Welthandballverband IHF Hassan Moustafa – Alleinherrscher ohne Konkurrent

Der Präsident des Welthandballs will alle Macht an sich reißen. Seine Kritiker verschärfen die Tonart, sie könnten aber doch zu schwach sein.

Hassan Moustafa (links) mit Tor Lian (Mitte) und dem ersten IHF-Vize Miguel Roca

Hassan Moustafa (links) mit Tor Lian (Mitte) und dem ersten IHF-Vize Miguel Roca

Die Liste der Skandale des Hassan Moustafa ist lang. In der Vergangenheit setzte der Präsident des Handballweltverbands IHF bestechliche Schiedsrichter ein, hielt Dopingkontrollen für "rausgeschmissenes Geld" und hatte mit der Schweizer Staatsanwaltschaft Kontakt, des Verdachts der Untreue wegen.

Nach dem neuesten Vorstoß des Ägypters könnte sich nun erstmals eine Art Opposition formiert haben. In einem Brief bezeichnet die Europäische Handballföderation (EHF) Moustafas Vorgehen als "Bedrohung für den Handball". Unterzeichnet haben der norwegische EHF-Präsident Tor Lian und Vize Jean Brihault aus Frankreich. Ein neuer Tonfall.

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Anstoß nehmen die Europäer an zwei Punkten: Erstens will Moustafa über sein IHF-Präsidentenamt hinaus noch deren Geschäftsführer, Finanzkontrolleur und Schatzmeister sowie Chef der IHF Marketing AG werden – "ein totaler Widerspruch zu dem Prinzip der Gewaltenteilung", wie es in dem Brief heißt. Zweitens plant Moustafa, den Kontinentalverbänden die Organisation der Qualifikationsturniere für Olympia und Weltmeisterschaften zu entreißen.

Für beide Anträge sucht Moustafa die Mehrheit auf einem außerordentlichen IHF-Kongress am 23. und 24. April in Rom. Mit guten Aussichten, denn auf die Stimmen des Rests der Handballwelt kann Moustafa sicher zählen.

Doch auch die Europäer formulierten Kritik an Moustafa in der Vergangenheit nur hinter vorgehaltener Hand. Und das obwohl die Politik der IHF, den Terminkalender bis zur Erschöpfung der Spieler auszureizen, zu Lasten der Spitzenvereine in den großen Ligen in Spanien, Frankreich und Deutschland geht. Bei Moustafas Wiederwahl im Vorjahr versuchten lediglich Vertreter aus der Schweiz und Luxemburg, Partei gegen ihn zu ergreifen. Bis Moustafa ihnen das Mikrofon abdrehte.

Moustafas jüngster Vorstoß dürfte eigentlich niemanden überraschen. Der Vorwurf der privaten Bereicherung begleitet Moustafa seit Jahren. Der Spiegel hat vor wenigen Wochen herausgefunden, dass sich Moustafa auf dem Kongress im chinesischen Nanjing im Dezember seine Jahresbezüge von umgerechnet gut 20.000 auf 350.000 Euro verfünfzehnfacht, zudem die Tagessätze von 170 auf 270 Euro erhöht hat. Auch seine vierzehn Mitstreiter im Kongress profitieren von dieser Aufstockung. Im Januar wurde ein geheimer Beratervertrag mit der Vermarktungsagentur Sportfive von 2007 öffentlich, der ihm rund 600.000 Euro eingebracht haben soll. Juristisch verbrieft ist, dass er 2007 in eine Schiedsrichtermanipulation verwickelt war – eine Gegenleistung für seinen Gönner, den kuwaitischen Scheich Ahmed Al Sabah.

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