Radsport in Iran "Für die Iraner war es das Größte, Deutsche kennenzulernen"

Das Bild Irans in westlichen Medien und die Realitäten vor Ort stimmen nicht überein. Das sagt Radprofi Tobias Erler, der seit einem halben Jahr für ein iranisches Team fährt.

Tobias Erler fährt für das iranische Profi-Radteam Tabriz Petrochemical

Tobias Erler fährt für das iranische Profi-Radteam Tabriz Petrochemical

ZEIT ONLINE: Herr Erler, wie sind Sie dazu gekommen, ausgerechnet für ein iranisches Profiteam zu fahren?

Tobias Erler: Das habe ich einer Bekanntschaft im chinesischen Giant Asia Team zu verdanken. 2006 bin ich für die gefahren, was als Deutscher auch nicht ganz normal ist. Jedenfalls waren in der Giant Asia Mannschaft zwei Iraner meine Teamkollegen und ich hatte einen iranischen Masseur. Mit dem hab ich mich wahnsinnig gut verstanden und der hat immer zu mir gesagt: "Tobi, if you go to Iran, you dont need money, everybody is your friend." Da wusste ich, dass ich irgendwann in den Iran will, um meine neuen Freunde dort zu besuchen.

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ZEIT ONLINE: Und das hat dann bis 2010 gedauert?

Erler: Dank meiner Erfolge bei Giant Asia hatten sich Profi-Verträge in Europa ergeben und dann musste ich ja auch noch mein Studium fertig machen. 2008 haben die Iraner eine eigene Profimannschaft gegründet und mich seitdem jedes Jahr gefragt, ob ich nicht für sie fahren will. Ende vergangenen Jahres habe ich mir dann gesagt: 'So, jetzt will ich mit meinen Freunden nochmal radeln.' Und habe mein Lehramts-Referendariat um ein Jahr aufgeschoben.

Tobias Erler

Seit 13 Jahren fährt der 31-Jährige Tobias Erler Rad. Relativ spät, mit Mitte 20, bekam er seinen ersten Profivertrag beim chinesischen Giant Asia Team. Aufgefallen war er durch seinen Einsatz für das Merida Europe Team, eine deutsche Auswahl-Mannschaft, welche die Tour of Taiwan bestritt. Nach zwei Jahren für das deutsche Profiteam "3C-Gruppe" fuhr der gebürtige Tittmonninger 2009 als Amateur für Baier Landshut und schloss sein Lehramtsstudium in Regensburg ab, ehe er in den Iran wechselte. Falls er nicht noch eine Saison dranhängt, beginnt er im September sein Referendariat.

Radsport im Iran

Neben dem Tabriz Petrochemical Team gibt es mit dem Azad University Team und dem Vali ASR Kerman Team noch zwei weitere iranische Profimannschaften. Alle drei sind drittklassige Kontinental-Teams. "Die Begeisterung für den Radsport ist im Iran dennoch vergleichsweise hoch", sagt Erler. Obwohl auch im Iran Fußball der mit Abstand beliebteste Sport sei. Bei den beiden iranischen Rundfahrten treten neben den heimischen Mannschaften einige ausländische Kontinental-Teams und Nationalmannschaften aus benachbarten Ländern an. Eintagesrennen und Vereinsstrukturen wie in Europa gibt es im Iran nicht. "Deshalb fehlt vielen iranischen Nachwuchsfahrern die Rennhärte", sagt Erler. Dennoch kommen einige der besten asiatischen Radprofis aus dem Iran. Die deutschen Trainer Wolfram Lindner und Otto Altweg leisteten vor einigen Jahren Aufbauhilfe und fuhren mit den iranischen Rennfahrern auch viele Rennen in Europa.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie keine Angst vor politischen Problemen? Haben Sie einfach ihren Freunden vertraut und sind rübergeflogen?

