Kritik an Joachim Löw Kuranyi, Frings, Cacau und die Schar der Besserwisser
Sicher, Joachim Löw hat Fehler gemacht. Aber was ihm die Kritiker sieben Wochen vor der WM vorwerfen, ist geschichtsvergessen und falsch, kommentiert Oliver Fritsch.
© Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images

Joachim Löw, ein Bundestrainer, der sich erklären muss
Sieben Wochen vor der Weltmeisterschaft in Südafrika ist Joachim Löw in der Defensive. Vor zwei Jahren noch unumstrittener Stratege der Nationalmannschaft, haben die Kritiker nun das Sagen. Falsche Personalentscheidungen werden ihm vorgeworfen. Beispiel Kevin Kuranyi : Der "Fahnenflüchtige" Kuranyi gehöre begnadigt, weil er viele Tore schießt. Dabei weiß man doch in Deutschland besonders gut, dass es nicht nur darauf ankommt, die besten Einzelspieler zu versammeln. Der Zusammenhalt in der Mannschaft muss stimmen. Zur Erinnerung: Kuranyi verließ das Team nach der besten Halbzeit in der Ära Löw, beim 2:1-Sieg gegen Russland.
Beispiel Torsten Frings : Frings wäre eine WM-Nominierung eigentlich zu gönnen, wurde ihm doch sein Karrierehöhepunkt während der vergangenen WM, die Hablfinalteilnahme, durch eine mindestens fragliche Sperre genommen. Andererseits kann er nicht mehr das höchste Tempo spielen, fraglich ist auch seine Bereitschaft, sich auf die Ersatzbank zu setzen. Ob seine Kollegen es am Wochenende gerne gehört haben, dass sie laut Frings nicht aufgrund ihrer Leistungen das deutsche Trikot tragen?
Beispiel Cacau, von dem sich Löw auch im Herbst 2009 nicht trennte, als dieser kein Bein vor das andere brachte. Warum jedoch übersehen die Kritiker des Deutschbrasilianers, dass Cacau ein anderer Stürmertyp ist als seine Konkurrenten und andere Räume im Spielfeld besetzt? Ist denn der Flügelrenner David Odonkor schon vergessen, den Jürgen Klinsmann und Löw im Mai 2006 aus dem Hut zauberten. Der erst belacht wurde, um dann im Sommermärchen zu einem sehr wichtigen Nebendarsteller zu werden.
Man kann der Meinung sein, dass Cacau nicht mit nach Südafrika fahren sollte, dass Frings und Kuranyi in die Nationalelf gehören. Allerdings überrascht der enorme Argwohn, der Löw ins Gesicht schlägt. Er hege eine Vorliebe für Spieler aus der südwestdeutschen Region, heißt es. Ein skurriler Vorwurf, warum sollte ein Trainer das tun? Seine Entscheidungen seien nicht transparent. Als ob ein Trainer dazu verpflichtet wäre, der Öffentlichkeit seine Gründe und Pläne mitzuteilen. Er sei ungerecht, weil nicht nur Kuranyi gegen den Teamgeist verstoßen hat. Ein Trainer ist doch kein Richter, er muss oft ungerechte Entscheidungen treffen, wenn er Erfolg haben will.
- Datum 20.04.2010 - 16:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Nur leider wird er die, an die er gerichtet ist, nicht erreichen...denn die sind recht resistent gegen Kritik. Austeilen: Ja. Reflektieren: Was ist das?
"Andererseits ist Löw EM-Zweiter, WM-Dritter (als Co-Trainer), für 2010 hat sich seine Elf ohne Niederlage qualifiziert. Vor seinem Antritt im Jahr 2004 war die Nationalelf am Boden."
So schauts aus. Aber trotzdem spielt Deutschland jedes mal schlecht, kommt nur mit Glück weiter, oder spielt gegen vermeintlich schwache Gegner. Solche Leute kapieren nicht dass es kaum noch "schwache Gegner" gibt. Viele haben in den letzten Jahren aufgeholt, vielleicht auch ein Zeuge der Globalisierung. Wir können nur das beste rausholen. Wenn unsere spielerischen Qualitäten nicht ausreichen, dann reicht es halt nicht.
Und Frings Gestänkere: Ja mei, so sind die Mariadorfer nun mal...
