Kevin-Prince Boateng Gegen Deutschland und gegen den eigenen Bruder
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Er will endlich das Land seines Vaters sehen

Jerome Boateng ist Kevins Halbbruder. Sie haben denselben ghanaischen Vater. Jerome wuchs nicht im Wedding, sondern in Wilmersdorf auf. Wilmersdorf ist ein schöner Berliner Stadtteil, einer, in dem die Wohnungen größer und die Probleme kleiner sind. Wenn man das, was über Kevin Boateng berichtet wurde, in ein Wort fasst, müsste man ihm die Etikette "Badboy" geben. Für Jerome bleibt dann nur die Rolle des "Goodboy".

Jeromes Körper ist nicht so zerstochen wie der seines Halbbruders. Aber auch auf seinem linken Oberarm sind die Grenzen Afrikas und Ghanas zu erkennen. Vor Jahren waren sie zusammen mit ihrem älteren Bruder George in einem Berliner Tattoo-Studio und ließen sich das Abbild des Heimatlandes ihres Vaters stechen.

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Nach dem Foul an Ballack, als die Medienmaschinerie sich auf Kevin eingeschossen hatte, fragten die Reporter auch Jerome, was er davon halte. Er wollte sich nicht groß über seinen Halbbruder äußern, sagte aber, dass die Grätsche mit einer Roten Karte hätte bestraft werden müssen. Kevin soll danach nicht wieder mit seinem Bruder gesprochen haben.

Es ist eine Menge, was in dem Spiel gegen Deutschland für Kevin-Prince Boateng zusammenkommt. Noch nie haben bei einer WM zwei Brüder gegeneinander gespielt. Wahrscheinlich hat sich der Hass der deutschen Fans noch nie so sehr in einer Person gebündelt.

Drei Mal hat Kevin Boateng bisher für Ghana gespielt. Gegen Australien war er einer der besten. Er forderte im Mittelfeld die Bälle, zeigte seinen Mitspielern, wohin sie passen sollten und schoss fast das Siegtor. Sein Mitspieler Jonathan Mensah sagte nach der Partie, Kevin sei ein großer Spieler und eine Verstärkung für Ghana. Vor jedem Spiel singen die Black Stars gemeinsam, sagte Mensah. Boateng sei noch sehr neu, rede wenig, aber zuletzt hat er ein wenig mitgesungen.

Nach der WM hat Kevin-Prince Boateng vielleicht endlich Zeit, etwas nachzuholen. Er hat sich vorgenommen, hinzufahren. Dann will er das erste Mal das Land seines Vaters sehen, das Land, für das er Fußball spielt.

 
Leser-Kommentare
  1. ...in der FIFA-Geschichte, dass jemand für ein Land spielt, dass er selbst nie betreten hat? Noch dazu spricht er keine der autochthonen Sprachen des Landes (nagut, immerhin ist die Amtssprache Ghanas Englisch)

    Für mich wirkt seine Entscheidung für Ghana zu spielen wie eine pubertäre Trotzreaktion...

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    "Für mich wirkt seine Entscheidung für Ghana zu spielen wie eine pubertäre Trotzreaktion..."

    das ist sicher quatsch. wenn man die moeglichkeit hat eine wm zu spielen, dann tut man das. soll er zu hause bleiben und wegen des unschoenen ballack-fouls busse tun, damit bild und ihre leser ihn wieder akzeptabel finden und nicht laenger sein bleiberecht diskutieren? also bitte.

    • bumo
    • 24.06.2010 um 22:13 Uhr

    In der nord-koreanischen Nationalmanschaft spielen 2 in Japan lebende Exil-Nord-Koreanier mit. Ich weiss nicht, ob die beiden jemals in Nordkorea waren oder der koreanischen Sprache mächtig sind (letzteres könnte zwar sein, denn in Japan lebende Nordkoreaner schicken ihre Kinder oft auf (nord-)koreanische Schulen.) Wäre interssant, dass mal rauszufinden...
    Die heute in Japan lebende koreanische Minderheit stammt von den Zwangsarbeitern während der japanischen Besatzungszeit (bis 1945) ab... also schon in der 4. Generation.

