Werbeexperte "35 Models im Mini – so geht Guerilla-Marketing"

Die Fifa hat Frauen des WM-Stadions verwiesen, weil sie Sponsorenrichtlinien verletzt haben sollen. Dabei trugen sie alle nur dasselbe Kleid. Ein Experte klärt auf.

Gegen die Gesetze der Fifa: die Beer Babes

Gegen die Gesetze der Fifa: die Beer Babes

Die Fifa hat am Montag während des Spiels zwischen Holland und Dänemark eine Gruppe von gut dreißig Frauen des Stadions verwiesen. Der Vorwurf: Sie hätten gegen die Sponsorenrichtlinien verstoßen. Dabei trugen sie lediglich orange-farbene "Uniformen" (siehe Bild oder Video ). So wollten sie sich als Holland-Fans ausgeben, in Wahrheit waren sie von der holländischen Brauerei Bavaria "gecastet".

Obwohl sie kein Logo des Unternehmens trugen oder präsentierten, wurden die "Beer Babes" von der Polizei wegen Trittbrett-Marketings ("Ambush") abgeführt und verhört. Die Kleider waren ein Werbegeschenk beim Kauf einer Bierkiste. Dazu ein Gespräch mit Stefan Hampel, einem Experten für Marketing an der Universität Bayreuth.

ZEIT ONLINE: Wieso sind die Beer Babes Guerillas?

Stefan Hampel: Guerilla-Marketing setzt auf unkonventionelle Mittel, der Werbetreibende will sich aus der Masse herausheben. In Zeiten der Reizüberflutung muss man sich etwas einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen. Fünfunddreißig Models im Mini sind nicht die schlechteste Idee.

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ZEIT ONLINE: Guerilla-Marketing zeichnet sich auch dadurch aus, dass wenig Geld investiert wird? Bewirkt dies überhaupt etwas?

Hampel: Wir Wissenschaftler unterscheiden zwischen dem Werbeerfolg und der Werbewirkung. Den Werbeerfolg misst man in ökonomischen Größen, etwa dem Umsatz. Diesen kann man in dem Fall noch nicht bestimmen. Unter der Werbewirkung werden kommunikativ-psychische Größen wie die Aufmerksamkeit der Rezipienten verstanden. Die Werbewirkung jedenfalls war groß. Aber auch nur, weil die Fifa so streng reagiert hat. Das hat die Sache erst bekannt gemacht. Ohne diese Reaktion wäre sie gar nicht aufgefallen.

ZEIT ONLINE: Ein Eigentor der Fifa?

Hampel: Einerseits ist es ein legitimes Interesse der Fifa, ihre Sponsoren zu schützen. Andererseits hätte ihr der gesunde Menschenverstand raten können, lockerer zu reagieren.

ZEIT ONLINE: Wie denn?

Hampel: Man hätte den Frauen weiße Hemden über ihre Oberteile überziehen können.

ZEIT ONLINE: Puh! Am Ende sollen sie die Dinger noch ausziehen ...

Hampel: Sie lachen, aber bei der WM 2006 hatte Bavaria eine ähnliche Aktion. Zu einem Spiel trugen ihre Leute orangenfarbene Lederhosen – und mussten sie vor dem Stadion ausziehen. Allerdings war dort auch das Logo der Brauerei drauf.

ZEIT ONLINE: Im aktuellen Fall war kein "Brand" zu erkennen. Auf welcher rechtlichen Grundlage konnte die Fifa denn überhaupt einschreiten?

Hampel: Die Fifa ist Veranstalter, hat also das Hausrecht. Über dieses und weitere Urheber- und Markenrechte regelt sie streng, was Werbetreibende und Zuschauer dürfen und was nicht. Die Bavaria-Aktion fand meiner Meinung nach im rechtlichen Graubereich statt. Ich vermute übrigens, dass die Fifa einen Hinweis bekam.

