ZEIT ONLINE: Herr Päffgen, Kevin-Prince Boateng, den Sie beraten, ist nach dem WM-Aus von Michael Ballack der Buhmann der Nation. Wie beurteilen Sie die folgenschwere Aktion?

Päffgen: Selbstverständlich ist es ein Foul gewesen, vergleichbar in etwa mit dem von Herrn Ribéry. Ein Foul, wie es im Fußball nun einmal passiert. Aber es ist natürlich eine absolute Tragödie für Herrn Ballack. Die eigentliche Frage lautet doch: War Vorsatz im Spiel? Meine Meinung ist: Nein, man kann Kevin genauso wenig wie Herrn Ribery einen Vorsatz unterstellen. Es passierte bei einem englischen Cup-Finale. Jeder, der auf dem Platz steht, will das gewinnen und kämpft dafür. Nach dem Foul dachte Kevin sofort, hoffentlich hat der Michael Ballack keine schwere Verletzung. Und er wusste, als Michael Ballack liegen blieb, dass das ein richtiger Spießrutenlauf werden könnte.

ZEIT ONLINE: Die Medien stürzen sich in der Tat auf das Thema.

Päffgen: Dies ist der Wahnsinn. Es liegen derzeit 146 Interview-Anfragen für Kevin vor. Das kann er natürlich nicht bewältigen.

  ZEIT ONLINE: Was haben Sie ihm geraten, wie er sich verhalten soll?

Päffgen: Ich habe ihm geraten, er soll in die Offensive gehen. Kevin hat sich ja tatsächlich gleich entschuldigt, auch in der Öffentlichkeit. Noch auf dem Platz ist er mehrmals zu Michael Ballack hingegangen. Es ist nicht meine Absicht, den Täter zum Opfer zu machen. Aber der Kevin ist absolut niedergeschlagen. Dies beobachtete ich schon nach der Auswechslung von Michael Ballack. Normalerweise ist Kevin ein sicherer Elfmeterschütze. Aber er war irgendwie abwesend und hat deshalb den Elfer in der zweiten Halbzeit verschossen. Danach hatte Avram Grant ein Einsehen und hat Kevin aus dem Spiel genommen.

ZEIT ONLINE: Die Kung-Fu-Einlage gegen Hasebe, der tritt auf Kloses Fuß und jetzt die Verletzung von Michael Ballack – es war nicht das erste schwere Foul von Kevin-Prince Boateng.

Päffgen: Das sind drei Aktionen in drei Jahren, die aber in den Köpfen der Leute hängen bleiben. Warum? Weil einige Journalisten Kevin in die Badboy-Schublade gesteckt haben. Es wird leider mit zweierlei Maß gemessen. Von Oliver Kahn, vor dem ich Hochachtung habe, gibt es auch mehrere Attacken. Aber anders als bei Kevin-Prince Boateng wird auf den nicht immer wieder zurückgegriffen. Kevin ist nicht der böse Junge, als der er immer dargestellt wird. Er ist im Grunde ein sehr sensibler Mensch. Ich habe gerade ein Interview mit Karsten Heine, Kevins früherem Trainer, gelesen. Der hat gesagt, dass sich Kevin nie etwas zuschulden hat kommen lassen und er nichts Negatives über ihn sagen kann.

ZEIT ONLINE: Kevin-Prince Boateng trifft mit Ghana im letzten Gruppenspiel auf Deutschland. Angesichts der Vorgeschichte wird der Druck auf seinen Schultern gewaltig sein.

Päffgen: Das ist anzunehmen. Aber damit muss er als Profifußballer fertig werden. Es ist wirklich bitter. Kevin war vor dem Cup-Final sowohl sportlich als auch medial auf einem sehr guten Weg. Trainergrößen wie Wenger, Benitez oder Ferguson haben ihm ein unwahrscheinliches Potenzial als Fußballer attestiert. Und jetzt redet man in Deutschland nur noch von diesem Foul.

Die Fragen stellte Roland Wiedemann