Erler: Als ich am Flughafen angekommen bin, war ich schon leicht nervös. Aber innerhalb von einer halben Stunde habe ich mich wohlgefühlt. Natürlich hatte mein Umfeld Bedenken: "Nachher wird der da gekidnappt und wir müssen den wieder freikaufen." Das ist das, was die Menschen zum Teil über den Iran denken. Aber wenn ich wiederkomme, dann will ich sagen können, wie das Land wirklich ist. Weil es anders ist, als es in den Medien dargestellt wird. Man muss immer zwischen der Politik und den Menschen unterscheiden. Ich bin da rüber gefahren, um Menschen kennen zu lernen und nicht, um Politik zu betreiben. Ich möchte im Herbst auch mit meiner Freundin im Iran Urlaub machen. Mein Teamchef und meine Teamkollegen haben schon gesagt, dass sie die Katharina unbedingt mal kennenlernen wollen.

ZEIT ONLINE: In ihrem Team sind fast ausschließlich Iraner - sprechen Sie Farsi?

Erler: Den Persisch-Führer habe ich vor dem ersten Flug leider in der Hektik neben meinem Rucksack vergessen. Ich habe dann versucht über das Internet möglichst viel zu lernen. Ein bisschen spreche ich, aber ich sollte mehr lernen. Im Trainingslager war der Lerneifer größer. Aber wenn man erstmal mit dem Rennfahren beginnt, dann ist der Kopf müde und man vergisst viele Sachen wieder. Das Problem ist: Das Team kommt aus dem Nordiran und die unterhalten sich auf türkisch. Ich würde mit Farsi also eine Sprache lernen, die man im ganzen Iran spricht, die mein Team aber nicht versteht.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie denn in Iran erlebt? Sitzen Sie als Radprofi nicht den ganzen Tag im Sattel – und fliegen zurück, wenn die Rennen vorbei sind?

Erler: Als ich hingeflogen bin, habe ich gedacht, dass dort alles sehr streng abläuft. So, wie sich das jeder hier vorstellt. Ich hatte vorher so ein komisches Gefühl: Im Iran ist alles schlecht ist und das Militär läuft überall herum. Ich hätte niemals gedacht, dass ich dann von so einer Lockerheit empfangen werde. Ich habe auch überlegt, wie da wohl die Infrastruktur ist. "Wie willst du da Radfahren?", dachte ich mir. Dass es Straßen gab, die zum Teil in einem besseren Zustand sind als bei Trainingslagern in Deutschland oder Spanien – das hätte ich nicht gedacht. Beim Radfahren kann man die Landschaft gut aufsaugen, und die ist wirklich richtig schön. Hochebenen, Städte, das Meer – jeder Meter ist da ein Erlebnis. Im Nordiran fährt man auf 2000 Meter Höhe und daneben geht ein Vulkan auf 5000 Meter hoch. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.

ZEIT ONLINE: Also haben Sie vor allem landschaftlich viel gesehen.

Erler: Nicht nur. Ich hatte einen iranischen Zimmerkollegen, der relativ gut englisch spricht und so fragte ich ihn immer auf englisch aus. Ich wollte alles wissen: Wie teuer ist da ein Haus, wie viel verdient da ein Ingenieur, wie viel verdient ein kleiner Arbeiter und wie funktioniert das Schulsystem? Auch nach den Rennen habe ich mir Mühe gegeben, noch durch die Straßen zu gehen, weil ich nicht weiß, ob ich da noch mal hinkomme. Man denkt ja, dass dort alle Frauen voll verschleiert sind, aber ich habe ganz selten solche Frauen gesehen. Je nach religiöser Einstellung sitzt der Schleier ganz vorn oder ganz weit hinten am Kopf, kurz vor dem Runterfallen. So lernt man das Land dann mehr und mehr kennen.

Leser-Kommentare
  1. Sowas nenne ich mal unhinterfragte Meinungsübernahme. Der gute will anscheinend vor allem Rad fahren, dass es mit seiner Leistung eine radikale Diktatur unterstützt, scheint da nur zweitrangig zu sein.
    Und das man ihm als Deutschen freundlich begegnet glaube ich auch gerne, immerhin wird man im Iran als Deutscher gerne mal mit einem Heil-Hitler-Gruß begrüsst. Bei einem Regierungsoberhaupt, dass fordert Israel von der Landkarte zu fegen...kein Wunder.
    Ein echtes Armutszeugnis des "Sportlers", all dies unhinterfragt hinzunehmen und es auch nicht besser wissen zu wollen. Aber so ist das, wenn man gewissenlos ist.