ZEIT ONLINE: Vom Fifa-Sponsoren und Bavaria-Konkurrenten Budweiser? Das wäre doch sehr engstirnig und ungeschickt. Können Sie ausschließen, dass Bavaria selbst den Hinweis gegeben haben könnte?

Hampel: Ausschließen kann ich das nicht, dafür bin ich zu weit weg. Aber es wäre jedenfalls eine durchaus plausible Strategie gewesen.

ZEIT ONLINE: Der Arm der Fifa reicht ja weiter als nach Südafrika. Wie werten sie das moralisch?

Hampel: Es geht eben um sehr viel Geld. Dass sie ihre Sponsoren gegen Ambush-Marketing schützt, ist ok. Manchmal geht sie aber zu weit.

ZEIT ONLINE: Die Weltmeisterbrötchen beim Bäcker wird es also weiterhin geben.

Hampel: Ja, aber er darf keine Marken- oder Urheberrechte verletzen. Etwa eine Torte backen, wo der originalgetreue WM-Pokal drauf ist.

Die Fragen stellte Oliver Fritsch .

 
Leser-Kommentare
  1. Wie bekloppt die Randerscheinungen um den Fußball doch sind.
    Es geht doch nur noch um Geld - Fußball wird nur nebenbei gespielt. Wie verkommen und armselig der Fußball doch geworden ist. Primitive Egoismen zu Lasten des eigentlichen Sports.
    Der Frauenfußball war eine zeitlang sehr erfrischend dagegen. Aber dort hat man den Beckenbauer inzwischen auch schon gesehen. Von da an geht es bergab.

  2. Solange das alles von Zwangsgebühren der GEZ und damit von Deutschen Zuschauern - und Zukunft ja auch Nichtsehern - mitfinanziert wird, sehe ich ein, dass die FIFA uns vor diesen Frauen schützen muss.

    Danke FIFA.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bis sich die Oeffentlich Rechtlichen aus den komplett pervertierten Bieterwettbwerben für die Uebertragungsrechte zu Gunsten eines privaten Spielemonopols ausklinken weil die Millionen am Ende doch nur in diversen Steuerparadiesen landen. Aber dann, viele stürzen sich ja geradezu auf die privaten Anbieter, schimpfen immer mal wieder über die GEZ, und bezahlen dann zusätzlich monatliche Beiträge um sich die Inhalte der privaten Anbieter, inkl. Dauerwerbung, ansehen zu können...
    Das am Ende nur gerade mal eine Handvoll Leute von dem Ganzen, im finanziellen Sinne, profitieren ist wohl der staatlichen Hand einfach mal Grundsätzlich vorzuziehen auch wenn es viel mehr kostet... Hauptsache man scheint "frei zu sein zu schauen was man will".

    bis sich die Oeffentlich Rechtlichen aus den komplett pervertierten Bieterwettbwerben für die Uebertragungsrechte zu Gunsten eines privaten Spielemonopols ausklinken weil die Millionen am Ende doch nur in diversen Steuerparadiesen landen. Aber dann, viele stürzen sich ja geradezu auf die privaten Anbieter, schimpfen immer mal wieder über die GEZ, und bezahlen dann zusätzlich monatliche Beiträge um sich die Inhalte der privaten Anbieter, inkl. Dauerwerbung, ansehen zu können...
    Das am Ende nur gerade mal eine Handvoll Leute von dem Ganzen, im finanziellen Sinne, profitieren ist wohl der staatlichen Hand einfach mal Grundsätzlich vorzuziehen auch wenn es viel mehr kostet... Hauptsache man scheint "frei zu sein zu schauen was man will".