    "Für mich wirkt seine Entscheidung für Ghana zu spielen wie eine pubertäre Trotzreaktion..."

    das ist sicher quatsch. wenn man die moeglichkeit hat eine wm zu spielen, dann tut man das. soll er zu hause bleiben und wegen des unschoenen ballack-fouls busse tun, damit bild und ihre leser ihn wieder akzeptabel finden und nicht laenger sein bleiberecht diskutieren? also bitte.

    • bumo
    • 24.06.2010 um 22:13 Uhr

    In der nord-koreanischen Nationalmanschaft spielen 2 in Japan lebende Exil-Nord-Koreanier mit. Ich weiss nicht, ob die beiden jemals in Nordkorea waren oder der koreanischen Sprache mächtig sind (letzteres könnte zwar sein, denn in Japan lebende Nordkoreaner schicken ihre Kinder oft auf (nord-)koreanische Schulen.) Wäre interssant, dass mal rauszufinden...
    Die heute in Japan lebende koreanische Minderheit stammt von den Zwangsarbeitern während der japanischen Besatzungszeit (bis 1945) ab... also schon in der 4. Generation.

    • Puella
    • 21.06.2010 um 12:08 Uhr

    ist es doch, dass Boateng für Ghana statt für Deutschland spielt. Vielleicht war er dem DFB einfach nicht glatt genug? Und das mit Ballack war wohl keine Absicht. Hoffentlich wird Ballack schnell wieder gesund.

    Eduardo da Silva hatte übrigens nach einem üblen Foul einen offenen Bruch. Es gibt unschöne Dinge im Fußball,keine Frage. Ob das wohl eine Art Berufsrisiko ist?

  2. So ein polemischer Artikel (oder auch Einheitsbrei, stellvertretend für allgemeinen medialen Schrott) als Hauptartikel von ZEIT ONLINE ist der ZEIT nicht würdig. PUNKT! Was zählt sind wohl nur noch Clicks (zum Glück sehe ich eh keine Werbung im Brower).

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    Redaktion

    Worin besteht denn Ihrer Meinung nach die Polemik des Artikels? Möchten Sie Ihre Kritik nicht ein wenig konkretisieren?

    Danke und beste Grüße,
    Sebastian Horn

    Redaktion

    Worin besteht denn Ihrer Meinung nach die Polemik des Artikels? Möchten Sie Ihre Kritik nicht ein wenig konkretisieren?

    Danke und beste Grüße,
    Sebastian Horn

  3. ...aber es gibt auch Talente, auf die ich persönlich als Mitbürger in Deutschland gerne verzichte.

  4. heißt es am Mittwoch abend in der 84. Minute dann nicht: Aus dem Hintergrund müsste Boateng schießen...

  5. "Für mich wirkt seine Entscheidung für Ghana zu spielen wie eine pubertäre Trotzreaktion..."

    das ist sicher quatsch. wenn man die moeglichkeit hat eine wm zu spielen, dann tut man das. soll er zu hause bleiben und wegen des unschoenen ballack-fouls busse tun, damit bild und ihre leser ihn wieder akzeptabel finden und nicht laenger sein bleiberecht diskutieren? also bitte.

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    • dacapo
    • 21.06.2010 um 22:50 Uhr

    Er war vor seiner Entscheidung Mono-Staatsbürger und ist jetzt Doppelstaatsbürger und ist nach wie vor deutscher Staatsbürger, sobald er in Deutschland leben möchte.

    • dacapo
    • 21.06.2010 um 22:50 Uhr

    Er war vor seiner Entscheidung Mono-Staatsbürger und ist jetzt Doppelstaatsbürger und ist nach wie vor deutscher Staatsbürger, sobald er in Deutschland leben möchte.

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