie diese Anomalie hat, aber was ihren Dopingfall betrifft, ist dadurch überhaupt nichts geklärt", sagt der Pharmakologe Fritz Sörgel. Aufgabe der Experten ist es eigentlich Fragen zu beantworten, im Fall Pechstein stiften sie nur Verwirrung.

 "Ich war am Anfang genauso kritisch", sagt Andreas Weimann. Er etablierte die neuen Messmethoden an der Charité Berlin, mit denen die Kugelzell-Anomalie nun letztendlich nachgewiesen wurde. Pechstein kam zu ihm, er nahm sechs Blutproben: "Ich kann alle Werte wunderbar mit der Erkrankung in Einklang bringen."

Mehrfach schon hatte es ähnliche Pressekonferenzen gegeben. Auch dort wurden Blutprofile erklärt, trotzdem hatten sie den Anschein von PR-Veranstaltungen. "Das hatte ich massiv kritisiert, da gab es immer eine andere Ausrede", sagt der Hämatologe Gerhard Ehninger. "Das hier ist jetzt wissenschaftsbasiert." Er bittet darum, alles bisher gehörte zu vergessen und vorurteilsfrei an die neuen Erkenntnisse heranzugehen: "Ich bitte Sie, die Reset-Taste zu drücken."

Die Causa Pechstein ist zu einem Stellungskrieg geworden, in dem sich zwei wissenschaftliche Lager unversöhnlich gegenüber stehen. Die Athletin jedenfalls möchte die neuesten Erkenntnisse in ihren Revisionsantrag beim Schweizer Bundesgericht einfließen lassen, obwohl dieses sich nicht um inhaltliche, sondern lediglich formelle Fragen kümmert. Trotzdem sagt sie: "Ich hoffe auf ein Happy End"

 
Leser-Kommentare
  1. überführt worden ist, sollte man eigentlich nicht "ratlos rumstehen" sondern sich entschuldigen. Der Pharmakologe Sörgel treibt die Diskussion dann allerdings ins Bizarre - wenn Sphärozytose erhöhte Retikulozyemwerte macht und Epo auch, soll dann vielleicht in Zukunft allen Menschen mit Sphärozytose die Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen verboten werden? Übrigens wäre ich dafür, die gesamte Westerwelle-Delegation unter Dopingverdacht zu stellen: Die haben nach ihrer Andenreise durch den Höheneffekt auch erhöhte Retikulozytenwerte!

  2. schließt das eine (anomalie) das andere (doping) aus?

    nein.

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    • Lapje
    • 15.03.2010 um 22:00 Uhr

    ...auch bewiesen worden?

    Nein.

    • Lapje
    • 15.03.2010 um 22:00 Uhr

    ...auch bewiesen worden?

    Nein.

  3. Ich glaube, wenn die Karriere-Agonie nicht so wiederkehrend wäre bei den jeweils Ertappten, ließe sich ein Einzelfall sicherlich mit mehr Begeisterung erlesen als es dieser derzeit tut.
    Die Causa hat aber auch ihr Gutes, denn im ganzen "Wir haben sie erwischt Gehabe" werden manchmal ansatzweise Strukturen deutlich, die interessieren.
    Doch leider hat z. B. niemand so recht aufgegriffen, warum Frau Pechstein nach der Erkenntnis über einen Dopingzusammenhang das Angebot bekam, "alles zu vergessen", wenn sie freiwillig zurückträte.
    So sehr ihre Bockigkeit auch derzeit verwundert, so richtig war sie damals.
    Schade, dass die Chance, abseits der Person Pechstein auch ein wenig Klarheit zu etablieren, verlustig ging ... oder wie wollen wir es nennen, wenn man nur über die Dame und nicht über die diversen Funktionäre drumherum liest?
    Sportler mögen ja in ihrer eigenen Welt leben, aber alleine geraten sie da weder rein noch sind sie es dort dann.

    • Lapje
    • 15.03.2010 um 21:59 Uhr

    [...]

    Soweit ich weiß ist der Text nicht als Kommentar angekündigt, oder? Ich möchte in solchen Artikeln über die Fakten informiert werden, und nicht vom Verfasser beeinflusst werden. Es gibt genügend Schreiberlinge die in der letzten Zeit hier durch so etwas negativ aufgefallen sind...

