Ghana–Australien Ohne Kampfsäue gewinnt man nicht
Unser Pate Matthias Bossaller hat sich von Australien viel mehr Härte erhofft. Für das nächste Spiel empfiehlt er AC/DC zur Vorbereitung.
© Robert Cianflone/Getty Images Sport

Kein AC/DC, keine Härte – die "Socceroos" nach dem Remis gegen Ghana
Während Australiens größter Exportschlager AC/DC auf deutschen Konzertbühnen einen Siegeszug feiert, geht den australischen Kickern in Südafrika die Luft aus. Nach dem 1:1 gegen Ghana wird das Team von Trainer Pim Verbeek nach dem letzten Gruppenspiel gegen Serbien wohl abreisen müssen. Vor vier Jahren überraschten die "Socceroos" bei der WM in Deutschland noch als Achtelfinalist, der unglücklich gegen den späteren Weltmeister Italien ausschied.
Statt Karten zu zocken oder ein Buch auf der Busfahrt zum Stadion zu lesen, hätten sich die Männer vom fünften Kontinent lieber die Kopfhörer über die Ohren stülpen, den Lautsprecherregler aufdrehen und eine amtliche Dröhnung If you want blood oder T.N.T. verpassen sollen. Das wäre der richtige Sound gewesen, um sich in Kampfesstimmung zu bringen. Denn: Nur ein Sieg hätte die Chancen auf das Achtelfinale erhöht.

Matthias Bossaller ist Sportredakteur für ZEIT ONLINE, zu Australien-Spielen trägt er wechselnde Schuluniformen.
Doch was passierte in Rustenburg? Nach gutem Beginn trabten sie wie Konfirmanden über den Platz, ohne Mumm und Ideen. Von der viel gerühmten Zweikampfhärte keine Spur, die Ghanaer erfreuten sich großer Bewegungsfreiheit. Nice boys don't play rock'n'roll wussten schon Rose Tattoo, nach AC/DC die zweitbeste hart rockende Band aus "Down Under". Auf Fußball übertragen: Ohne Kampfsäue gewinnt man kein Fußballspiel. Erst weit in der zweiten Hälfte legten die australischen Spieler ihre Zurückhaltung ab, hätten mit ein bisschen Glück die Partie sogar gewinnen können.
Dabei begann die Partie nach ihrem Geschmack: Die frühe Führung durch Brett Holman, begünstigt durch einen schweren Fehler von Ghanas Torwart Richard Kingson, bedeutete die perfekte Voraussetzung für das Spiel, das sie so lieben: nach vorne nur das Notwendigste tun, die Abwehr abriegeln und kurz vor Schluss mit einem Konter für die Entscheidung sorgen.
Ghana ließ sich darauf aber nicht ein, kombinierte flüssig nach vorne und brachte die hüftsteife Altherrenabwehr um den Ex-Gladbacher Craig Moore und Lucas Neill ins Wanken. Das Vorspiel zum Ausgleich in der 25. Minute offenbarte naivstes Abwehrverhalten. André Ayew düpierte zwei Australier, passte auf John Mensah zurück, dessen Schuss Harry Kewell nach Ansicht des italienischen Schiedsrichters Rosetti mit der Hand abwehrte. Der frühere Spieler des FC Liverpool sah Rot, und Asamoah Gyan verwandelte den Elfmeter sicher.
Wie schon gegen Deutschland, als Tim Cahill vom Platz flog, musste Australien mit einem Spieler weniger auskommen. Immerhin verhinderte Torwart Mark Schwarzer mit einer famosen Parade gegen den früheren Herthaner Kevin Prince Boateng kurz vor der Halbzeit den vorzeitigen Knock-Out seiner Mannschaft.
Nach der Pause trugen die zehn Australier zunächst nicht dazu bei, die Laune ihres Paten aufzuhellen. Der Schlips der Angus-Young-Schuluniform musste gelockert werden, so dick war der Hals. Stümperhaftes Angriffsspiel und wiederholte Nachlässigkeiten in der Abwehr standen dem so notwendigen Sieg ein ums andere Mal im Weg.
Doch plötzlich tauchte in der 72. Minute Luke Wilkshire völlig frei vor Keeper Kingson auf und scheiterte. Das wäre es fast gewesen: schlecht gespielt und dennoch gewonnen. Wenig später wühlte noch der eingewechselte Joshua Kennedy im Strafraum der Ghanaer. Doch wie von ihm gewohnt, fand auch der frühere Bundesligaspieler nicht den Weg ins Tor.
In Australien werden sich die Menschen nun wieder Sportarten wie Rugby und Australian Football zuwenden. Aber vielleicht nutzen die "Socceroos" ihre kleine Chance am Mittwoch ja doch noch.
Die WM-Paten: Jedes teilnehmende Land bekommt einen Paten aus den Redaktionen von ZEIT ONLINE, ZEIT oder extern. Die Paten porträtieren die Länderteams und schreiben subjektive Spielberichte zu den Partien ihres Teams.
- Datum 20.06.2010 - 07:56 Uhr
- Serie WM-Teams
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Hätte Australien mit mehr Härte gespielt, wären am Ende kaum noch australische Spieler auf dem Platz gewesen. Schaut doch nur mal die Kartenflut bei dieser WM an. Die machen aus Fußball ja fast ein berührungsloses Spiel.