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    Bleiben Sie sachlich und bemühen Sie sich um artikelbezogene Kommentare. Die Redaktion / mh

    Kaum berichet mal jmd etwas positives aus einem Land wie dem Iran oder China, sogleich wird die Aussage durch Kritik am politischen System als bedeutungslos herabgestuft.
    Selbst der Bezug zu NAZI Deutschland fehlt bei den Debatten auf Zeit online ueber China nicht.
    Eine differenzierte Betrachtung.die auch positives beinhaltet, scheint einigen hier inopportun zu sein.

    Hr Erler ist sicher kein Naivling,
    Zitat:" Aber ich bin mir sicher, dass ich vor allem die schönen Seiten des Irans gesehen habe. Wenn es um politische Meinungsfreiheit geht, habe ich natürlich wenig Einblick bekommen. Ich weiß aber, dass es nicht so gut ist, wie ich es gesehen habe."

    Bleiben Sie sachlich und bemühen Sie sich um artikelbezogene Kommentare. Die Redaktion / mh

    Kaum berichet mal jmd etwas positives aus einem Land wie dem Iran oder China, sogleich wird die Aussage durch Kritik am politischen System als bedeutungslos herabgestuft.
    Selbst der Bezug zu NAZI Deutschland fehlt bei den Debatten auf Zeit online ueber China nicht.
    Eine differenzierte Betrachtung.die auch positives beinhaltet, scheint einigen hier inopportun zu sein.

    Hr Erler ist sicher kein Naivling,
    Zitat:" Aber ich bin mir sicher, dass ich vor allem die schönen Seiten des Irans gesehen habe. Wenn es um politische Meinungsfreiheit geht, habe ich natürlich wenig Einblick bekommen. Ich weiß aber, dass es nicht so gut ist, wie ich es gesehen habe."

  2. Bleiben Sie sachlich und bemühen Sie sich um artikelbezogene Kommentare. Die Redaktion / mh

    Antwort auf "Sehr unhinterfragt"
  3. Man muss wahrhaftig den Mut vom Herrn Erler bewundern. Ist ja häufig vorgekommen, dass ausländische Gäste, die eigentlich im Iran was Gutes schaffen wollten, als "Spione" des Westens verhaftet und gegen ein nicht geringes "Lösegeld" freigelassen wurden.
    Man muss halt ihm den Rat geben bloss keine Demonstrationen und öffentliche Hinrichtungen zu fotografieren, denn das kann schnell im berüchtigen Gefängniss Ewin enden.

    • Lutz1
    • 08.06.2010 um 19:42 Uhr

    Die einfachen Menschen in einem Land sagen doch immer viel mehr wahres über ein Land, als eine Regierung oder öffentliche Einrichtungen oder Ämter unter denen sie leben.
    Wir in der DDR waren doch nicht alle Kommunisten oder Stasiverräter nur weil wir hier geboren sind.
    Die US-Amerikaner sind unter Bush doch nicht alle begeistert in den Kampf der Christen unter Bush gegen die Moslems im Irak gezogen.
    Oder die Chinesen sind doch nicht alle stramme Panzerfahrer die über Demonstranten fahren oder sofort jedes Wort melden.
    Genauso ist es eine tiefe Beleidigung (mit Verlaub unter der Gürtellinie und platt) der Iraner wenn hier in Kommentaren gesagt wird die Deutschen sind willkommen weil die Iraner alle Hitler verehren.
    Es sollte zur Allgemeinbildung eine Deutschen gehören das z.B. die Gastfreundschaft, das gilt besonders für Fremde, in Ländern des Islam ein sehr,sehr hohes Gut und selbstverständlich ist.
    Dort ist der Gast dann ein kleiner König.
    Ich meine allerdings nicht die Nato,ISAF usw.die mit Krieg in ein Land einfallen das würde uns auch nicht gefallen.
    Aber um das überhaupt ran zu lassen muß man auch mal frei denken ohne die Gehirnspülung der deutschen gleichgeschalteten Medien.
    Rassisten,Opportunisten,Wendehälse,Radikale und Verrückte gibt es übrigens in jedem Land.
    Ich finde das Regime im Iran auch nicht gut aber gegen Saudi Arabien die ja offiziell gute Freunde sind ist der Iran schon fast demokratisch man muß sich nur mal Infos z.B.Internet unabhängig einholen.

