Theo Zwanziger Ein Präsident zum Fürchten
Trotz Kritik an seiner Führung bleibt Theo Zwanziger DFB-Präsident. Das mag schön für ihn sein, ist aber schlecht für den deutschen Fußball. Ein Kommentar
© MARIO VEDDER/AFP/Getty Images

Hat Lust am Präsidentendasein: Theo Zwanziger
Wenn Glaubwürdigkeit das höchste Gut für eine Führungsperson ist, dann sollte irgendjemand im DFB schnell eine Stellenanzeige aufgeben. "Ich klebe nie an einem Amt", hatte Theo Zwanziger nach der Präsidiumssitzung am Freitag gesagt und genau in diesem Moment schien es, als hocke er auf seinem Posten wie eine Glucke auf ihrem Ei.
Theo Zwanziger bleibt DFB-Präsident, das war die Botschaft, die nach der Präsidiumssitzung aus Frankfurt verbreitet wurde. Eine fünf Seiten lange Rede hatte Zwanziger vorbereitet und persönlich vorgetragen. In der anschließenden Vertrauensabstimmung stimmten alle 47 Mitglieder des DFB-Vorstandes für ihn. Zum wiederholten Male erklärte der DFB die sogenannte Schiedsrichter-Affäre für beendet. Weniger Öffentlichkeit, weniger Streit, er selbst wolle zukünftig weniger machen, aber mehr delegieren, sagte Zwanziger. Und nun ist alles wieder gut?
Mitnichten! Wenige Monate vor der Weltmeisterschaft fällt die Bestandsaufnahme im größten Fußballverband der Welt jämmerlich aus. Der DFB wird von einem Präsidenten geführt, dem große Teile der Öffentlichkeit nicht mehr vertrauen, der aber dennoch weitere drei Jahre im Amt bleiben möchte. Über die Möglichkeit innerhalb des DFB Kritik zu üben, ist vieles gesagt, wenn ein Präsident trotz der Fehltritte der vergangenen Wochen mit 100 Prozent der Stimmen bestätigt wird. Dennoch: Spätestens wenn Manfred Amerell, den Zwanziger voreilig öffentlich zum Täter im Schiedsrichter-Skandal machte, vor Gericht recht bekommen sollte, wird Theo Zwanziger zurücktreten müssen.
Weitere Großbaustellen belasten die Außendarstellung des Verbandes: Da ist zum einen der noch nicht aufgeklärte Manipulationsskandal, zum anderen der Streit mit der Führung des Nationalteams. Zwischen dem Duo Löw/Bierhoff und dem DFB herrscht so viel Harmonie wie zwischen einem Ehepaar, das noch die letzten Monate des Scheidungsjahres abwarten muss. Der Vorwurf, Zwanziger sei daran beteiligt gewesen, vertrauliche Details aus Vertragsgesprächen an die Boulevardpresse weiterzuleiten, ist nicht ausgeräumt. Spätestens dann, wenn die Nationalelf in der direkten WM-Vorbereitung weiterhin so eingeschüchtert spielt wie gegen Argentinien, wird ein Zusammenhang zwischen schlechten sportlichen Leistungen und den Dissonanzen in der Führungsebene konstruiert werden.
Zudem ist das Image der deutschen Schiedsrichter – auch durch Zwanzigers Krisenmanagement – schwer beschädigt. Weitere Kollateralschäden sind nur eine Frage der Zeit. Das ist umso bedauerlicher, als Zwanziger gerade die Homophobie im Fußball zu seinem Thema machen wollte. Durch sein ungeschicktes Verhalten in der Schlammschlacht zwischen dem älteren, Manfred Amerell, und dem jüngeren Schiedsrichter, Michael Kempter, hat er homosexuellen Spielern, Spielerinnen oder Schiedsrichtern, für die ein Outing eine Befreiung wäre, den Weg an die Öffentlichkeit erschwert. So offen und liberal Theo Zwanziger den Verband machen wollte, so geschlossen und hierarchisch wirkt der DFB im März 2010. Aus dem Sympathieträger Theo Zwanziger ist ein Präsident zum Fürchten geworden.
Etwa ein Jahr ist es her, dass Theo Zwanziger einen eigentlich lächerlichen Streit mit dem Journalisten Jens Weinreich so weit trieb, dass der DFB-Präsident mit seinem Rücktritt drohte. Um seine Ehre zu schützen, ließ der Jurist Zwanziger die Anwälte des DFB auf Hochtouren arbeiten. Zurückgetreten ist er dann doch nicht.
Nun, bevor die juristische Auseinandersetzung in der Causa Amerell überhaupt richtig begonnen hat, drohte Zwanziger schon wieder mit seinem Rücktritt. Wie glaubwürdig kann ein Präsident noch sein, der in regelmäßigen Abständen mit seiner Kündigung kokettiert, dem von Beobachtern der Rücktritt empfohlen wird und der dann doch bleibt – weil ihm der Job persönlich so viel Spaß macht?
