Champions League Das Melodram von José und Louis

Obwohl Mourinho bei van Gaal gelernt hat, lässt der Trainer von Inter Mailand sein Team ganz anderen Fußball spielen.

Es war an einem Weihnachtsabend, als José Mourinho sein ganz spezielles Erweckungserlebnis hatte. Der kleine José war erst neun, und die Familie saß gerade beim Essen, als sein Vater Felix am Telefon verlangt wurde. Es sollte kein freudiges Telefonat werden. Felix Mourinho erhielt die Nachricht, dass er wegen schlechter Ergebnisse als Trainer entlassen sei. An diesem Tag schwor sich sein Sohn, dass er es als Trainer einmal nach ganz oben schaffen werde.

Louis van Gaal war in einem ähnlichen Alter, als er die Faszination des Trainerjobs für sich entdeckte. Er wohnte damals mit seiner Familie in der Nähe des Ajax-Stadions im Amsterdamer Stadtteil Watergraafsmeer, und gelegentlich besuchte er mit seinen Kumpels das Training seines Lieblingsklubs. Doch während seine Freunde sich stets auf die Spieler fokussierten, beobachtete van Gaal vor allem den Trainer Rinus Michels. "Das war ein bisschen komisch", sagt er heute selbst. Aber wahrscheinlich folgte er einfach seiner Bestimmung.

Anzeige

Wenn der FC Bayern München und Inter Mailand heute im Finale der Champions League aufeinandertreffen, dann ist das auch das Duell zweier Trainer aus Leidenschaft. Man könnte sogar sagen: Dass diese beiden Mannschaften das wichtigste Finale des europäischen Fußballs bestreiten, liegt mit Sicherheit nicht an ihrer individuellen Qualität, sondern an der Arbeit ihrer Trainer. Der Sieger schreibt zudem Geschichte. Er ist nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld erst der dritte Trainer, der mit zwei verschiedenen Vereinen die Champions League gewinnt.

Die Öffentlichkeit durfte in den letzten Wochen ausgiebig teilhaben am Melodram von José und Louis, an der Geschichte ihrer ganz speziellen Beziehung. Von regem SMS-Verkehr zwischen Mailand und München war mehrfach die Rede, von einer tiefen Zuneigung, die offenbar beide füreinander empfinden. „Mein Freund José Mourinho“, so nennt der Holländer den Portugiesen, der wiederum behauptet: "Ich liebe van Gaal."

Kennengelernt haben sie sich Ende der Neunziger, als van Gaal von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona wechselte. Er sollte bei den Katalanen eigentlich zunächst Sportdirektor werden, Barças Präsident aber entschloss sich kurzfristig, den Holländer zum Trainer zu machen und dafür Bobby Robson zum Scout zu degradieren. Mourinho, der vom Dolmetscher zum Assistenten des Engländers aufgestiegen war, verwandte sich für seinen bisherigen Chef. "Robson muss bleiben", forderte der Portugiese. Diese Haltung gefiel van Gaal. Er machte Mourinho zu seinem Assistenten. 

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service