    Wir freuen uns über kritische Stimmen zu unseren Artikeln. Formulieren Sie Ihre Kritik aber bitte respektvoller. Die Redaktion/sh

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    • Lapje
    • 16.03.2010 um 0:35 Uhr

    ...aber wo bleibt der Respekt Ihrer Journalisten gegenüber denjenigen, über den sie schreiben? Gehen Sie doch mit gutem Beispiel voran, dann erledigt sich auch die Sachem mit der Arroganz...

    Das Problem bei der Zeit ist (das wird auch in einigen anderen Kommentaren geschrieben) dass sich solche Beiträge mit einem über alles stehenden Schreiber häufen, aber es kann so oft kritisiert werden, es ändert nicht nichts...

    Zudem ist der Beitrag handwerklich einfach nur schlecht, denn er lässt einfach zu viele Fragen offen, die der Autor selber aufwirft aber nicht beantwortet...

    • Lapje
    • 16.03.2010 um 0:35 Uhr

    ...aber wo bleibt der Respekt Ihrer Journalisten gegenüber denjenigen, über den sie schreiben? Gehen Sie doch mit gutem Beispiel voran, dann erledigt sich auch die Sachem mit der Arroganz...

    Das Problem bei der Zeit ist (das wird auch in einigen anderen Kommentaren geschrieben) dass sich solche Beiträge mit einem über alles stehenden Schreiber häufen, aber es kann so oft kritisiert werden, es ändert nicht nichts...

    Zudem ist der Beitrag handwerklich einfach nur schlecht, denn er lässt einfach zu viele Fragen offen, die der Autor selber aufwirft aber nicht beantwortet...

    • Lapje
    • 15.03.2010 um 22:00 Uhr

    ...auch bewiesen worden?

    Nein.

    • Lapje
    • 15.03.2010 um 22:05 Uhr

    Warum schreibt der Verfasser nichts darüber, dass man auch bei zwei Nachwuchssportlern solche hohen Werte vor geraumer Zeit entdeckt hat, diese aber nicht unter Doping-Verdacht stehen?

  4. Den Foristen Lapje kann ich nur unterstützen.
    "Trotzdem fällt es schwer, an die Unschuld von Claudia Pechstein zu glauben."
    Es folgen keine stichhaltigen Gründe für diese Aussage.
    "Es geht zum Beispiel darum, wie es sein kann, dass eine Spitzensportlerin jahrelang mit einer unerkannten Bluterkrankung Höchstleistungen vollbringt."
    Dass Anomalien (sie nennen es Krankheit) Vorteile bringen können, hat die Evolution immer wieder gezeigt.
    "Oder wie es ins Bild passt, dass bei zwei weiteren deutschen Eisschnellläuferinnen ebenfalls erhöhte Retikulozyten-Werte festgestellt worden sein sollen."
    Was soll dieser Satz begründen?
    Hoffentlich war dieser Artikel ein einmaliger Ausreisser!

    • Lapje
    • 16.03.2010 um 0:35 Uhr

    ...aber wo bleibt der Respekt Ihrer Journalisten gegenüber denjenigen, über den sie schreiben? Gehen Sie doch mit gutem Beispiel voran, dann erledigt sich auch die Sachem mit der Arroganz...

    Das Problem bei der Zeit ist (das wird auch in einigen anderen Kommentaren geschrieben) dass sich solche Beiträge mit einem über alles stehenden Schreiber häufen, aber es kann so oft kritisiert werden, es ändert nicht nichts...

    Zudem ist der Beitrag handwerklich einfach nur schlecht, denn er lässt einfach zu viele Fragen offen, die der Autor selber aufwirft aber nicht beantwortet...

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    • oooo
    • 16.03.2010 um 1:06 Uhr

    ...bekommen sie auf jeden Fall bei Scientology. Seriösität bedeutet auch, offene Fragen ehrlich als solche darzustellen.

    • oooo
    • 16.03.2010 um 1:06 Uhr

    ...bekommen sie auf jeden Fall bei Scientology. Seriösität bedeutet auch, offene Fragen ehrlich als solche darzustellen.

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