"Für das nächste Spiel empfiehlt er AC/DC zur Vorbereitung. "
"Statt Karten zu zocken oder ein Buch auf der Busfahrt zum Stadion zu lesen, hätten sich die Männer vom fünften Kontinent lieber die Kopfhörer über die Ohren stülpen, den Lautsprecherregler aufdrehen und eine amtliche Dröhnung If you want blood oder T.N.T. verpassen sollen. Das wäre der richtige Sound gewesen, um sich in Kampfesstimmung zu bringen."
Ich empfehle stattdessen diese Band: http://www.youtube.com/wa...
Sind zwar nicht aus Australien, aber trotzdem der Hammer!
Hi Heinzbert,
schönen Dank für den Tipp. Die Kapelle knallt ordentlich. Was ich an Metalcorebands jedoch nicht so mag: Wenn der Sänger ständig vom Keif- in den Grunzmodus wechselt. Meine favorisierte Band auf dem Sektor: Maroon. Ansonsten bin ich eher oldschool orientiert.
Schönen Gruß
Matthias
Hi Heinzbert,
schönen Dank für den Tipp. Die Kapelle knallt ordentlich. Was ich an Metalcorebands jedoch nicht so mag: Wenn der Sänger ständig vom Keif- in den Grunzmodus wechselt. Meine favorisierte Band auf dem Sektor: Maroon. Ansonsten bin ich eher oldschool orientiert.
Schönen Gruß
Matthias
Hi Heinzbert,
schönen Dank für den Tipp. Die Kapelle knallt ordentlich. Was ich an Metalcorebands jedoch nicht so mag: Wenn der Sänger ständig vom Keif- in den Grunzmodus wechselt. Meine favorisierte Band auf dem Sektor: Maroon. Ansonsten bin ich eher oldschool orientiert.
Schönen Gruß
Matthias
Viel mehr Haerte von Australien erhofft? Dieser Artikel ist laecherlich! So leicht ist es nicht, 65 Minuten mit zehn Maenner zu spielen und trotzdem das Spiel gewinnen.
Die Australier haben alles gegeben in diesem Spiel. Sie waren organisiert, diszipliniert und vor allem sie haben mit dem Selbstvertrauen gespielt, das es im ersten Spiel gegen Deutschland fehlte.
Das war einfach absolut verwuestend, als in der 25. Minute die rote Karte dem Kewell gezeigt wurde. Eine Tragoedie, die Woerter nicht beschreiben koennen. Es sah in dem Moment aus, als waere der WM-Traum vorbei, aber trotzdem haben die Australier eine sehr positive, angreifende Leistung ausgekramt. Viele Mannschaften wuerden unter solchem Druck einfach einstuerzen. Es scheint ein bloedes Klischee, aber das ist was besonders was die Australier haben. Sie geben nie auf. Das haben sie schon immer wieder in anderen Sportarten bewiesen.
Dass Sie sagen, die Australier ohne Haerte gespielt haben, finde ich echt verwirrend. Das ist einem Australier sehr schmerzlich zu hoeren.
Alle Australier sind jetzt wieder stolz auf ihre Socceruehs, egal was die Reste der Welt ueber sie meint.
Hallo Benjod,
Australien hat meiner Meinung nach nur bis zur frühen Führung und Mitte der zweiten Hälfte couragiert gespielt. Das ist selbst mit zehn Mann zu wenig. Dazwischen war Ghana das bessere Team und hätte schon früher das Spiel entscheiden müssen. Dass die Socceroos gegen Ende noch mal alle Kräfte gebündelt haben, erkenne ich in dem Artikel durchaus an.
Schönen Gruß
Matthias
Hallo Herr Bossaller.
Ja, ich glaube Sie haben da recht; Ghana haette nach dem Handball das Spiel entscheiden muessen. Das Ghana das bessere Team war bin ich mir aber nicht so sicher. Sie waren 65 Minuten mit Ueberzahl und haben es trotzdem nicht geschafft den Sieg zu sichern (ist aber im Kontext des Artikels voellig egal).
Ghana sind im Vergleich zu Australien eine sehr junge, schnelle und technisch hochbegabte Mannschaft. Die Australier sind alt, langsam und nicht so trickreich oder kreativ. Es war schon vorm Spiel klar, dass Australien fuer den Konter anfaellig waere. Ich glaube, es waere taktisch Selbstmord, uebereifrig anzugreifen mit nur 10 Maenner. Auch die Entscheidung nach dem 1-0 Tor ein bischen zuruckzuhalten war meiner Meinung nach die richtige, und ich glaube nicht, dass es an etwas mit Courage zu tun liegt. Die Australier sahen selbst am bequemstem auf dem Konter aus. War das ein Fehler, Vertrauen den Moore, Carney usw. zu schenken? Oder war das Courage? Sie haben ja Recht, sie waren einfach nicht gut genug, dass sie die Boateng und seine Kumpels jedes Mal zumachen konnten.
Das Australien das Spiel nicht gewonnen hat, liegt meine Meinung nach nicht an Mut, Courage oder Haerte, sondern an einem ungluecklichen Handball und ein paar schlechte Entscheidungen (Emerton MUSSTE Ayew zumachen, hat aber zu lange gewartet). Der Kewell konnte ehrlich nichts gegen dem Handball machen aber sah trotzdem rot, was sehr hart aber auch fair war.
Sind wir uns aber einig das war einspannendes und super Spiel!
S.G, B
War absolut ungerechtfertigt. Der Australier hätte sich den Arm abschneiden müssen, um den Ball nicht gegen edn Oberarm/Schulter geschossen zu bekommen.
Das ist per Definition kein Handspiel.
Ein weiteres Spiel vom Schiedsrichter entschieden und das das problemlos zu verhindern wäre, ist es wohl mit Absicht so.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren