Kevin-Prince Boateng : "Kevin ist im Grunde ein sehr sensibler Mensch"

Boateng ist nicht der böse Junge, sagt sein Berater Tony Päffgen. Im Interview spricht er über die Schuldgefühle seines Schützlings nach dem Tritt gegen Ballack.
Ein niedergeschlagener Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale. © Laurence Griffiths/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Päffgen, Kevin-Prince Boateng, den Sie beraten, ist nach dem WM-Aus von Michael Ballack der Buhmann der Nation. Wie beurteilen Sie die folgenschwere Aktion?

Päffgen: Selbstverständlich ist es ein Foul gewesen, vergleichbar in etwa mit dem von Herrn Ribéry. Ein Foul, wie es im Fußball nun einmal passiert. Aber es ist natürlich eine absolute Tragödie für Herrn Ballack. Die eigentliche Frage lautet doch: War Vorsatz im Spiel? Meine Meinung ist: Nein, man kann Kevin genauso wenig wie Herrn Ribery einen Vorsatz unterstellen. Es passierte bei einem englischen Cup-Finale. Jeder, der auf dem Platz steht, will das gewinnen und kämpft dafür. Nach dem Foul dachte Kevin sofort, hoffentlich hat der Michael Ballack keine schwere Verletzung. Und er wusste, als Michael Ballack liegen blieb, dass das ein richtiger Spießrutenlauf werden könnte.

ZEIT ONLINE: Die Medien stürzen sich in der Tat auf das Thema.

Päffgen: Dies ist der Wahnsinn. Es liegen derzeit 146 Interview-Anfragen für Kevin vor. Das kann er natürlich nicht bewältigen.

  ZEIT ONLINE: Was haben Sie ihm geraten, wie er sich verhalten soll?

Päffgen: Ich habe ihm geraten, er soll in die Offensive gehen. Kevin hat sich ja tatsächlich gleich entschuldigt, auch in der Öffentlichkeit. Noch auf dem Platz ist er mehrmals zu Michael Ballack hingegangen. Es ist nicht meine Absicht, den Täter zum Opfer zu machen. Aber der Kevin ist absolut niedergeschlagen. Dies beobachtete ich schon nach der Auswechslung von Michael Ballack. Normalerweise ist Kevin ein sicherer Elfmeterschütze. Aber er war irgendwie abwesend und hat deshalb den Elfer in der zweiten Halbzeit verschossen. Danach hatte Avram Grant ein Einsehen und hat Kevin aus dem Spiel genommen.

ZEIT ONLINE: Die Kung-Fu-Einlage gegen Hasebe, der tritt auf Kloses Fuß und jetzt die Verletzung von Michael Ballack – es war nicht das erste schwere Foul von Kevin-Prince Boateng.

Päffgen: Das sind drei Aktionen in drei Jahren, die aber in den Köpfen der Leute hängen bleiben. Warum? Weil einige Journalisten Kevin in die Badboy-Schublade gesteckt haben. Es wird leider mit zweierlei Maß gemessen. Von Oliver Kahn, vor dem ich Hochachtung habe, gibt es auch mehrere Attacken. Aber anders als bei Kevin-Prince Boateng wird auf den nicht immer wieder zurückgegriffen. Kevin ist nicht der böse Junge, als der er immer dargestellt wird. Er ist im Grunde ein sehr sensibler Mensch. Ich habe gerade ein Interview mit Karsten Heine, Kevins früherem Trainer, gelesen. Der hat gesagt, dass sich Kevin nie etwas zuschulden hat kommen lassen und er nichts Negatives über ihn sagen kann.

ZEIT ONLINE: Kevin-Prince Boateng trifft mit Ghana im letzten Gruppenspiel auf Deutschland. Angesichts der Vorgeschichte wird der Druck auf seinen Schultern gewaltig sein.

