Brasilien – Portugal Ein Duell humanoider Roboter

Brasilien gegen Portugal war ein furchtbar langweiliges Spiel. Pate Claus Spahn will aus einem Spatz keinen Kanarienvogel machen. Und freut sich auf die K.o.-Runde.

Spiel mir das Lied vom Tor – Cristiano Ronaldo vor einem Freistoß

Spiel mir das Lied vom Tor – Cristiano Ronaldo vor einem Freistoß

Zum Glück ist die Vorrunde nun vorbei, und es beginnt endlich die Zeit der K.o.-Dramen, kann man nach diesem bleiernen Fußballspiel nur genervt aufstöhnen. Keine Tore, kein spielerischer Glanz, keine Spannung. Ein Nachmittag zum Vergessen. Sogar die sonst so freundlichen Südafrikaner im Stadion haben die Leistung am Ende mit Pfiffen quittiert.

Standen sich da nicht die Nummer eins und drei der Fifa-Weltrangliste gegenüber? Sollte das nicht die Spitzenbegegnung der Vorrunde werden? In Singapur ist gerade die Fußball-WM für selbstgebaute humanoide Roboter zu Ende gegangen. Zwei deutsche Universitäten standen im Endspiel. Man darf sicher sein, dass dort auch nicht schematischer gekickt wurde als in Durban.

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Beide Mannschaften waren sich ihrer Qualifikation für das Achtelfinale sicher und schon vor dem Anpfiff mit einem Unentschieden zufrieden, und so haben sie auch gespielt: Rumpelfußball im Mittelfeld. Auf keinen Fall ein rasantes Dribbling riskieren. Bloß nicht den gegnerischen Strafraum betreten.

Nur der Turbogockel Christiano Ronaldo ist einige Male vor das brasilianische Tor gestürmt, wo sich ihm der unbezwingbare Lucio entgegen warf und (fast) immer Zweikampfsieger blieb. Der Brasilianer Fabiano hätte in der ersten Halbzeit ein Kopfballtor erzielen können und der Portugiese Meireles in der zweiten Halbzeit, als ihm ein Querschläger von Lucio im Strafraum vor die Füße rollte. Viel mehr Torchancen bot das Spiel nicht.

Zu den überraschendsten Szenen des Nachmittags gehörte die (nicht weiter schlimme) Verletzung des brasilianischen Torhüter Caesar, bei der man verblüfft feststellte, dass er erstens einen Rückenprotektor wie ein Motorradrennfahrer trägt, zweitens die Ärmel seines T-Shirts selbst zu kürzen pflegt und drittens nicht ohne fremde Hilfe in der Lage ist, ein neues Torwarttrikot überzustreifen.

Claus Spahn
Claus Spahn

Claus Spahn ist Feuilleton-Redakteur der ZEIT und schätzt Zico kulturgeschichtlich höher ein als Paulo Coelho.

Haben die Brasilianer, die ohne den gesperrten Kaká und ohne Robinho antraten, keine Lust, besser zu spielen oder können sie es nicht? Haben Lucios Mannen in der Todesgruppe nur ein Gegentor kassiert, weil die Abwehr so stark ist oder weil die gegnerischen Angriffsreihen so schwach waren?

Fangen die gelben Stürmer, wenn es ernst wird, doch noch an Samba zu tanzen? Präzise Antworten auf diese Fragen gibt es bald. Im Achtelfinale schlägt für Brasilien endgültig die Stunde der Wahrheit.

Die WM-Paten: Jedes teilnehmende Land bekommt einen Paten aus den Redaktionen von ZEIT ONLINE, ZEIT oder extern. Die Paten porträtieren die Länderteams und schreiben subjektive Spielberichte zu den Partien ihres Teams.

 
Leser-Kommentare
  1. ...dabei ging es, neben den Erwartungen der Fans, auch darum, wer den stärkeren nächsten Gegner bekommt. Enttäuschend.

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    ja auch noch ein paar Tore schießen können.

    ja auch noch ein paar Tore schießen können.

  2. ja auch noch ein paar Tore schießen können.

  3. ...im Achtelfinale gehts gegen Chile. Das ist genau der Gegner, den Brasilien jetzt verdient hat...da muss die Seleção wohl ein bisschen mehr tun. Auf jeden Fall wird es für Dungas Mannen sehr, sehr ungemütlich.

    • 42317
    • 27.06.2010 um 10:57 Uhr

    War natürlich unfair gegenüber dem zahlenden Publikum. Aber ich denke, dass es ein Trugschluss ist, das langweilige Spiel einem allgemeinen Mangel an Spielvermögen beider Mannschaften zuzuschreiben.
    Nein, die waren beide sicher weiter (es sei denn, die Elfenbeinküste würde 8:0 gegen Nordkorea spielen oder so) und haben m.E. nur nicht eingesehen, warum sie Karten und Verletzungen riskieren sollten - ein klarer Nichtangriffspakt.

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