Um die Polizei zu entlasten, soll es ab dem kommenden Jahr am 1. Mai keine Fußballspiele mehr geben. Dies beschlossen die Präsidenten des Deutschen Fußballbundes (DFB) Theo Zwanziger und der Deutschen Fußballliga (DFL), Reinhard Rauball in Anwesenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

An dem zukünftig womöglich jährlich stattfindenden Runden Tisch zum Thema Fußball und Gewalt haben die Fußballvertreter außerdem als Teil eines Zehn-Punkte-Planes beschlossen, dass die Kommunikation zwischen den Beteiligten der Liga, der Polizei und den Kommunen sowie die präventive Fan-Arbeit verbessert werden.

Sicherheits- und Fan-Beauftragte sollen zukünftig hauptberuflich arbeiten. In allen Bundesligavereinen soll es Standard sein, dass das Sicherheitspersonal die eigenen Fans auch auf Auswärtsfahrten begleitet und somit die Bahnpolizei entlastet.

Rauball kündigte zudem eine "zeitgemäße Medienkampagne" an, um das Thema Gewaltprävention vielen Fans bewusst zu machen und forderte einen Paradigmenwechsel: Gewaltbereite Fans und Ultras sollten einen Dialog mit der Polizei beginnen. Dazu soll "der gedankliche Austausch" verstärkt werden und es die Möglichkeit geben, Strafen gegen einsichtige Fans zu reduzieren. Zudem planen die Beteiligten einen wissenschaftlichen Beirat mit hochkarätiger Besetzung, der Modelle für Sicherheitsproblematiken erarbeiten soll.

De Maizière wertete diese neuen Maßnahmen als "klares Zeichen", dass nach den jüngsten Fan-Ausschreitungen in der Bundesliga "auch im Fußball neue Anstrengungen unternommen werden". Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Länder-Innenminister (IMK), sieht in den Zusicherungen der Fußballverbände einen "Quantensprung" in der Zusammenarbeit des Fußballs mit der Polizei.

Angesichts der jüngsten Ereignisse in Berlin, als rund 150 Hertha Fans nach dem Spiel gegen Nürnberg den Rasen gestürmt hatten, sagte de Maizière, er sei "froh" über die neuen Initiativen des Fußballs. In der vergangenen Saison habe es bei den 612 Spielen der 1. und 2. Bundesliga 830 verletzte Personen, davon 229 Polizisten, gegeben. Rund eine Million Einsatzstunden habe die Polizei geleistet, zählte der Innenminister auf. Es gebe 12.000 Problemfans in Deutschland, 3500 Stadionverbote seien ausgesprochen worden. Insgesamt hätten die Polizei-Einsätze bei Fußball-Spielen 100 Millionen Euro gekostet, ergänzte Ahlhaus.

Die Forderung der Deutschen Polizeigewerkschaft, dass sich die Bundesliga an diesen Kosten beteiligen soll, lehnte DFL-Chef Rauball erneut ab. "Zur Freude habe ich festgestellt, dass niemand da war in der Runde, der so eine Forderung gestellt hat", sagte er. De Maizière verwies darauf, dass eine solche Kostenbeteiligung der Vereine nach geltendem Recht nicht möglich sei. "Und eine Gesetzesänderung hat heute niemand ins Spiel gebracht."