Päffgen: Das ist anzunehmen. Aber damit muss er als Profifußballer fertig werden. Es ist wirklich bitter. Kevin war vor dem Cup-Final sowohl sportlich als auch medial auf einem sehr guten Weg. Trainergrößen wie Wenger, Benitez oder Ferguson haben ihm ein unwahrscheinliches Potenzial als Fußballer attestiert. Und jetzt redet man in Deutschland nur noch von diesem Foul.

Die Fragen stellte Roland Wiedemann

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Oliver Kahn - Kevin Prince Boateng

Warum haben vor Kahn alle Hochachtung und bei Boateng wird nur über das Foul geredet? Weil Kahn sich seine Hochachtung verdient hat. Er war ein weltklasse Torhüter, der auch so in Erinnerung bleibt. Dennoch sind auch seine Fehlgriffe nicht vergessen. Bei Boateng kommt die aktualität hinzu. Das Foul ist erst ein paar Tage her und die Folgen für die "Fußballnation" ungeleich schwerer. Herr Päffgen hat schon irgendwo recht, dass sich jetzt alle auf Boateng stürzen um ihn moralische an den Pranger zu stellen. Aber auch zu jedem anderen Fußballer, der sich ähnliches leistet werden die Skandalgeschichten aus vergangenen Tagen ausgegraben, wenn es sich anbietet. Boateng steht damit nicht alleine.

Die Aufgabe eines Beraters...

ist es, seinen Schützling zu verkaufen. Das versucht Herr Päffgen hier, indem er mit Worten wie "sensibel" oder "lieb" versucht, das Image von Boateng wieder aufzupolieren.

Der Informationsgehalt des Artikels ist insofern vergleichbar mit der Rede eines Tupperware-Verkäufers.

Wie auch im aktuellen Dossier

wird Boateng hier als sensibler, einfühlsamer und eigentlich gutmütiger Kerl beschrieben. Ich rechne es der ZEIT in gewissem Maße an, dass sie auf dem gewohnten Niveau bleibt, bei der Hetze nicht mitmacht und wenigstens den Versuch startet, eine Darstellung zu erreichen die Boateng nicht zum Schlagring-schwingenden Rummelboxer erklärt.

Die Sache mit Ballack ist schlecht gelaufen und ich bin nach wie vor der Meinung, dass Boateng da eine gewisse Revanche im Sinn hatte, als er so brutal reingrätschte.
Deshalb und auch weil es ausgerechnet den von Fußballdeutschland so hoch geschätzten Ballack getroffen hat, kochen die Emotionen besonders hoch.

Aber meiner Meinung nach wird eine differenzierte Betrachtung dabei (absichtlich oder nicht) außer Acht gelassen. Ballack hat im Vorfeld des Fouls Boateng geohrfeigt. Eine klare Tätlichkeit, für die ein Spieler, egal wie er heisst, vom Platz gestellt werden müsste.Und zwar mit einer roten Karte.
Hätte der Schiedsrichter, der auch nach dem Foul an Boateng ja ebenfalls nur Gelb zückte (selbst der Berater bringt den Vergleich zu Ribery. Der bekam Rot und 3 Spiele Sperre.), Ballack zu diesem Zeitpunkt vom Platz gestellt, wäre nichts weiter passiert.

Dass jemand wie Boateng, der aus der Panke kommt, so eine Respektlosigkeit seitens Ballack nicht einfach so wegstecken kann (und will) dürfte jedem klar sein. Wie hiess es im Artikel, auf der Panke herrsche gegenseitiger Respekt.Im Profifußball leider nicht immer.Auch dank "englischer Härte".

Schlechter Vergleich

Der Vergleich von K-P Boateng zu Oliver Kahn ist absolut falsch. Blenden wir mal die Leistung eines O.Kahns aus, er hat noch nie einen Spieler vorsätzlich (ich denke davon können wir in diesem Fall fast schon sprechen)kaputt getreten oder schwer verletzt.

Und an dem so berühmt berüchtigten "Bad Boy Image" ist Herr Boateng alleine schuld. Er hat sich jahrelang als solch einer präsentiert und dieses Image gepflegt.