WM 2010 Südafrika braucht keine WM
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 Brasilien wird das nächste Opfer des größten Betrugs auf Erden: der WM 2014

Die Elektrizitätsversorgung kann die Nachfrage nicht stillen, doch für die Dauer der WM haben Land und Gastgeberstädte versprochen, mit Sonderschichten nachzuhelfen. Außerdem wurde die Fifa nervös und ordnete an, große Stromgeneratoren zu importieren und in den Stadien und Städten zu installieren. Und weil Gewalt und Verbrechen in Südafrika eskalieren, wurden 9 Millionen Euro investiert, um die 41.000 Polizisten, die an der WM im Einsatz sind, besser auszurüsten und zu trainieren.

Zwar haben wir Straßen ausgebessert, neue Flughäfen gebaut, modernste Sicherheitssysteme gekauft, der Fifa zehn Stadien hingestellt, die ihre Auflage erfüllen. Doch kein Mensch spricht darüber, welchen Nutzen der südafrikanische Bürger von dieser Extravaganz namens Fußball-WM ziehen soll.

Colleen Dardagan
Colleen Dardagan

Colleen Dardagan ist Redakteurin und WM-Koordinatorin des Mercury, eine der renommiertesten Zeitung Südafrikas. Seit 2006 befasst sie sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Fußball-WM. 2009 wurde sie zur Lokaljournalistin des Jahres gewählt.

Über 5 Milliarden Euro hat das Parlament genehmigt, um den drakonischen Anforderungen der Fifa gerecht zu werden. Die Verträge mit den Gastgeberstädten lassen lokale Unternehmen im Regen stehen. Gleichzeitig hat die Fifa unerhörte Bedingungen durchgesetzt: Für die Dauer der WM müssen in den Austragungsstädten alle Bauarbeiten ausgesetzt werden. Teile unserer Polizei missbraucht sie dazu, Ambush Marketing zu verhindern. Straßen mussten gesperrt, Sonderwege erschaffen werden, damit sich Mannschaften, Sponsoren und Fifa-Repräsentanten unverzüglich fortbewegen können.

An Spieltagen werden um die Stadien Bannmeilen gezogen, Geschäfte geschlossen, Logos von Unternehmen verdeckt. Veranstaltungen, die normalerweise im Juni oder Juli stattfinden, also zur touristischen Hauptsaison Südafrikas, müssen verschoben werden: traditionsreiche Pferderennen, Ausstellungen, Beach- oder Musikfestivals. Und mindestens fünfhundert Unternehmen finden sich vor Gericht, weil sie gegen die rigiden Branding-Regeln der Fifa verstoßen haben sollen.

Trainingsplätze wurden ausgebaut, damit sie exakt den Originalmaßen entsprechen, manchmal ging es um wenige Meter – auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich. Wie auch die Verbesserungen der Infrastruktur, Straßenbegradigungen und -beschilderungen. Die Hunderttausende von Bauarbeitern, die für die Fertigstellung gebraucht wurden, haben nun großteils ihren Job verloren. Die Weltwirtschaftskrise hat ihre Branche hart getroffen, Arbeit ist in Südafrika ohnehin schwer zu finden, gerade in diesen Zeiten.

Die Aussichten Südafrikas auf wirtschaftlichen Gewinn sind düster. Noch mögen unsere Landsleute ihre Fußballtrikots anziehen, ihre Fahnen schwenken, tanzen und die Vuvuzelas blasen. Doch wenn sie später erwachen, werden sich die Menschen fragen, warum ihre Mägen noch leer sind und ihre Krankheiten ungeheilt.

Dann wird die Fifa-Regierung ihre Rückflüge längst gebucht haben, und Joseph Blatter wird weit weg sein und in Zürich die Alpen überblicken. Er wird aus dieser WM mehr erzielt haben als aus jedem anderen Turnier zuvor. Ein Nettogewinn von alleine einer Milliarde Fernsehgeld wird seiner sein. Sein Versprechen, Afrika eine WM geschenkt zu haben, wird er gehalten und somit die Gegenleistung für viele Wählerstimmen erbracht haben. Diese Stimmen werden Blatter bei der nächsten Präsidentenwahl wohl nicht vergessen haben.

Und Blatter wird wiederholen, dass er ein Afrikaner ist. Er wird sagen, dass es das beste WM-Turnier aller Zeiten gewesen ist und er sich nie von Zweifeln den Schlaf rauben gelassen hatte. Und er wird durchscheinen lassen, dass er es gegen Widerstand durchgesetzt hat, diesem armen Kontinent das Vertrauen zu schenken.

Doch in wenigen Wochen werden die Probleme dieses Entwicklungslands Blatter nicht mehr länger beschäftigen. Stattdessen wird er sich Brasilien zuwenden, dem nächsten Opfer des größten Betrugs auf Erden, der Fifa-Weltmeisterschaft 2014.

Der Text ist Teil des WM-Dossiers der Bundeszentrale für politische Bildung.

 
Leser-Kommentare
  1. ...alleine die Tatsache das es Dank der WM 41.000 neue gut ausgebildete Polizisten im Land gibt, sollte den Menschen in Südafrika über Jahrzehnte zum Vorteil sein.

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    heilen keine Krankheiten und füllen keine Mägen, Quatsch ihre Aussage.

    heilen keine Krankheiten und füllen keine Mägen, Quatsch ihre Aussage.

    • Klaue
    • 22.06.2010 um 12:30 Uhr

    [IRONIE]

    Sie denken zu viel.

    [/IRONIE]

    Kritisches hinterfragen ist gut, doch warum passiert das immer nur bei entfernten Themen wie der Fußball WM. Unsere Politik und die Konzerne in unserem Land haben sicherlich genügend Stoff um die Tageszeitungen die nächsten 100 Jahre damit zu füllen.

    Als Rob Savelberg Frau Merkel fragte wie sie Herrn Schäuble als Finanzminister einsetzen und als vertrauenswürdig bezeichnen könne, da dieser doch vergaß wo die 100.000 DM vom Waffenhändler geblieben sind - dass war kritischer Journalismus.

    http://www.youtube.com/wa...

    Afrika, schön und gut. Doch lieber hätte ich in Deutschland mehr kritische Stimmen.

  2. heilen keine Krankheiten und füllen keine Mägen, Quatsch ihre Aussage.

    Antwort auf "Also bitte..."

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