  3. bis sich die Oeffentlich Rechtlichen aus den komplett pervertierten Bieterwettbwerben für die Uebertragungsrechte zu Gunsten eines privaten Spielemonopols ausklinken weil die Millionen am Ende doch nur in diversen Steuerparadiesen landen. Aber dann, viele stürzen sich ja geradezu auf die privaten Anbieter, schimpfen immer mal wieder über die GEZ, und bezahlen dann zusätzlich monatliche Beiträge um sich die Inhalte der privaten Anbieter, inkl. Dauerwerbung, ansehen zu können...
    Das am Ende nur gerade mal eine Handvoll Leute von dem Ganzen, im finanziellen Sinne, profitieren ist wohl der staatlichen Hand einfach mal Grundsätzlich vorzuziehen auch wenn es viel mehr kostet... Hauptsache man scheint "frei zu sein zu schauen was man will".

    Antwort auf "Danke, FIFA"
    • Ranjit
    • 16.06.2010 um 19:22 Uhr

    Ursprünglich wurde Markenschutz den Leuten als Kundenschutz verkauft. Wenn Marken nachgeahmt werden können, könnten Kunden ein anderes Produkt kaufen als sie wollten.

    Davon ist schon lange nichts mehr übrig. Brands sind keine Brandzeichen auf den Produkten sondern in unserer Psyche. Markenzeichen, Werbejingles, ja sogar die Farbpalette sollen aufgelanden werden mit positiven Gefühlen und dem Image der Marke.
    Beispiel Telekom: Denken sie nur an das markante T und sie haben es vor Augen. Welchen Werbejingle nutzt die Telekom? Na, klingelts? Und dann noch der Farbton, den sich die Telekom rechtlich sichern ließ.

    Der Kunde wird dabei zum pawlowschen Versuchsobjekt.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Das Ziel ist Konditionierung und das tiefe Verankern der Wiedererkennung und Vertrautheit der Marke. Zugegeben, weniger direkt als bei Hunden, aber doch wirksam. Dabei sind ähnliche oder gar konkurrierende Reize Gift für den Konditionierungsprozess. Daher müssen alle ähnlichen Logos und alle nicht vom Management abgesegneten Verwendungen des Logos ausgemerzt werden. Siehe Jack Wolfskins Attacke auf Bastler die Tatzen zeigen. Ebenso darf Aufmerksamkeit bei Sportveranstaltungen nicht auf Marken und Produkte fallen, deren Inhaber nicht dafür bezahlt haben. Der Konditionierungsprozess unter möglichst kontrollierten Bedingungen.

    Was sich wie eine Verschwörungstheorie anhöhrt ist übrigens offen zugänglich. Jedes Lehrbuch über Werbepsychologie erklärt die Mechanismen.

  4. auf den Platz läuft, hat die FIFA das Recht, die Truppe von Bert van Marwijks von der Polizei vom Platz führen zu lassen?

    Ackermann oder Blatter .. Hauptsache, die Rendite stimmt ...

  5. ... spinnt.

    Anstatt die lästigen und nervigen Tröten aus den Stadien zu verbannen werfen sie die knackigen Holländerinnen raus, war wenigstens mal ein schöner Anblick ... ob die Bosse der FIFA schwul sind?

    • ab76
    • 17.06.2010 um 9:23 Uhr

    Warum hat denn keiner daran gedacht, auf die Tröten Werbung drauf zu machen. Dann hätte sich das Lärmproblem schon gelöst.

    Bei der WM2006 wurde mir verwährt eine Mini-Trillerpfeife mit reinzunehmen, die ich am Bahnhof bekommen habe, weil die von irgendeiner Firma gesponsert war.

  6. @Ranjit
    Schon einmal daran gedacht, dass auch Abmahnungen Markenkommunikationen sind?
    Dank Social Media spricht sich so etwas im Handumdrehen herum – Siehe Ihr Beispiel Jack Wolfskin (die Hausjuristen haben damit der ach so erdigen, fairen Marke keinen Gefallen getan und mit dem Schießen mit Kanonen auf harmlose Spatzen gegen alle werblich propagierten Markenwerte verstoßen)

    Markenführung ist weit mehr als die Überwachung visueller Formalismen.
    Sie findet zu immer größeren Teilen jenseits kontrollierbarer Instrumente statt.

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