Mein WM-Erlebnis: 1954 Horst Eckel: Ich spielte nie Foul

Im Endspiel musste ich gegen Hidegkuti spielen. Damals vielleicht einer der besten Spieler der Welt. Später wurden wir Freunde. Horst Eckel erinnert sich.

Horst Eckel (r.) und Deutschlands Kapitän Fritz Walter werden nach dem WM-Triumph auf den Schultern der Fans getragen

Horst Eckel (r.) und Deutschlands Kapitän Fritz Walter werden nach dem WM-Triumph auf den Schultern der Fans getragen

Als jüngster Spieler der deutschen Mannschaft musste ich im Endspiel gegen Nandor Hidegkuti spielen. Trainer Sepp Herberger sagte es mir kurz vor dem Spiel. Hidegkuti war damals der beste Mittelstürmer der Ungarn, vielleicht einer der besten Spieler der Welt. Gemeinsam mit Ferenc Puskas bildete er den gefährlichen Sturm der Ungarn. Die Beiden haben in fast jedem Spiel ein Tor geschossen. Hidegkuti war ein ähnlicher Spielertyp wie Fritz Walter. Er hat Verantwortung übernommen und war der Taktgeber des Spiels. Er hat zwar weniger Tore geschossen als Puskas, war aber sehr wichtig für die Ungarn. Trotz seiner Ausnahmestellung war er überhaupt nicht arrogant. Ich habe ihn als netten und fairen Sportsmann kennen gelernt.

Horst Eckel

Horst Eckel, 78, war Mitglied der Nationalmannschaft, die 1954 den ersten von bislang drei deutschen Weltmeistertiteln gewann. Er bestritt 38 Länderspiele. Mit Kaiserslautern wurde er 1951 und 1953 Deutscher Meister. Für den Film "Das Wunder von Bern" von Regisseur Sönke Wortmann war Eckel fachlicher Berater. 2004 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

Im Gegensatz zu Hidegkuti war ich ein junger Mann, gerade 20 Jahre alt geworden und noch unerfahren. Als ich von meiner Aufgabe hörte, musste ich mich nur kurz schütteln. Dann bereitete ich mich vor. Herberger erklärte mir seine Stärken und Schwächen: Hidegkuti kommt aus der Tiefe, stellt so schnell eine Überzahlsituation her und ist torgefährlich.

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Unser Spielsystem war damals ganz anders als heute. Das WM-System bestand aus zwei Verteidigern, drei Läufern und fünf Stürmern. Als Läufer musste ich Hidegkuti nach hinten drängen, so konnte ich den Angriff der Ungarn gut unterbinden. Das System der Ungarn war komisch, so würde heute keine Verein mehr spielen. Damals waren sie die einzige Mannschaft, die so gespielt hat. Aber sie waren damit lange Zeit erfolgreich. Zwei Jahre lang haben sie nicht verloren.

Im Finale spielte ich meine Stärken aus: Ich war immer schneller, wendiger und meistens lief ich Hidegkuti die Bälle geschickt ab. Ich spielte nie Foul. Aber natürlich kann man bei solchen Spielern nie wissen: Er hätte in der letzten Minute auch ein Tor schießen können. In der ersten Halbzeit traf er zum Glück nur den Pfosten.

Mein WM-Erlebnis
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Sepp Herberger sagte nach dem Spiel, dass ich "schon ganz gut" gespielt habe. Wenn der Trainer das sagte, war das ein großes Kompliment. Ich konnte Hidegkuti zwar nicht 90 Minuten ausschalten, doch ich war immer nah an ihm dran und im gesamten Spiel schoss er kein Tor.

Trotz eines 0:2-Rückstandes gewannen wir noch 3:2. Als Helmut Rahn in der zweiten Halbzeit 18 Meter vor dem Tor stand, wusste ich, dass er den Ball rein macht. Ich ging mit nach vorne und habe genau gesehen, wie der Ball ins Tor zischte. Bis zum Schlusspfiff mussten wir noch bange Minuten überstehen. Doch dann waren wir Weltmeister.

Nach dem Spiel hörten Hidegkuti und ich nichts mehr voneinander. Erst nach zehn Jahren sahen wir uns wieder. Später fuhr ich dann regelmäßig nach Ungarn, und er hat mich in Deutschland besucht. Im Laufe der Zeit ist eine echte Freundschaft zwischen uns entstanden.

Aufgezeichnet von Christoph Heymann

Von 1954-2006: In "Mein WM-Erlebnis" berichten frühere und aktuelle Fußball-Größen über ihr ganz persönliches Erlebnis während einer Weltmeisterschaft.

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