Nationalspieler Thomas Hitzlsperger"Ich bete nicht für meine WM-Teilnahme"

Im Kolumnengespräch kritisiert Thomas Hitzlsperger das Zölibat und die Rolle der Kirche im Missbrauchsskandal, und sagt, wie wichtig der Glaube für Fußballer ist. von 

Thomas Hitzlsperger: "Ja, ein paar Leute beten für mich"

Thomas Hitzlsperger: "Ja, ein paar Leute beten für mich"  |  © Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, woran glauben Sie eigentlich?

Thomas Hitzlsperger: Ich bin getauft, katholisch erzogen und aufgewachsen. Als Kind war ich häufig in der Kirche. In dem Alter widerspricht man ja auch nicht. Mit dem Glauben habe ich mich damals nicht sehr intensiv auseinandergesetzt. Über die Jahre bin ich dann vom kirchlichen Glauben abgekommen. Für viele Menschen gibt die Kirche als Institution jedoch Halt und ist wichtig, was ich gut finde.

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ZEIT ONLINE: Der in Deutschland aktuelle Missbrauchsskandal beschäftigt viele Menschen, Sie auch?

Hitzlsperger: Um sich dafür zu interessieren, muss man ja nichts direkt mit der Kirche zu tun haben. Ich habe das Gefühl, dieser Skandal nimmt immer größere Dimensionen an. Das ist sehr tragisch und muss aufgeklärt werden. Es darf nicht passieren, dass Kinder misshandelt werden. Das Problem mit dem Umgang von Kindern in Internaten oder Heimen ist aber nicht nur auf die Kirche beschränkt. In erster Linie muss den Opfern geholfen werden.

ZEIT ONLINE: Haben Sie einen persönlichen Bezug zu den derzeitig diskutierten Fällen?

Hitzlsperger: Ich kenne niemanden aus meinem Bekanntenkreis der davon betroffen ist. Ich habe aber schon mit Freunden und Familie darüber gesprochen, weil es eben ein Thema ist, das derzeit viele beschäftigt.

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ZEIT ONLINE: Für wie zeitgemäß halten Sie das Zölibat?

Hitzlsperger: Auch diese Frage haben wir diskutiert. Das Zölibat und die Art und Weise wie die Kirche momentan auf die Anschuldigungen reagiert, scheint eben nicht zeitgemäß zu sein. In seinem Ostersegen hat sich der Papst nicht zu diesem Thema geäußert, die Menschen wollen aber eine Erklärung. Ich kenne mich zu wenig in kirchlichen Abläufen aus, aber es kommt einem schon der Gedanke, dass sich vielleicht auch Pädophile um ein Priesteramt bewerben, um Kindern nahe zu sein und nicht erst in der Priesterzeit solche Neigungen entwickeln. Ich habe den ZEIT-ONLINE-Artikel über das Geheimprotokoll des Kardinalssekretär gelesen. Wenn dem Papst solch wichtige Dokumente nicht bekannt waren, dann ist im System Kirche etwas falsch.

ZEIT ONLINE: Sie wohnen seit einigen Wochen in Rom. Haben Sie den Papst schon mal gesehen?

Hitzlsperger: Bisher noch nicht. Obwohl wir ja fast den gleichen Weg hinter uns haben. Joseph Ratzinger kommt aus der gleichen Ecke in Bayern wie ich. Ich bin ihm quasi gefolgt ...

ZEIT ONLINE: ... und waren noch nicht mal auf dem Petersdom?

Hitzlsperger: Fast alle, die mich hier besucht haben, schwärmen davon. Ich werde mich heute in die Warteschlange einreihen und hoffentlich nicht den ganzen Vormittag anstehen müssen, um in den Petersdom zu kommen.

ZEIT ONLINE: Stimmt die Wahrnehmung: Die Menschen versammelten sich während der Osterfeiertage lieber in Scharen vor Apple-Stores als in der Kirche – Irdisches als Ersatzreligion?

Leserkommentare
  1. 1. Frage

    Kein Kommentar zum Inhalt, habe aber jetzt schon zweimal in der ZEIT folgende oben ebenfalls befindliche grammatikalische Merkwürdigkeit gelesen: "es gibt den ein oder anderen, der...." Das muss doch aber heißen: " es gibt den einen oder anderen, der...." alles andere ist doch kein ordentliches Deutsch, oder??

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hickey
    • 12. April 2010 12:48 Uhr

    Aufpassen mit solchen Aussagen.

    Ein Beispiel:

    In Bayern kann man z.b. sagen: Der wo da hingefahren ist.

    Ist bayrisch korrekt, ein Berliner wird das nicht verstehen, aber darum gehts hier ja auch nicht.

    • Hickey
    • 12. April 2010 12:48 Uhr

    Aufpassen mit solchen Aussagen.

    Ein Beispiel:

    In Bayern kann man z.b. sagen: Der wo da hingefahren ist.

    Ist bayrisch korrekt, ein Berliner wird das nicht verstehen, aber darum gehts hier ja auch nicht.

    Antwort auf "Frage"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da der übrige Artikel in Hochdeutsch geschrieben ist, auch grammatikalisch, weiß ich nicht, ob ich das als Dialekt werten muss. Werde darauf achten, da ich der Meinung bin, eine Zeitung wie die Zeit hat eine sprachliche Vorbildfunktion, da der Verfall der Sprache auf allen Ebenen weit fortgeschritten ist. So wird zunehmend auch das Verb erinnern, das grammatikalisch richtig nur als "sich erinnern" verwendet werden kann, als regionale Besonderheit ( angebl. Nord- und Westdeutschland, wo auch ich herstamme und lebe) neuerdings auch transitiv benutzt, z.B. ich erinnere das Ereignis. Mag es ja regional geben, korrekt ist es aber eigentlich nicht, da sollte, meiner Meinung nach, eine gute Zeitung einen gewissen Purismus an den Tag legen.

  2. Da der übrige Artikel in Hochdeutsch geschrieben ist, auch grammatikalisch, weiß ich nicht, ob ich das als Dialekt werten muss. Werde darauf achten, da ich der Meinung bin, eine Zeitung wie die Zeit hat eine sprachliche Vorbildfunktion, da der Verfall der Sprache auf allen Ebenen weit fortgeschritten ist. So wird zunehmend auch das Verb erinnern, das grammatikalisch richtig nur als "sich erinnern" verwendet werden kann, als regionale Besonderheit ( angebl. Nord- und Westdeutschland, wo auch ich herstamme und lebe) neuerdings auch transitiv benutzt, z.B. ich erinnere das Ereignis. Mag es ja regional geben, korrekt ist es aber eigentlich nicht, da sollte, meiner Meinung nach, eine gute Zeitung einen gewissen Purismus an den Tag legen.

    Antwort auf "Dialekte Mundarten etc"
  3. Cacau hat jedenfalls ein Profil auf folgender Seite:

    www.fussball-gott.com/cac...

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