Moustafa-Gegner Jean Kaiser "Ich verstehe die Vereine nicht"
Der Luxemburger Handballehrenpräsident über den schlechten und erfolgreichen Stil Hassan Moustafas, dessen mutlose Kritiker und seine Ambitionen auf das Präsidentenamt.
ZEIT ONLINE: Sie verloren im Vorjahr deutlich die Wahl gegen Hassan Moustafa. Können Sie seinen Stil beschreiben? Was macht seinen Erfolg aus?
Jean Kaiser: Moustafa schüchtert ein und verängstigt, er macht Versprechungen aus taktischen Gründen, er kommt auf leisen Sohlen – das ist sein Stil. Doch er macht das geschickt, seine Gegner lassen sich von ihm über den Tisch ziehen. Seinen Gegnern fehlt auch der Mut, gegen ihn das Wort zu erheben. Zudem geriert sich Moustafa, als hätte er den Handball erfunden, als hätte er die Vereine und die Ligen erfunden.
ZEIT ONLINE: Nun sprechen Kritiker aus der EHF Moustafa in einem Brief die demokratische Gesinnung ab.
Kaiser: Im Endeffekt hab ich mit meinen Warnungen aus dem Jahr 2004 Recht behalten. Offenbar haben die Leute der EHF langsam begriffen, dass Moustafa sie in ihren Kompetenzen beschneiden will. Doch der Brief kommt mir naiv vor, er ist nicht giftig genug. Dass Moustafa alle Macht an sich reißen will, war seit Jahren absehbar. Besser spät als nie, könnte man sagen. Doch das hier ist später als spät. Es kommt nun darauf, dass die Europäer in Rom aggressiv auftreten. Und koordiniert handeln. Doch in beiden Punkten hege ich große Zweifel
ZEIT ONLINE: Moustafa hat sichere Stimmenmehrheiten durch Afrika, Asien und Südamerika. Was kann Europa tun?
Kaiser: Wo wird Weltklassehandball gespielt? Wo wird das Geld verdient? In den Ligen Europas. Wenn Deutschland, Frankreich und Spanien die WM boykottieren würden, hätte das eine enorme Wirkung. Mit wirtschaftlichen Konsequenzen für die IHF. Ich verstehe die Vereine nicht. Die lassen sich ihr Kapital, sprich: die Spieler, durch die unsinnigen Terminkalender vernichten. Dieses Spiel verlieren sie ohne Gegenwehr.
ZEIT ONLINE: Können Sie sich vorstellen, erneut gegen Moustafa anzutreten?
Kaiser: Ich schließe nichts aus. Ich würde aber auch jeden vernünftigen Gegenkandidaten unterstützen.
Jean Kaiser, 62, ist Ehrenpräsident des Luxemburger Handballverbands. Im Juni 2009 trat er gegen Hassan Moustafa an, doch unterlag deutlich. Kaiser nimmt an, in seinem Hotelzimmer von Moustafa abgehört worden zu sein. Auf der Tagung in Kairo wurde ihm das Mikrofon abgedreht. Die Fragen stellte Oliver Fritsch.
- Datum 08.04.2010 - 18:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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