Schiedsrichter-Debatte "Bei einer Weltmeisterschaft pfeifen nicht die Besten"
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"Damit sollen Machtstrukturen und Wahlen abgesichert werden"

Heynemann: WM-Spiele lassen sich nicht nebeneinander legen und vergleichen. Ein Schiedsrichter muss ein Spiel lesen können. Genauso müssen die Spieler die Art wie der Schiedsrichter ein Spiel leitet einschätzen: Wenn ich als Spieler merke, der zieht schnell Gelbe Karten, dann muss ich mich in den Zweikämpfen eben etwas zurückhalten. Natürlich haben die Schiedsrichter aus den unterschiedlichen Ländern andere Spielauffassungen. Leider sind bei einer Weltmeisterschaft nicht die weltbesten Schiedsrichter dabei, sondern nur die besten der Kontinente. Da gibt es natürlich Unterschiede.

ZEIT ONLINE: Aber es gibt doch Lehrgänge, auf eine einheitliche Regelauslegung eingeübt werden müsste?

Heynemann: Der Alltag der Schiedsrichter besteht auch in dieser Zeit zu 99 Prozent aus ihrem jeweiligen Ligaalltag. Bei einem Lehrgang der Fifa pfeifen die Teilnehmer nicht. Sie analysieren oder pfeifen einstudierte Szenen, allerdings keine Wettbewerbssituationen, in denen sie unter Druck stehen. In meinem Heimatland pfeife ich dann wieder auf einem anderen Niveau. Der Lehrgang ist Sonntags-Kaffeetrinken bei der Fifa, der Ligaalltag ist dann wieder das tägliche Brot.

ZEIT ONLINE: Wieso brauchen wir einen Schiedsrichter von den Seychellen?

Heynemann:  Das ist ein sportpolitische Entscheidung: Es wird gesagt, wir nehmen nicht nur Schiedsrichter aus Europa und Südamerika. Die ganze Welt soll beteiligt werden. Es sind ja auch Mannschaften aus aller Welt vertreten. Europas Schiedsrichter pfeifen Woche für Woche auf Bundesliga-Niveau, Eddy Maillet von den Seychellen eher auf Regionalliga-Level. Mit den Unterschieden muss man dann leben. Nach Leistungskriterien hätten wir 25 Schiedsrichter aus Europa, sechs aus Südamerika und vielleicht einen aus Asien.

ZEIT ONLINE: Sind das Gefälligkeiten an die kleinen Verbände?

Heynemann: Es ist einfach eine politische Entscheidung innerhalb der Fifa. Damit sollen Machtstrukturen und Wahlen abgesichert werden.

ZEIT ONLINE: Aber als Zuschauer wundert man sich. Die Fifa macht mit solchen Entscheidungen doch den Fußball kaputt?

Heynemann:  Bei den Mannschaften ist die Inflation doch genauso. Vorher hatten wir 24 Mannschaften, inzwischen sind es 32. Einige davon gehören nicht zu einer Weltmeisterschaft. Vergleicht man einige Teams, die bei der Qualifikation ausgeschieden sind, erkennt man, dass sie stärker sind als einige WM-Teilnehmer: Polen ist zum Beispiel höher einzuschätzen als Nordkorea. Wenn ich Kompromisse eingehe, muss ich damit rechnen, dass die Leistungen unterschiedlich sind.

Die Fragen stellte Christoph Heymann

 
Leser-Kommentare
    • peto1
    • 22.06.2010 um 14:52 Uhr

    Überall steht im Spielplan
    Mexiko gegen Uruguay -22. Juni 16:00 auf ZDF
    Frankreich gegen Südafrika - 22. Juni 16:00 auf ZDF

    zwei spiele auf ein sender mit der selben Uhrzeit,
    sehr verwirrend....? :(

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    zumindet teilweise taktisches Geplänkel und "auf unentschieden spielen weil man eh schon durch ist" im letzten Gruppenspiel.

    zumindet teilweise taktisches Geplänkel und "auf unentschieden spielen weil man eh schon durch ist" im letzten Gruppenspiel.

  1. Da wo gigantische Summen fließen, sind auch immer käufliche Schiedsrichter unterwegs.

    Wer das letzte Deutschland Spiel gesehen hat, der weiß, dass diese Kartenflut zum Sieg der Serben geführt hat. Wenn man im Profifussball einen Spieler rausnimmt, ist es schon fast unmöglich noch ein Tor zu machen.

    Und ein Schiedsrichter, der das durch ständige Gelbkartenvergabe erreicht, dürfte ein reicher Mann werden, denn so werden auf einmal die Favoriten zu Verlierern.

    Um es noch deutlicher zu machen: als Brasilien zuletzt gespielt hat, wurden kaum gelbe Karten vergeben - wenn hier der Maßstab des Deutschlandspiels angelegt worden wäre, dann hätten viele Spieler das Spielfeld verlassen müssen.

    So gesehen kann ein "strenger" Schiedsrichter das Spiel fast entscheiden.

    Bei dieser WM sind die Schiedsrichterleistungen oft unterirdisch.

  2. Wer Weltmeister werden möchte muss auch damit fertig werden.
    Ansonsten ist alles nur Perspektive.
    Ein eigener Spieler wird gefoult: "Rote Karte!"
    Ein eigener Spieler foult: "Ein kluges, taktisches Foul."

    ...seht es mal positiv, Klose spielt im nächsten Spiel nicht.

  3. Zitat:
    "Schiedsrichter von den Seychellen oder aus Mali sichern der Fifa Macht"

    Beim Fußball geht es um viel Geld und nicht um Sport.
    Den Zuschauern geht es auch nicht um Sport - sonst würden sie ja selbst kicken!

    Aber so lange man schreit und trötet, muss man nicht über die wichtigen Dinge des Lebens nachdenken.

    Ja - Spaß gehört auch zum Leben.
    Aber den kann man auch haben, ohne sich von der Fifa verarschen zu lassen.
    Im Moment ist der Frauenfußball noch mit Spaß und Sport verbunden. Aber wie lange noch?
    Schon sieht man die Vorboten der Geldhaie um die Frauenmannschaften geifern.

    • Mejan
    • 22.06.2010 um 15:31 Uhr

    Es ist doch jedes Mal dasselbe, kaum verliert die DFB Elf, werden sofort schuldige ausfindig gemacht, allerdings nicht in den eigenen Reihen. Das sind Profis die sehr viel Geld verdienen, jammern aber wie Grundschüler die in der Pause kicken.

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