Ghana besiegt USA Triumph für ganz Afrika
Stellvertretend für den Kontinent zieht Ghana mit einem 2:1-Sieg gegen die USA ins Viertelfinale ein. Torschütze Boateng muss verletzt ausgewechselt werden.
© Roberto Schmidt/AFP/Getty Images

Telegener Jubel: die Ghanaer Kwadwo Asamoah (links) und Torschütze Asamoah Gyan
Es war die wohl größte Massenadoption in der afrikanischen Fußballgeschichte. "Sie sind jetzt auch das Team unseres Landes", sagte Jermaine Craig, der Sprecher des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Vor dem Achtelfinale gegen die USA wurde Ghana als einzige verbliebene von sechs afrikanischen Mannschaften von einer National- zu einer Kontinentalmannschaft.
Und so war der 2:1 (1:0, 1:1)-Sieg gegen die Amerikaner ein Triumph für einen ganzen Kontinent. So wie es ein Spieler, der den Umriss Afrikas auf dem rechten Oberarm tätowiert trägt, vor dem Spiel versprochen hatte: "Ab sofort spielen wir für ganz Afrika." Sein Name: Kevin-Prince Boateng, seit Mai ghanaischer Staatsbürger.
Der kontinentale Vertretungsauftrag schien den 23-Jährigen geradezu zu beflügeln: Fünf flotte Minuten waren vor etwa 25.000 Zuschauern in Rustenburg gespielt, der Amerikaner Clint Dempsey hatte gerade einen harmlosen Schuss in die Arme von Richard Kingson abgegeben. Sein Abschlag landete beim Amerikaner Ricardo Clark, der den Ball an der Mittellinie vertändelte. Boateng nahm sich des Spielgeräts an und verlor keine Zeit. Er sprintete mit dem Ball durch die verblüffend apathische US-Abwehr und schob ihn in die linke untere Ecke ein.
Nach seinem ersten Länderspieltor, Ghanas erstem Treffer aus dem Spiel heraus, war der Berliner kaum zu halten. Er warf Handküsse in die TV-Kameras, umarmte jeden greifbaren Mitspieler und schüttelte mit heraushängender Zunge ungläubig den Kopf. Sein Gegenspieler bildete ein Kontrastprogramm, wie es härter nicht sein kann: Kurz nach dem von ihm verschuldeten Gegentor holte sich Clark eine Gelbe Karte ab, nach einer halben Stunde nahm US-Trainer den Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt aus der Partie.
Nach seinem eher unauffälligen Spiel gegen sein Geburtsland Deutschland wirkte Boateng hingegen diesmal wie aufgedreht. Nach zwölf Minuten segelte sein Schuss knapp übers Tor, dann nahmen ihn zwei US-Verteidiger auf dem Weg zum Tor grätschenderweise in die Zange. Der Ball landete bei Kwadwo Asamoah, doch seine Flanke fand nicht den Weg zurück zu Boateng. Boateng legte er mit einem Flachschuss nach, kurz vor der Pause spielte er mit der Hacke auf Asamoah ab, dessen Distanzschuss das Tor verfehlte.
Die USA brachte genug Erfahrung mit frühen Tiefschlägen in die Partie, auch gegen England und Slowenien hatten sie Rückstände aufgeholt. Doch gegen die gut gestaffelte ghanaische Defensive kamen sie nur nach individuellen Fehlern zu Chancen, als Jonathan Mensahs Fehlpass es Robbie Findley gestattete, allein auf Kingson zuzustürmen. Doch der Torwart rettete.
Nach der Halbzeit versuchte es Trainer Bradley mit einem weiteren Wechsel, brachte Benny Feilhaber für Findley. Der Neue führte sich gut ein, als er von Jozy Altidore vor dem ghanaischen Tor freigespielt wurde, aber nicht um Kingson herumkam. Es war der Startschuss für eine erneute Aufholjagd der USA. Die Chancen häuften sich, als wieder Jonathan Mensah den Amerikanern zur Hilfe kam: Erst holte der 19-Jährige Clint Dempsey im Strafraum von den Beinen, dann Feilhaber. Beim zweiten Mal pfiff Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn. Beim Elfmeter hatte Landon Donovan Glück, dass sein Ball vom Innenpfosten ins Tor sprang. Es war bereits das dritte Turniertor des ehemaligen Bayern-Stürmers. Auf der Gegenseite fiel Boateng nur noch durch sinnlose Torschüsse aus allen Lagen auf. Nach siebzig Minuten musste er humpelnd vom Feld.
Die USA machten weiter Druck, Ghana wankte, aber fiel nicht. So kam es nach neunzig Minuten zur ersten Verlängerung dieser WM. Und obwohl Ghana gegen Ende der regulären Spielzeit die Kräfte zu schwinden schienen, fand Asamoah Gyan die Energie, sich in den Strafraum durchzutanken, den Ball mit der Brust mitzunehmen, sich von einem Rempler nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen und überlegt einzuschießen. Ein herrliches Tor, sein drittes, und eines, das einem ganzen Kontinent das erste Viertelfinale seit 2002 bescherte.
- Datum 26.06.2010 - 23:32 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 11
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Ghana zog ins Viertelfine ein...kleiner Fehler
das Spiel stand lange auf der Kippe weil die USA zw.durch ebnbürtig waren und auch gute Chancen hatten- ich gönns den Afrikanern vom Herzen und auch dem ganzen Kontinent daß wenigstens noch eine Mannschaft die Ehre und Würde verteidigt
- klar wirds gg.Paraguay sehr schwer aber wenn sie so weiterkämpfen ist es keine unlösbare Aufgabe- man sieht - Deutschland ist durch einen Sonntagsschuß weitergekommen aber kämpfen nicht so perfekt wie Ghana -
das 2. Tor war eine Augenweide - mal schauen wies heute gg. England geht -
Es ist ein kleiner Schritt für Boaeteng, aber ein großer Schritt für Ghanaea. Und für Afrika.
prima, ich hoffe sie kommen noch weiter
Die USA haben sich selbst geschlagen. Wer soviele 100%ige so kläglich versemmelt, der kommt eben nicht weiter.
In punkto Lebenslust können wir sehr viel von den Afrikanern lernen, die trotz Armut davon sehr viel mehr haben als wir Europäer. Das Bild vom traurig vor sich hinsiechenden Afrikaner wurde zu lange genährt von Hilfsorganisationen, die damit ihre Hilfsprogramme finanzieren. Es entspricht nicht der Wirklichkeit. Ein Gang über einen afrikanischen Markt im Vergleich zu einem durch eine deutsche Fußgängerzone wird ihnen das bestätigen.
Was Fussball den Afrikanern vielmehr bringen kann ist Selbstwertgefühl und Stolz auf eine Fülle von Kulturen aus denen wir schon immer geschöpft haben.
Schön, dass wenigstens eine afrikanische Mannschaft noch im Turnier verblieben ist. Hoffentlich bleibt das auch noch eine Weile so!
Glückwunsch an diese tolle Mannschaft, an Ghana und ganz Afrika!!
Man darf gespannt sein auf die weiteren Spiele!
happy loser
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