Und die, die daheim vorm TV kritisieren, sind doch nicht selten welche, die schon einen Puls von 160 haben wenn sie nur am Kühlschrank ankommen, von zwei Runden um den Sportplatz will ich erst gar nicht reden. Von nix eine Ahnung, aber beim kritisieren in der ersten Reihe. Aber es ist ja immer das gleiche: Bei jedem Länderspiel gibt es hunderttausende Sofa-Trainer, die es meinen besser machen zu können. Dabei frage ich mich immer: Bei dieser geballten Ahnung, warum trainieren sie dann nicht?
dass wir mit einem Trümmerhaufen zu WM fahren. Es gibt weder mannschaftliche Strukturen noch echte Hierarchien in der deutschen Nationalmannschaft. Die Chance, die EM 2008 zu nutzen und eine eingespielte Mannschaft wurde vertan, zugunsten eines zweifelhaften Leistungs-Wettkampfes, der deutlich süddeutsch gewichtet war.
Die Nationalmannschaft fungiert jetzt nur noch als Podest eines selbstherrlichen Trainerstabes, der sich selbst als den Mittelpunkt ansieht. Konstruktive Kritik und Spieler mit Arsch in der Hose, die eine Mannschaft weiterbringen, sucht man in der Nationalmannschaft vergeblich.
Spielerisch rumpelt die Mannschaft derzeit irgendwo zwischen Ribbeck und Völler.
Mein Fazit für Löw ist nicht so optimistisch. Nach einem guten Start wurde das Trainergespann zu selbstverliebt. Daran wird es in Südafrika scheitern.
Genau so schaut's aus.
dass Sie offenbar keinen Fernseher haben und auch keine Zeitung lesen. Sonst hätten Sie vielleicht davon gelesen, wie Deutschland sich zweimal gegen Rußland durchgesetzt hat, spielerisch überzeugend, kämpferisch stark, also keineswegs so, wie unter Ribbeck und Völler. Das einzige Spiel, das Ihrem Urteil Recht geben könnte, ist das Freundschaftsspiel gegen Argentinien - ein Muster ohne Wert.
Genau so schaut's aus.
dass Sie offenbar keinen Fernseher haben und auch keine Zeitung lesen. Sonst hätten Sie vielleicht davon gelesen, wie Deutschland sich zweimal gegen Rußland durchgesetzt hat, spielerisch überzeugend, kämpferisch stark, also keineswegs so, wie unter Ribbeck und Völler. Das einzige Spiel, das Ihrem Urteil Recht geben könnte, ist das Freundschaftsspiel gegen Argentinien - ein Muster ohne Wert.
Das war meiner Ansicht nach lange überfällig, sehr schöner Artikel...
Die Meckerei geht mir persönlich schon seit Monaten gegen den Strich, ob sie jetzt "typisch deutsch" ist oder nicht. Oftmals werden wichtige Fakten einfach "vergessen" -- so zum Beispiel die sehr richtige Bemerkung (Stürmertyp) über Cacau im Vergleich zu Kuranyi et al.
Und die 180° Kehrtwende in der Meinung zum sogenannten "Alten Eisen" -- ja wie nun, raus, rein, so was irgendwo dazwischen? -- ist noch so ein Punkt, bei dem einem die Haare zu Berge stehen. Frei nach dem Motto "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern"... und das zieht sich ja durch alle Themen, auch solche, die nicht mit Fußball zu tun haben hindurch: gestern war Herr Löw noch stilvoll gekleidet, das Wort Stilikone geisterte durch den Blätterwald. Heute ist der gleiche Umstand nur noch Zeichen seiner angebliche Eitelkeit und Habgier oder Selbstverliebtheit.
Es ist halt immer einfach, zu kritisieren, wenn man dabei den Medien nach dem Mund schwätzen kann und keine belastbaren Argumente braucht. Denn die Beweislast tragen die Besserwisser nicht, die trägt der Bundestrainer.
Deutschland hat momentan tatsächlich nicht die großen Stars. Schon Rudi Völler hatte das damals als Trainer kritisiert. Mit Stars meine ich, die ein Spiel auch mal durch eins zwei Aktionen entscheiden können. Aber die hatte Deutschland sehr selten und das macht es eigentlich interessant. Ich mochte den Joachim Löw zum Anfang auch nicht, zu viel Show.
Aber eigentlich macht er sich ganz gut. Man sollte ihm bei der Zusammenstellung vertrauen und ob er den ein oder anderen mitnimmt, spielt letztendlich keine große Rolle, da muss der Joachim schon Gespühr zeigen und das wird er machen. Wenn wir ins Viertelfinale kommen, können wir uns schon freuen, mehr sollten wir nicht verlangen und wird auch nicht drin sein. Das liegt aber nicht am Joachim, an ihm liegt es, ob wir bis dahin kommen.
