Prächtige Stimmung im Team Anand
Die Ungarin Susan Polgar, eine der besten Schachspielerinnen der Welt, schreibt in ihrem Live-Blog: "Ich verstehe Anand hier nicht. Ist das häusliche Vorbereitung? Warum tauscht er die Dame und gibt Schwarz Raum, wenn er einen Bauern weniger hat? Ja, er hat noch einige Kompensation für den Bauern. Aber das kann es sicherlich nicht sein, auf das er bei seiner ersten Weißpartie gehofft hatte."
Noch drastischer meldet sich der englische Spitzenspieler Nigel Short mit einem Eintrag auf Polgars Blog zu Wort. Short hatte selbst schon versucht, Weltmeister zu werden: "Ich bin sprachlos. Das ist ein schockierend schlechter Zug. Weiß hat danach keinerlei Gewinnchancen mehr. Schwarz drohte nichts, warum also die Damen tauschen, die Bauernstellung ruinieren und Schwarz die Sache leicht machen? Und diese fragwürdige Entscheidung kam SEHR früh in der Partie."
Womit Short sagen will: Hat sich der Weltmeister nicht gut vorbereitet? Scheitert er in der zweiten Partie wie in der ersten, weil er sich im Dschungel der Möglichkeiten nicht genügend auskennt und seine Landkarten nichts taugen?
Ganz anders der deutschsprachige Blog der Internationalen Meister Stefan Löffler und Ilja Schneider, auf dem das Zurückschlagen mit dem Bauern ausdrücklich begrüßt wird: "Nur so. Der Springer bleibt aktiv, und die b-Linie wird geöffnet."
Seit dem Ende der Partie am Sonntagabend wogt die Diskussion auf allen Schachforen. Fest steht: Topalov kam aus dem Takt, Anand hat die Partie eindrucksvoll gewonnen, und sein sehr, sehr seltsames Damenabtausch-Doppelbauern-Manöver stand am Anfang der tiefgründigen Operation. Er manövrierte auf den offenen Linien mit seinen Türmen, eroberte die schwarzen Damenflügelbauern, und ausgerechnet der hintere, blockierte weiße a-Bauer machte am Ende das Rennen.
Vor dem Damenzug hatte Anand fast eine halbe Stunde überlegt; man wird sich bis zum Ende der WM gedulden müssen, um von ihm zu erfahren, was er sich dabei gedacht hat. Wollte er Topalov, dessen Computervorbereitung legendär ist, mit einem Zug, den kein Computer macht, aus dem Konzept bringen?
Im Team Anand, residierend im Sofioter Hilton Hotel, war die Stimmung am Montagnachmittag jedenfalls prächtig; das Team Topalov hielt sich bedeckt, der Manager war nicht zu sprechen. Die dritte Partie am Dienstag wird jetzt mit noch größerer Spannung erwartet.
- Datum 27.04.2010 - 08:58 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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In der Hitze des Ruhetags: Susan Polgar ist nicht die stärkste Schachspielerin der Welt, aber immerhin deren Schwester!
Susan, schöner noch Zsuzsanna, ist "eine der stärksten Schachspielerinnen" der Welt, sie war von 1996 bis 1999 sogar Weltmeisterin bei den Damen. Judit, ihre Schwester, spielt nur gegen Männer und setzt sie reihenweise Matt.
Ein grosses Lob an die Zeit, die mich mit sehr guten Artikeln zur Schachwm überraschte, vielen dank.
Ich verstehe nur noch Bahnhof.
Diese Damengeschichte bringt mich total durcheinander.
Wenn Schwarz das nicht gewinnt, schmeiße ich meine Schachbücher weg.
Wobei ich mir in solchen Faellen immer denke: ein Grossmeister wird schon wissen was er tut.
Und im Endeffekt hat Anand den Doppelmoppel zu einem Freibauern verwandelt. Bin echt gespannt ob das so geplant war.
Ich freu mich schon auf die naechste Partie!
Gelegentlich versuche ich auch, in meiner Betriebssport-Gruppe durch ungewöhnliche Züge die Gegner zu verunsichern. Aber trotz 20jähriger Übung (und einigen Lehrbüchern) gelingt es mir nicht und ich bleibe weiter am unteren Ende unserer Rangliste :-) Sicher arbeiten die Kollegen nicht mit Computern, sondern denken noch selber, und das macht den Unterschied.
Es imponiert mir, wenn ein Schachmeister einen so riskanten und ungewöhnlichen Zug macht und dann noch gewinnt. Große Klasse!
.. das ist so ne Sache. Judit Polgar als weltbeste Spielerin käme in der Männer-Weltrangliste auf Platz 52; die zweitbeste Spielerin der Welt, Humpy Koneru, um die Platz 200, und die drittbeste Yifan Hou schon weit jenseits der 500.
Nicht, daß Frauen die "schachliche Intelligenz" fehlen würde. Die Polgar-Schwestern beweisen das: wenn sich intelligente Menschen, ob Männer oder Frauen, sehr intensiv mit Schach beschäftigen, dann werden sie gute Spieler. Würden ebensoviele Frauen Schach mit derselben Intensität wie Männer erlernen und spielen, dann würden sie wahrscheinlich gleichziehen.
Nur tun intelligente Frauen das so selten, daß rein statistisch keine bessere Plazierung zu erwarten ist. Die Polgar-Schwestern wurden von ihrem Vater schon als Kleinkinder massiv beeinflußt.
Was sagt uns das? Vermiesen die Männer, die Gesellschaft den Mädchen das Schachspiel? Würe eine intensive Schachförderung für Mädchen für "Gleichberechtigung" sorgen?
Oder ist es einfach so, daß Mädchen aufgrund sich schlicht für abstrakte Strategiespiele nicht sonderlich interessieren? Die Indizien dafür sind nach meinem Dafürhalten überwältigend. Nicht die Gehirne unterscheiden Männer und Frauen, sondern Hormone - sie bestimmen, wie und für was diese Gehirne bevorzugt benutzt (!) werden. Schachspielen macht vielen Mädchen einfach keinen Spaß.
Genauso wie Ingenieurswissenschaften. Da hilft kein Gender mainstreaming. Höchstens - siehe Polgars - Druck auf die Mädchen.
...den Nagel auf den Kopf. Was die Beschaeftigung mit abstaktem Material angeht, gibt es sicher immer mal wieder Ausnahmen. Emmy Noether konnte sicher auch ganz gut in der "Maennerliga" mithalten. Vielleicht haben bei ihr aber wirklich die (maennlichen) Hormone einen gewissen Einfluss gehabt...
...den Nagel auf den Kopf. Was die Beschaeftigung mit abstaktem Material angeht, gibt es sicher immer mal wieder Ausnahmen. Emmy Noether konnte sicher auch ganz gut in der "Maennerliga" mithalten. Vielleicht haben bei ihr aber wirklich die (maennlichen) Hormone einen gewissen Einfluss gehabt...
...den Nagel auf den Kopf. Was die Beschaeftigung mit abstaktem Material angeht, gibt es sicher immer mal wieder Ausnahmen. Emmy Noether konnte sicher auch ganz gut in der "Maennerliga" mithalten. Vielleicht haben bei ihr aber wirklich die (maennlichen) Hormone einen gewissen Einfluss gehabt...
...fuer die Demonstration einer menschlichen Staerke ueber die Maschine: die Finte, der Hinterhalt. Damit hatten damals schon Deep Blue Schwierigkeiten. Interessante Frage: Laesst sich Hinterhalt auch programmieren?
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