Patrice im WM-Tagebuch "Aber warum wird er denn Torwart?"

Engländer mag er nicht, aber mit dem Pechvogel im Tor hat er Mitleid. Wenn Fußball läuft, rückt er näher an seine Frau, schreibt Patrice im WM-Tagebuch von ZEIT ONLINE.

God save Rob Green

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31 Tage hat diese WM, 31 Seiten hat das WM-Tagebuch von ZEIT ONLINE. Täglich berichtet ein Künstler, Journalist, Fußballer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Musiker, wie er seinen WM-Tag erlebt hat – wo, mit wem und wie er die WM-Spiele gesehen oder auch nicht gesehen hat.

Der Tag fängt um 7:30 Uhr an, in Berlin. Ich bete zu Gott, dass mein Sohn nicht sein übliches Ich-will-alles-allein-machen-Ding durchzieht, sonst sieht es nämlich schlecht aus für den 9:05-Uhr-Zug nach Köln. Seine Müdigkeit macht ihn heute gefügig und kooperativ. Das ist selten.

Patrice
Patrice

Musikalisch und persönlich ist Patrice ein Individualist und Rebell. Seine Karriere begann vor zehn Jahren mit der vielumjubelten Debüt-EP "Lions". Insgesamt folgten vier Studioalben, europaweite Hits wie "Sunshine" oder "Soulstorm" und weltweite Tourneen. Nun kommt Patrice mit "One" zurück, einem Album über Zusammengehörigkeit, Freiheit und Sehnsucht.

Wir schaffen den Zug und kommen pünktlich in Köln an, wo wir mit der Mutter verabredet sind. Auch das ist selten. Sie ist hochschwanger und gefährlich. Wir haben Streit. Tage zuvor bot ich ihr an, sich vielleicht ein Fußballspiel zusammen anzuschauen. Sie lehnte ab und sagte, dass es dafür noch zu früh (!) sei. Wir bummeln durch die Stadt und kaufen Bücher. Schließlich folgen wir dem Geruch frischer Waffeln in ein italienisches Eiscafe.

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Mit dem Eintreffen der Waffeln erfolgt der Anpfiff Argentinien gegen Nigeria. Der Flat Screen vor unserer Nase zieht uns in seinen Bann. Ich hätte es nicht besser einfädeln können. Maradona macht die Partie zu einem Spielfilm, der eines Tages ein Klassiker werden könnte. Wie Der Pate oder Scarface.

Er ist ein Held meiner Jugend, und er versprüht Herzlichkeit zu jeder Sekunde. So einen braucht ein Land, um eine große Fußballnation zu werden. Inspirierend! Messi erinnert mich an griechische Sagen, er ist Achilles. Wie prollig Fußball sein mag – es ist die zivilisierteste Form des Krieges.

WM-Tagebuch
Täglich berichtet ein Tagebuchautor, wo, wie und mit wem er seinen WM-Tag verbracht hat. Alle Artikel im Überblick

Täglich berichtet ein Tagebuchautor, wo, wie und mit wem er seinen WM-Tag verbracht hat. Alle Artikel im Überblick

Der Vater meiner Frau ist Nigerianer, und auch ich habe irgendwo etwas Nigerianisches in meinem Stammbaum. Bei der ersten Torchance Nigerias reiße ich fast das gesamte Porzellan zu Boden. Das Eiscafé schaut mich wohlwollend an, der Herr am Nachbarstisch unterstellt mir ein "großes Herz". Meines Umfelds gewahr, denke ich mir, dass wir das Spiel vielleicht besser in der Intimität von vier Hotelwänden schauen sollten, da dürfte ich richtig ausrasten. Aber man kann ja nicht alles haben.

Die Nigerianer spielen sehr gut, treffen nur leider nicht, schließen ihre Spielzüge nicht gut ab. Das 1:0 ist das Zeugnis eines großartigen Spiels, in dem der Bessere gewann, aber auch der Verlierer eine Art Gewinner ist. Am Ende sitze ich verblüffend nah an meiner Frau dran.

England gegen USA sehen wir im Hotel. Die Amerikaner spielen überraschend gut. Die Engländer wie erwartet schlecht. Aus irgendeinem Grund freue ich mich immer, wenn England verliert. Hängt vielleicht damit zusammen, dass ich dort war, als Deutschland vor zwei Jahren im Finale stand und Englands Missgunst in vollem Maße mitbekam.

Dennoch tut mir ihr Torwart leid. Es gibt einen Film, der aus Perspektive der Schiedsrichter gedreht ist und der einem die Undankbarkeit dieses Berufs in einer Zeit der tausend Kameras vor Augen führt. Jeder Couch-Potato sieht mehr als der Mann auf dem Platz. Nach diesem Film sehe ich Fußball mit anderen Augen. Sein Fehler wird den englischen Torwart ein Leben lang verfolgen. Aber warum wird er denn auch Torwart?!

Endstand 1:1. Meine Frau und ich sind uns über den Verlauf des Spiels wieder deutlich näher gekommen. Fußball rules! Wie schon gesagt, ich hätte es nicht besser einfädeln können!

Lesen Sie morgen das WM-Tagebuch von Andreas Görlitz.

 
Leser-Kommentare
    • Insane
    • 13.06.2010 um 13:25 Uhr

    Im Titel wird der torwar erwähnt, also dachte ich es wird ein wenig mehr als nur 2-3 Sätze über ihn geredet.
    Anscheinend nicht. Irreführend, langweilig.

    • WuDang
    • 13.06.2010 um 14:22 Uhr

    mit einer Aussage, dass der Schreiber ein ganzes Volk nicht mag, dann ist das schon so ekelerregend, dass der Artikel nicht gelesen werden braucht.
    Ich mag Fußball nicht, es ist der Sport, in dem es salonfähig ist, die niedersten Instinkte aus zu toben.

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    • JoeDoe
    • 13.06.2010 um 16:08 Uhr

    Dann empfehle ich Ihnen sich nicht mit Fußball zu befassen und sich auch solch gehaltlose Kommentare zu ersparen.

    Leider scheint es auch in Kommentaren salonfähig, die Welt an seiner kleinen, allen überlegenen Welt teilhaben zu lassen. "Ekelerregend" fällt mir dazu nur noch ein...

    • JoeDoe
    • 13.06.2010 um 16:08 Uhr

    Dann empfehle ich Ihnen sich nicht mit Fußball zu befassen und sich auch solch gehaltlose Kommentare zu ersparen.

    Leider scheint es auch in Kommentaren salonfähig, die Welt an seiner kleinen, allen überlegenen Welt teilhaben zu lassen. "Ekelerregend" fällt mir dazu nur noch ein...

    • JoeDoe
    • 13.06.2010 um 16:08 Uhr

    Dann empfehle ich Ihnen sich nicht mit Fußball zu befassen und sich auch solch gehaltlose Kommentare zu ersparen.

    Leider scheint es auch in Kommentaren salonfähig, die Welt an seiner kleinen, allen überlegenen Welt teilhaben zu lassen. "Ekelerregend" fällt mir dazu nur noch ein...

  1. Die Kritik am englischen Torwart ist berechtigt, aber wird langsam übertrieben, wieso fragt eigentlich keiner, wieso die Engländer keine der zahlreichen Chancen später im Spiel nutzen konnten ?

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