Nachfragen ist vielleicht die wichtigste Aufgabe eines Journalisten. Aber in diesem Augenblick, drei Tage vor dem Spiel gegen Deutschland, kann man Kevin-Prince Boateng verstehen. Er geht nach dem WM-Spiel gegen Australien an den Reportern vorbei. Unter der schwarzen Baseballmütze aus Wolle beißt er die Zähne zusammen. Er sagt, er habe nichts zu sagen und verschwindet. Manchmal ist es besser zu schweigen, abzuwarten und zu schauen, wie sich die Dinge entwickeln werden.

Kevin Boateng wuchs in Berlin auf, im Wedding. Wedding ist kein schöner Stadtteil, einer, in dem die Mieten billig und die Probleme zahlreich sind. Ein Fußballmythos besagt, dass die besten Spieler aus einem Viertel kommen, in dem es einen Platz mit hohen Gitterzäunen gibt. In dem die Jugendlichen entweder Drogen nehmen, klauen oder beides. Oder so lange auf dem Bolzplatz spielen, bis der Ball ihr Vertrauter wird.

Im Gitterzaunplatz verbrachte Kevin Boateng in seiner Jugend viel Zeit. Dort und in der Jugendabteilung Hertha BSCs entwickelte er sich zu einem der besten Nachwuchsspieler Deutschlands. Er spielte für alle Jugendteams des Deutschen Fußball-Bundes, außer für die U18-Mannschaft. Den Jahrgang übersprang er, weil er zu gut war.

Als Profi wechselte er von Berlin zu den Tottenham Hotspurs, zu Borussia Dortmund und zum FC Portsmouth. Richtig durchsetzen konnte er sich in keinem der Teams. Oft spielte er übermotiviert, wütend, schaffte es nicht, sein Vertrauen in den Ball zu nutzen.

Jürgen Klopp, sein Trainer in Dortmund, sagte, er könne den Ball auf hundert Arten annehmen. Aber das Spiel taktisch lesen konnte er nicht. "Bei einem wie Kevin blitzt das Talent immer nur auf – aber das Gesamtpaket als Fußballer müsste man entwickeln."