Zweitliga-Abstieg Im Rostocker Fanblock fliegen keine Fische mehr

Hansa Rostock wird in die Dritte Liga durchgereicht. Der Verein hat alles für einen selbstverschuldeten Absturz getan, kommentiert Robert Ide.

Enrico Kern betrauert den Abstieg in die Dritte Liga. Für Hansa Rostock brechen schwere Zeiten an.

Enrico Kern betrauert den Abstieg in die Dritte Liga. Für Hansa Rostock brechen schwere Zeiten an.

So groß kann sich ein Verein machen. Hansa Rostock, in der DDR erst entstanden durch den staatlich verordneten Umzug einer Mannschaft aus dem Gebirge an die Küste und auferstanden durch den Bau des Ostseestadions mit den bloßen Händen Tausender Menschen, fiel in der DDR nicht groß auf – höchstens damit, dass Fans nach wichtigen Toren vor Freude Fische auf den Rasen warfen. Sportlich erhob sich der Oberligist erst mit dem Ende des Staates, in dem sich vor allem der offizielle Dynamo zu drehen hatte. Hansa wurde letzter Meister einer untergehenden Welt und stieg unversehens in die Fußball-Bundesliga auf.

Nach einigen Spielzeiten zwischen den Spielklassen hielt Hansa zwischen 1995 und 2005 zehn Jahre lang ganz oben mit – mit charismatischen Trainern wie Frank Pagelsdorf, mit sparsamer Haushaltsführung, mit konsequent gebremstem Wachstum, das im Bau einer modernen, aber keineswegs großkotzigen Arena mündete. Währenddessen gingen die alten Dynamos in Dresden und Berlin sowie der in Feindschaften gefangene Fußball in Leipzig fast zugrunde an Schiebergeschäften, Fankrawallen und Führungshybris. Der erdige FC Hansa wurde zum fußballerischen Selbstbewusstseins-Symbol Ostdeutschlands.

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So klein kann sich ein Verein machen. Hansa Rostock, im vereinten Deutschland aufgestiegen zur geachteten Marke, verfiel nach dem sportlichen Abstieg in die Zweite Liga in Panik. Immer neue Trainer nahmen auf der Bank Platz, Vorstand und Management fielen mit chaotischen Entscheidungen auf, Machtkämpfe zeigten Vereinsgremien in Selbstauflösung. Und im Rostocker Fanblock flogen keine Fische mehr, sondern immer öfter Fäuste. Der einst so stolze Klub tat wirklich alles für einen selbst verschuldeten Absturz. Von nun an spielt der FC Hansa, der sich auch wegen regelmäßiger Randale des großen Fußballs nicht mehr als würdig erwiesen hat, in Liga drei.

Hansa Rostock ist zum Abbild der alten Dynamos geworden, von denen sich der Klub nach dem Umbruch so wohltuend abgesetzt hatte. Ein Menetekel für den ostdeutschen Fußball ist dieser Abstieg sicherlich nicht (in Berlin wächst Union, im Erzgebirge überrascht Aue). Aber er ist ein Symbol für den Größenwahn eines Vereins aus kleinen Verhältnissen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. ...eines Vereins aus kleinen Verhältnissen." Wie Bitte?!

    Bis auf den Schlusssatz geht der Artikel ja voll in Ordnung, aber der musste dann doch wirklich nicht sein! Jetzt wo Hansa am Boden liegt auch noch nachtreten... Ganz schlechter Stil!

    • YaX
    • 19.05.2010 um 15:37 Uhr

    ... komisch, diesen Satz am Ende fand ich beim durchlesen irgendwie auch unpassend, zumal er gar nicht so richtig sinnvoll scheint.
    Gerade diese Panikentscheidungen lassen für mich keinen "Größenwahn" erkennen!?

    • amras
    • 20.05.2010 um 13:23 Uhr

    "Von nun an spielt der FC Hansa, ..., in Liga drei."

    Abwarten. Mit 10 Mio Euro Schulden und ohne Spielerverkäufe (kaum ein Vertrag gilt für die 3. Liga) wird es schwer dei Lizenz zu bekommen. Und noch schwerer in der ruinösen 3.Liga zu überleben...

    "in Berlin wächst Union, im Erzgebirge überrascht Aue"

    Auch hier: abwarten. Union wird es auf Dauer schwer haben, wenn Hertha es wieder in die Bundesliga schafft und sämtliche - ohnehin sehr raren - lokalen Berliner Sponsoren anzieht.

    Und Aue, samt Umfeld hat auf Dauer nicht die wirtschaftliche Potenz um mit den anderen DFL-Vereinen mitzuhalten. Besonders nicht, wenn der Chemnitzer FC endlich den Aufstieg in die 3.Liga schafft und somit dem FCE ein großer Konkurrent um die spärlichen wirtschaftlichen Ressourcen der Gegend vor der eigenen Haustür erwächst.

    Für ein paar Jahre kann das in Liga 2 oder gar 1 (immer mal wieder) gutgehen - wenn man gut wirtschaftet und sich Glück und Kompetenz bei der Kaderzusammenstellung zusammengesellen. Doch auf Dauer ist gegen die geballte Wirtschaftsmacht der großen (west-)deutschen Vereine - inkl. Hertha - kein Ankommen...

    Mit Ausnahme vlt. von Red Bull Leipzig...

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