Handball Eine Meisterschaft mit Makeln und Kratzern

Nach der Niederlage trauert der HSV der großen Chance nach, Serienmeister Kiel zu schlagen. Dieser aber fürchtet Enthüllungen durch einen Strafprozess.

Enttäuscht: HSV-Trainer Martin Schwalb

Enttäuscht: HSV-Trainer Martin Schwalb

Nach der Heimniederlage gegen Kiel (31:33) – dem vermutlichen Aus im Meisterrennen – stand Martin Schwalb vor einer Runde von Journalisten und gab sich gelassen. "Wir haben 28 von 32 Spielen gewonnen", sagte der Trainer des HSV Hamburg. "Soll ich nach dieser tollen Saison enttäuscht sein?" Schwalb suchte nach einem Kopfschütteln. Vergeblich, denn viele Hamburger Journalisten empfanden das als Schönrednerei.

Schwalb verfügt über eine sehr teure Mannschaft, war mit ihr seit Ende Dezember Tabellenführer, und die Chance, den Serienmeister Kiel hinter sich zu lassen, war in dieser Saison so gut wie nie. Angeschlagen durch die Folgen der Bestechungsvorwürfe gegen den inzwischen entlassenen Manager Uwe Schwenker, war der THW nicht ganz so stark wie in den Jahren zuvor.  Ein Hamburger Sieg wäre eine Wachablösung gewesen, sehr enttäuscht schlichen die Hamburger Nationalspieler um Pascal Hens, Torsten Jansen, Guillaume Gille und Johannes Bitter von der Platte.

Anzeige

Andererseits kann Schwalb Erfolge vorweisen: Der HSV hat den Pokal gewonnen, das Rennen gegen den großen THW ungewöhnlich lange offen gehalten, alles in allem tollen Handball gespielt. Im "Endspiel" gegen Kiel betrieben beide Teams vor mehr als 13.000 Zuschauern und einem großen Fernsehpublikum beste Werbung für ihren Sport. Schwalbs Mannschaft war Teil davon, wenn auch der etwas schwächere.

Gespannt war man auf die Reaktion des erfolgshungrigen Präsidenten und Mäzens Andreas Rudolph, den man Schwalb gegenüber nicht für nibelungentreu hält. Als sich die Niederlage abzeichnete, hatte Rudolph die Halle verlassen. Inzwischen hat Rudolph jedoch angekündigt, Schwalb weiter zu beschäftigen.

Vielleicht kommt es ja noch ganz anders, schließlich sind noch zwei Spiele zu absolvieren. Doch dass Kiel eins davon verlieren sollte, ist unwahrscheinlich. Im Handball gewinnen die Favoriten fast immer. Ohnehin würde Rudolph diese Meisterschaft als makelbehaftet einstufen. Denn es tut den Hamburgern sehr weh, Kiel wie schon in der Vergangenheit erneut unterlegen zu sein. Besonders Rudolph, der viel Privatgeld investiert hat.

Auf der anderen Seite könnte auch Kiels Titelgewinn einen Kratzer bekommen. Demnächst wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie den Prozess gegen Schwenker wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue eröffnet. Experten gehen davon aus, dass dabei vieles über dubiose Gepflogenheiten beim THW und generell im Handball ans Licht kommen wird.

 
Leser-Kommentare
  1. Unterlassen Sie pauschale Angriffe auf die Redakteure und belegen Sie ihre Meinung gründlicher. Danke, die Redaktion / mh