- Datum 13.03.2010 - 10:13 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Alles was gut für ihn ist, ist gut für den Sport (der übrigens kein Sport mehr ist, sondern eine fast schon perfekt organisierte Zockerwirtschaft, deren wirklicher Zweck nur darin besteht, den diversen Wettbetrugskriminellen mit ihren vielfältigen und zahlreichen Beziehungen in die etablierten Systeme der Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Justiz.
Also ein absolut normaler Typ, der sich perfekt in die existierende Phalanx von "Leistungsträgern", "Elitariern", "Führungs-, Lenkungs- und Leistungskräften" einfügt und fast schon 100% Passergenauigkeit aufweist. [entfernt. Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persönliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion]
Absolut inakzeptabel und nur noch mit einer Reaktion zu beantworten: Abschalten, nicht mehr hingehen, ablehnen.
der Theo kann den Karren trotz Loyalität und Ergebenheit zu ihm nicht mehr aus dem Morast herausziehen.
Er wäre gut beraten als Gentleman zurückzutreten.
sondern auch darum, dass der Zuschauer es nicht merkt." (nach Ephraim Kishon)
Meiner persönlichen Ansicht nach versagt der DFB so gesehen seit Jahren auf ganzer Linie.
Seitdem er mit allen Mitteln versucht hat, einen aufrichtigen Journalisten zu "erledigen" (und dabei vor Gericht andauernd unterlag -- aber weitermachte bis der Journalist mangels Kosten nicht mehr konnte) ist dieser peinliche Mann indiskutabel und erledigt. Dass diese Affaire die etablierten Medien nicht so richtig wahrgenommen und inzwischen bereits fast vergessen haben, ist auch bezeichnend für 20ers offensichtliche Macht und seinen Einfluss.
Wenn in einem Unternehmen ein Direktor mit einer ihm unterstellten Sekretärin ein Verhältnis eingeht und er seine Stellung solchermaßen ausnutzt, daß sie als Obersekretärin mehr Gehalt bekommt, dann muß der oberste aller Bosse , dem das nicht gefällt und einen auf Unabhängigkeit macht, auch nicht zurücktreten - auch wenn der Direktor meint, daß er die Dame geliebt hat (und sie ihn auch) und er sie nicht qua Amtes zum Beschlaf genötigt hat.....
M.a.W. mich stört nicht nur der inflationäre Gebrauch von Rücktrittsforderungen. Mich stört vor allem die Unsachlichkeit der Begründung. Alles Wichtigtuer, diese selbsternannten Scharfrichter in Sachen Moral, die immer andere zum Rücktritt zwingen wollen....
... egal ob Westerwelle, Papst, Zwanziger, von Guttenberg...wen gibt es denn sonst noch?
und das heißt, es ist viel zu verbergen. Käme nach einem (falschen) Zwanziger wohlmöglich nur ein (falscher) Fuffziger, und nichts würde besser. - Ich bin gespannt auf die Entscheidung im Prozeß, den Manfred Amerell führt. -
Dr. Theo Zwanziger, der jetzige DFB-Präsident hat in seinem Amte einen guten Start gehabt. Das lag wohl zum einen daran, dass man ihm, den stets unterschätzten Fussballfunktionär, den Schritt in die erste Reihe des deutschen Fussballs gar nicht zugetraut hatte und ob seiner ersten Taten und Reden angenehm überrascht war. Zum anderen war man froh, als sein oftmals selbstgerecht wirkender Vorgänger Mayer-Vorfelder endlich in die Ehrenloge versetzt wurde.
Als Zwanziger aber, ganz oben in der Hierarchie, sich einen Überblick verschafft hatte, begann er sich zu verzetteln. Aus Treue und Güte hielt er zu Sammer; statt, wie vom damaligen Nationaltrainer Klinsmann gewünscht, Bernhard Peters als neuen DFB-Sportdirektor zu installieren, um den Nationalspielern neue Impulse zu vermitteln. Nur keine Experimente!
Und so ging's weiter. Friede, Freude, Eierkuchen! Lange Zeit sah es ja wirklich so aus. Bis Bundestrainer Löw der Kragen platzte und er klarstellte, dass es keinen sog. Handschlag-Vertrag mit dem DFB-Präsidenten gäbe. Dann wurde der Name des Ex-Schiedsrichters Amerell sehr schnell - zu schnell! - in Misskredit gebracht. Noch ehe die Fakten wirklich überprüft waren. Was ist aus dem Fussball-Manipulationsverdacht geworden? Wird man davon nochmals etwas hören?
Vielleicht sollte sich der amtierende DFB-Präsident mal die Frage stellen, ob für den Fussballbund ein Neuanfang nicht wirklich das beste wäre. Auch angesichts der Tatsache, dass in ein paar Wochen die WM 2010 beginnt!
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