Schach-WM in Sofia Topalov trickst – und verliert

Der indische Tiger zeigt seine Krallen: Viswanathan Anand gewinnt die zweite Partie der Schach-WM. Aus dem Militärklub in Sofia berichtet Ulrich Stock.

Der Bulgare Wesselin Topalov war seinem indischen Rivalen Viswanathan Anand in der zweiten Runde der Schach-WM in Bulgarien unterlegen. Schon 2006 trafen die beiden (Foto) aufeinander

Der Bulgare Wesselin Topalov war seinem indischen Rivalen Viswanathan Anand in der zweiten Runde der Schach-WM in Bulgarien unterlegen. Schon 2006 trafen die beiden (Foto) aufeinander

Besser hätte die zweite Runde dieser mit Spannung erwarteten Schachweltmeisterschaft nicht verlaufen können: Der Titelträger, Indiens Viswanathan Anand, der am Sonnabend gegen seinen Herausforderer Wesselin Topalov sang- und klanglos untergegangen war, schlug mit weltmeisterlicher Eleganz zurück.

Dieses Mal war das Spiel kein einseitiges Vergnügen – der Bulgare wurde nicht aus der Eröffnung heraus komplett überspielt, wie der Inder am Tag zuvor, sondern geriet durch eine Reihe unpräziser Züge in eine etwas beengte Position. Hier ging es nicht um hammerharte taktische Schläge, sondern um die Akkumulation kleiner Vorteile bis hin zum Gewinn.

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Die zweite Runde begann erstmals regulär um 15 Uhr Ortszeit, 14 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Schachfreunde in aller Welt verfolgten die Übertragung der Züge live auf der Homepage der Veranstaltung. In deutscher Sprache gibt es online Kommentare auf Chessbase oder im Schachwelt-Blog.

Gespielt wird im Militärklub im Herzen der Hauptstadt, nur wenige Schritte von der früheren königlichen Residenz und den bulgarischen Regierungsgebäuden. Der Ministerpräsident Boiko Borisov ist Chef des Organisationskomitees, so hoch hängt die Sache hier. Wesselin Topalov, 35, zählt seit Jahren zur Weltspitze im Schach – und es gibt kaum Sportarten, in denen das ein Bulgare von sich sagen kann. Auf heimischen Terrain will er nun die Krone holen und 1,2 Millionen Euro Preisgeld dazu. Für den Zweitplatzierten bleiben immerhin noch 800.000 Euro; es ist die höchstdotierte Schachweltmeisterschaft aller Zeiten.

Nun wird sein Gegenüber, der 40-jährige Anand, allerdings der Tiger von Madras genannt. Am Sonnabend hat er sich zahnlos harmlos vorführen lassen. Am Sonntag hat er seine Krallen gezeigt. Anand eröffnete mit der sogenannten Katalanischen Eröffnung, was auch insofern passte, als beide Matadoren in Spanien leben und auch Spanisch sprechen.

Katalanisch gilt unter Schachspielern als eine komplexe strategische Eröffnung, in der Weiß frühzeitig einen Bauern gibt und im Gegenzug einen leichten, aber dauerhaften Druck ausübt. Schwarz steht nicht so richtig schlecht, aber doch unangenehm. Diese Partie könnte als Musterbeispiel dafür in die Schachlehrbücher eingehen. Topalovs Figuren fanden erst nicht richtig ins Spiel, und sein Königsläufer verirrte sich tief im eigenen Damenflügel. Man muss Geduld haben, um sich aus solcher Position freizuwühlen. Wenn es dem Schwarzen gelingt, kann der Mehrbauer den Sieg bedeuten.

Leser-Kommentare
  1. Mehr solcher Artikel bitte!

    Gruss,
    pu

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    Ja, besser als ein sofortiger Bericht im Digital Ressort über ein Schach „App“.

    Hier der Link zu der PGN-Datei der zwei Spiele:

    http://www.chessbase.com/...

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  2. Ja, besser als ein sofortiger Bericht im Digital Ressort über ein Schach „App“.

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    Antwort auf "@ZeitOnline"
  3. Auch meine Bitte: Schreibt weiter über die Schach-WM! Die wird in den meisten Medien leider totgeschwiegen...

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