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    ....wie man an diesen Fotos von Tehran sehen kann.

    http://www.worldisround.c...

    • Buh
    • 12.06.2010 um 5:35 Uhr

    Mir ist erst durch Ihren Kommentar deutlich geworden warum einige Iraner offenbar Deutsche interessant finden. Meinen Sie wirklich, dass es daran liegt, dass "unsere" Vorfahren ziemlich viele Juden ermordet haben?
    Wenn dem so wäre, scheint der "Judenhass", oder zumidnet eine gewisse abneigung geneüber dem jüdischen Nachbar recht alltäglich zu sein.
    Wenn dem nicht so ist, warum freuen sich Iraner, laut Aussage des ARadsportlers, über Deutsche?

    ....wie man an diesen Fotos von Tehran sehen kann.

    http://www.worldisround.c...

    • Buh
    • 12.06.2010 um 5:35 Uhr

    Mir ist erst durch Ihren Kommentar deutlich geworden warum einige Iraner offenbar Deutsche interessant finden. Meinen Sie wirklich, dass es daran liegt, dass "unsere" Vorfahren ziemlich viele Juden ermordet haben?
    Wenn dem so wäre, scheint der "Judenhass", oder zumidnet eine gewisse abneigung geneüber dem jüdischen Nachbar recht alltäglich zu sein.
    Wenn dem nicht so ist, warum freuen sich Iraner, laut Aussage des ARadsportlers, über Deutsche?

  4. ....wie man an diesen Fotos von Tehran sehen kann.

    http://www.worldisround.c...

  5. 6. @Lutz

    Der Vergleich mit Saudi-Arabien hinkt gewaltig und hilft auch nicht weiter, wenn man bedenkt, dass im Iran pure Repression herrscht. Seit den Unruhen nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen wurden hunderte Oppositionelle ermordert. Hunderte weitere sitzen in Gefängnissen dieser Diktatur und werden vergewaltigt und gefoltert. Unabhängige Berichterstattung existiert einfach nicht. Da helfen auch bunte Bilder aus Teheran nicht.

  6. Kaum berichet mal jmd etwas positives aus einem Land wie dem Iran oder China, sogleich wird die Aussage durch Kritik am politischen System als bedeutungslos herabgestuft.
    Selbst der Bezug zu NAZI Deutschland fehlt bei den Debatten auf Zeit online ueber China nicht.
    Eine differenzierte Betrachtung.die auch positives beinhaltet, scheint einigen hier inopportun zu sein.

    Hr Erler ist sicher kein Naivling,
    Zitat:" Aber ich bin mir sicher, dass ich vor allem die schönen Seiten des Irans gesehen habe. Wenn es um politische Meinungsfreiheit geht, habe ich natürlich wenig Einblick bekommen. Ich weiß aber, dass es nicht so gut ist, wie ich es gesehen habe."

    Antwort auf "Sehr unhinterfragt"
  7. Freier Autor
    8. Danke!

    Danke xxyyzzaabbcc (guter Name...), Lutz1 und spugi für ihre Erwiderungen. Da muss ich die Verteidigung von Herrn Erler ja gar nicht mehr selbst übernehmen. Ich finde auch, dass man auch ruhig mal über den Iran berichten kann, ohne ein politisches Referat zu halten. Und dass Tobias Erler unhinterfragt ist, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen.

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