Auch war es gut den Torwart so früh festzulegen. Ein wenig Sicherheit ist nicht das Schlechteste.
Den Medienrummel sollte er aber vertragen können, dafür wird er nicht schlecht bezahlt.
Auf jeden Fall wird es spannend und drücken wir dem Joachim die Daumen.
Auf was für gute Spieler will der Trainer denn zurückgreifen, wenn es besser ist, im Ausland die Arbeit anderen zu überlassen und diese Spieler dann nur "fertig" einzukaufen anstatt hier mal wirklich selber Spieler aufzubauen?
Fakt ist, wir können nur mit dem arbeiten was wir haben, wenn das nicht ausreicht ist die Schuld bei den Vereinen zu suchen und sicherlich nicht beim Bundestrainer...
Als Besserwisser taten sich doch wohl eher Grinsmann und Löw selbst des öfteren hervor, zeigten Sie uns doch eindrucksvoll, wie man "jeden Spieler jeden Tag etwas besser macht". Schöne Werbefernsehsprüche.
Wenn Sie einen dritten Platz bei der WM im eigenen Land nach Mit-Ach-und-Krach-Halbfinale und dort völlig unterlegen ausscheidend für eine Riesenleistung halten - bitte.
Immerhin eins besser als Südkorea!
Aber von überzeugend gutem und klar konzipiertem Fußball kann bei der dt. Nationalelf seit Jahren keine Rede sein.
Odonkor? Ich bitte Sie, das ist ein Eintages-Forrest Gump!
Podolski? Gehört seit 2 Jahren schon aus dem Kader raus!
Friedrich? Vermutlich gibt es bessere Zweitligaspieler auf seiner Position.
Frings? der bleibt allerdings besser wo er ist.
Kuranyi? Klar, man kann ja auch mal den besten Torschützen zuhause lassen, am besten zusammen mit dem zweitbesten. Schließlich hat man ja zwei potentielle Null-Tore-Stürmer dabei.
Aber Sie werden sich vermutlich an jedem Gerumpel erfreuen, solange nur die *gähn* Sommermärchenfähnchen wieder wehen, nicht wahr?
Eigentlich wollte ich Ihnen in ein paar Punkten widersprechen. Aber dann habe ich dieses Zitat gelesen:
"........nach Mit-Ach-und-Krach-Halbfinale und dort völlig unterlegen ausscheidend"
und da hab ich mir gedacht: Nee, lass es. Die Meinung, die Deutschen seien in diesem Halbfinale völlig unterlegen gewesen, die haben Sie wahrscheinlich weltweit exklusiv.
Merke: Wenn eine Mannschaft völlig unterlegen ist, geht ein Spiel meistens in die Verlängerung und wird 2 Minuten vor Schluss entschieden. Richtig? Richtig!
Stimmt. Eigentlich ist Fußball so:
- Überlegene Mannschaft gewinnt eigentlich immer mit mind. 2 Toren Abstand in der regulären Spielzeit
- Halbfinalisten sind eigentlich nie Rumpelfüßler
- Knapp verloren ist eigentlich fast gewonnen
- In der Nachspielzeit verloren ist eigentlich unentschieden
Habe eine Weile gebraucht, es aber jetzt kapiert. Danke.
Eigentlich wollte ich Ihnen in ein paar Punkten widersprechen. Aber dann habe ich dieses Zitat gelesen:
"........nach Mit-Ach-und-Krach-Halbfinale und dort völlig unterlegen ausscheidend"
und da hab ich mir gedacht: Nee, lass es. Die Meinung, die Deutschen seien in diesem Halbfinale völlig unterlegen gewesen, die haben Sie wahrscheinlich weltweit exklusiv.
Merke: Wenn eine Mannschaft völlig unterlegen ist, geht ein Spiel meistens in die Verlängerung und wird 2 Minuten vor Schluss entschieden. Richtig? Richtig!
Stimmt. Eigentlich ist Fußball so:
- Überlegene Mannschaft gewinnt eigentlich immer mit mind. 2 Toren Abstand in der regulären Spielzeit
- Halbfinalisten sind eigentlich nie Rumpelfüßler
- Knapp verloren ist eigentlich fast gewonnen
- In der Nachspielzeit verloren ist eigentlich unentschieden
Habe eine Weile gebraucht, es aber jetzt kapiert. Danke.
Fakt ist, dass der Vorwurf, Kevin Kuranyi sei kein Mannschaftsspieler, an den Haaren herbeigezogen ist, wie er überall, wo er gespielt hat, ein ums andere Mal bewiesen hat. Fakt ist außerdem, dass er in den Phasen, in denen er in der Nationalmannschaft spielen durfte, regelmäßig der beste deutsche Stürmer war, dann aber plötzlich ausgebootet wurde.