  2. Bei Fragen, Kritiken oder Anmerkungen zur Moderation wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion / mh

  3. Die in der Tat Merkwürdigkeiten kamen in der letzten Saison an's Licht der (Presse-)Öffentlichkeit. Vieles wurde vermutet, kaum etwas bestätigt oder widerlegt. Davon unberührt hat die Mannschaft des THW in der Saison 08/09 Weltklassehandball gespielt, was alle Unterlegenen ungefragt bestätigt haben. Sie haben nicht gewonnen, weil Schiedsrichter betrogen hätten, sondern weil sie unbestritten besser gespielt haben.
    In dieser Saison ist die Überlegenheit nicht etwa deshalb etwas geringer, weil nun diese Vorwürfe im Raume stehen, wovon die ZEIT wohl ausgeht, sondern weil der Welthandballer des Jahres 2008 Nikola Karabatic, der kaum schwächere Vid Kavticnik sowie der langjährige Kapitän Stefan Lövgren nicht mehr beim THW spielen. Trotzdem wird es wohl noch zur deutschen Meisterschaft reichen.
    Den Unterschied zwischen dem HSV Hamburg und dem THW konnte man bei ihrem Auftritt bei der zur Zeit wohl besten Mannschaft Europas Ciudad Real sehen: Der HSV Hamburg ging dort desaströs unter, der THW schlug die Spanier überzeugend.

  4. Noch ist der THW Kiel ja nicht Meister, dazu müssen erst noch zwei Spiele gewonnen werden. Aber ich kann mich ihrer Einschätzung, dass diese evtl. Meisterschaft durch den Ausgang in der sogenannten 'Manipulationsaffäre' Kratzer bekommen würde, überhaupt nicht anschliessen.
    Sollte der Ausgang negativ für den THW ausfallen, hätte das mit der Saison 2007 zu tun und nichts mit dieser Saison.
    Von daher könnte ein Titelgewinn 2010 auch keinen Kratzer bekommen, höchstens der Ruf des Vereins! Ich finde, das sollte man, auch den Spielern zuliebe, schon noch fair unterscheiden!

  5. Warum verweisen Sie bei Kritiken an der Redaktion auf die community-mailß Wenn man hinschreibt erhält man keine Antwort. Schwaches Bild.

  6. Mich freut es ja schon, dass überhaupt ein Artikel über Handball erscheint. Wie oben in den Kommentaren schon geschrieben, hat die Leistung der Kieler Mannschaft nichts mit den Manipulationsvorwürfen zu tun. Wenn drei Spieler aus der Startsieben den Verein verlassen (man stelle sich vor, die Bayern würden Ribery, Robben, van Bommel, Schweinsteiger und Lahm), ist es überhaupt ein Wunder, dass man in der kommenden Saison Meister wird. Dazu waren Leistungsträger wie Narcisse oder Ilic lange verletzt, und brauchten dementsprechend lange, um wieder auf ihr altes Leistungsniveau zurückzukehren.

    Und ja, es ist Schönrederei von Schwalb. Wenn man nun schon seit Jahren Millionen für neue Spieler ausgibt, mit dem Ziel Deutscher Meister zu werden und es dann nicht mal schafft, im Jahr 1 nach dem großen Umbruch des Hauptkonkurrenten, dann ist das ganz klar ein Scheitern. Seit 2006 konnte man überhaupt erst drei Titel sammeln, die allesamt das Prädikat "Nett, aber nicht der große Wurf" tragen. Kiel hat in der gleichen Zeit neun Triumphe feiern können.

    Niemand, nicht mal beim HSV, hat die Hoffnung, dass es in den nächsten Jahren möglich ist, am Ende der Saison vor Kiel zu stehen. Die Kieler Mannschaft wird sich noch besser zusammen gefunden haben und Palmarsson wird individuell einen großen Sprung machen.

  7. Da sollte die Redaktion aber besser informiert sein: "Demnächst wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie den Prozess gegen Schwenker wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue eröffnet." Wenn man schon den ganzen Kram zum 1000. mal aufwärmt, auch wenn das Thema überhaupt nichts mit der Nachricht zu tun hat, dann sollte man jedenfalls wissen, dass die Prozesseröffnung nicht von der Staatsanwaltschaft entschieden wird - diese hat ja die Anklage schon eingereicht - sondern vom Gericht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service