Fakt ist, dass Torsten Frings auf seiner Position nach dem verletzten Simon Rolfes immer noch der beste deutsche Spieler ist. In der Europaliga gegen richtig starke Gegner ist er merkwürdigerweise nicht zu langsam. Während man aus Mangel an Spielern auf dieser Position inzwischen Bastian Schweinsteiger umfunktioniert.
Fakt ist, dass Löw das Leistungsprinzip predigt, aber nicht danach aufstellt. Zugegeben, es gibt gar nicht so viele deutsche Stürmer in der Bundesliga, die er aufstellen könnte. Klose und Podolski sind allerdings seit längerer zeit von allen Alternativen diejenigen, die die wenigste (nämlich so gut wie gar keine) Leistung bringen.
Und Fakt ist auch, dass sich Löw und Bierhoff in schönster Regelmäßigkeit in höchst arroganter, vor Selbstverliebtheit strotzender Weise mit den Experten der Bundesliga und des DFB) anlegen und so tun, als besäßen sie mehr Kompetenz als z.B. Matthias Sammer, Felix Magath oder Uli Hoeneß. Ganz zu schweigen von der versuchten Abzocke anläßlich der Vertragsverhandlungen, mit der sie glücklicherweise gescheitert sind.
Nein, Herr Fritsch, die Kritik ist vollkommen gerechtfertigt.
"Fakt ist außerdem, dass er in den Phasen, in denen er in der Nationalmannschaft spielen durfte, regelmäßig der beste deutsche Stürmer war, dann aber plötzlich ausgebootet wurde."
Das ist ein Faktum? Sagt wer? Sie? Ja, dann...
"Fakt ist, dass Torsten Frings auf seiner Position nach dem verletzten Simon Rolfes immer noch der beste deutsche Spieler ist."
s.o.
"Fakt ist, dass Löw das Leistungsprinzip predigt, aber nicht danach aufstellt. "
Da haben Sie recht, aber was soll ein Trainer auch sagen: "Ich stelle die auf von denen ICH mir den größtmöglichen Erfolg erhoffe. Die momentane Form meiner Wunschspieler ist nur eines von vielen Kriterien"? Ein Trainer, der sich so äußert, kann in der heutigen Mediengesellschaft eigentlich gleich seinen Hut nehmen. Der letzte, der sowas sagen durfe war Herberger. (Und der auch erst nach 1954)
"Ganz zu schweigen von der versuchten Abzocke anläßlich der Vertragsverhandlungen, mit der sie glücklicherweise gescheitert sind."
Ich kann hier keinerlei Abzocke erkennen. Es sind ganz normale Vertragsverhandlungen gewesen. Beide Seiten haben ihre Vorstellungen und man einigt sich...oder auch nicht. Eine unwürdige Rolle hat hier eher der DFB gespielt, der Informationen über die Verhandlungen in der Öffentlichkeit lanciert hat
"Fakt ist außerdem, dass er in den Phasen, in denen er in der Nationalmannschaft spielen durfte, regelmäßig der beste deutsche Stürmer war, dann aber plötzlich ausgebootet wurde."
Das ist ein Faktum? Sagt wer? Sie? Ja, dann...
"Fakt ist, dass Torsten Frings auf seiner Position nach dem verletzten Simon Rolfes immer noch der beste deutsche Spieler ist."
s.o.
"Fakt ist, dass Löw das Leistungsprinzip predigt, aber nicht danach aufstellt. "
Da haben Sie recht, aber was soll ein Trainer auch sagen: "Ich stelle die auf von denen ICH mir den größtmöglichen Erfolg erhoffe. Die momentane Form meiner Wunschspieler ist nur eines von vielen Kriterien"? Ein Trainer, der sich so äußert, kann in der heutigen Mediengesellschaft eigentlich gleich seinen Hut nehmen. Der letzte, der sowas sagen durfe war Herberger. (Und der auch erst nach 1954)
"Ganz zu schweigen von der versuchten Abzocke anläßlich der Vertragsverhandlungen, mit der sie glücklicherweise gescheitert sind."
Ich kann hier keinerlei Abzocke erkennen. Es sind ganz normale Vertragsverhandlungen gewesen. Beide Seiten haben ihre Vorstellungen und man einigt sich...oder auch nicht. Eine unwürdige Rolle hat hier eher der DFB gespielt, der Informationen über die Verhandlungen in der Öffentlichkeit lanciert hat
Genau so schaut's aus.
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