Bastian Schweinsteiger Der stille und der bessere Ballack
Nie war Bastian Schweinsteiger wichtiger für die DFB-Elf. Wieso die Chance groß ist, dass er sie gegen England zum Sieg führen wird. Von Steffen Dobbert
© Pedro Ugarte/AFP/Getty Images

Beherrscht den Ball: Bastian Schweinsteiger
Erinnert sei an etwas Schreckliches: Die Wade der Nation. Welch Angst ging um, als noch am Abend vor dem EM-Finale gegen Spanien unklar war, ob der Chef des Mittelfeldes spielen kann! Millionen deutsche Fußballfans zitterten um Michael Ballack. Es wirkte damals so, als wollte der Bundestrainer die Dramatik noch erhöhen. Als wollte er seinen wichtigsten Spieler noch wichtiger machen: "Michaels Wade ist stark verhärtet. Wir müssen abwarten, wie sich die Sache über Nacht entwickelt", sagte Joachim Pokerface Löw. Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist das her. Irgendwie konnte Michael Ballack damals dann doch spielen.
Im Sommer 2010 spielt Michael Ballack für Bayer Leverkusen, und die Hierarchie im deutschen Team hat sich geändert. Der Kleinste ist Kapitän. Im defensiven Mittelfeld hat Bastian Schweinsteiger in nur wenigen Spielen das Fehlen Ballacks vergessen gemacht. "Bastian ist das Herz dieser Mannschaft", lobte Löw und vergaß angesichts der Muskelverhärtung, die Schweinsteiger nach dem Spiel gegen Ghana im Oberschenkel plagt, nicht zu erwähnen, dass es äußerst fraglich sei, ob "der Motor im Mittelfeld" rechtzeitig fit werde.
Gehen wir mal davon aus, dass Schweinsteiger irgendwie dann doch spielen wird. Beim Abschlusstraining war er dabei. Philipp Lahm hatte schon am Freitag gesagt, witzigerweise kurz nachdem Löw die Botschaft verbreitete, es sehe sehr schlecht aus für Schweinsteiger, er sei sich "sicher, dass Bastian spielen wird, er ist ein Kämpfer."
Die Rhetorik ist vor dem wichtigen Spiel gegen England wie vor jedem wichtigen Spiel. Taktieren, nicht zu viel verraten, um den Gegner etwas zu irritieren. Doch erzählen die Worte des Bundestrainers auch davon, dass die Wertschätzung Bastian Schweinsteigers im Nationalteam nie größer war als jetzt.
Vermutlich wird Deutschlands junges Team gegen England befreiter aufspielen als gegen Ghana. Das Minimalziel ist erreicht oder anders: Die Blamage, in der Vorrunde zu scheitern, ist vermieden. Gegen England ist der Druck geringer und die Chance größer, dass die Mannschaft ihre ballsicheren Kombinationen und das kreative Offensivspiel abrufen kann.
- Datum 28.06.2010 - 10:22 Uhr
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- Serie WM-Reporter
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"Vielleicht ist die Fähigkeit zu lernen, eine der wichtigsten Eigenschaften des Menschen. Wer sich entwickelt, wird besser..." Wir brauchen Schweinsteiger für die Weltmeisterschaft - und wir brauchen eine Art Gandalf als Welt-Meister für die Lernfähigkeit.
Der Weltmeister
Weltmeisterschaft wird d e r gewinnen,
Der unsrer Erde Eintracht bringt,
Damit der Welt und uns da drinnen
Ein bisschen Friede bald gelingt.
Im Stadion werden Sterne glänzen,
Das Spielfeld wird die Seele sein,
Wenn Ost und Westen sich ergänzen
Als Flügelpaar im Weltverein.
Ein Unparteiischer wird richten
Nach ewigem Naturgesetz,
Wird alle Zwistigkeiten schlichten
Und wissen, wann der Ball im Netz.
Das Tor, auf das wir täglich zielen,
Ist unser Herz, es öffnet sich,
Wenn einfach wir uns selbst umspielen,
Wenn weit wird unser kleines "ich".
Es gilt den Stress zu überlisten,
Den Feind, der uns die Beine stellt.
Wir brauchen Kopfballspezialisten
Und Harmonie im Mittelfeld.
Wir müssen nur den Trainer finden,
Der weise unser Spiel bewacht,
Und ganz natürlich, ohne Schinden,
Die Spieler unbesiegbar macht.
Und der sogar den Amateuren
Die Taktik der Natur erklärt:
Die Meisterschaft wird dem gehören,
Der endlich Frieden uns gewährt.
Und mancher wird zum Profi werden
Aus Liebe zu dem Erdenball.
Wenn schwere Gegner uns gefährden,
Verhilft nur Technik zum Pokal.
(F.R., Juni 82)
weltfremd - und doch nicht ganz. Denn Fußball ist eine spielerische, kulturell überhöhte Form des Krieges, die auf unglaubliche Weise die gesamte Welt vereint.
weltfremd - und doch nicht ganz. Denn Fußball ist eine spielerische, kulturell überhöhte Form des Krieges, die auf unglaubliche Weise die gesamte Welt vereint.
Löw vermag auch noch eine dürftige Darbietung als klasse Arbeit zu bezeichnen..... wo, Herr Löw, bleibt eine realistische Beurteilung. Um die Realität zu erkennen, nämlich, dass die Leistung bisher alles andere als Weltmeister-Status erlangte, darf man von den Deutschen, die sich gerne schon vorab als Sieger sehen, etwas mehr Genügsamkeit und Selbstkritik erwarten.
Zitat: "Er ist der stille und der bessere Ballack, einer, der Zinedine Zidanes Art zu spielen verehrt, der Verantwortung durch Leistung übernehmen will."
In einer Mannschaft muss Jeder Verantwortung übernehmen, damit sie erfolgreich sein kann. Und nur derjenige, der durch seine spielerischen und menschlichen Fähigkeiten überzeugt, wird von den Anderen als Führungspersönlichkeit akzeptiert.
Übrigens, Zidanes Ausraster im letzten WM-Finale werde ich für immer mit diesem Namen verbinden.
weltfremd - und doch nicht ganz. Denn Fußball ist eine spielerische, kulturell überhöhte Form des Krieges, die auf unglaubliche Weise die gesamte Welt vereint.
Man sitzt vor dem Fernseher, alle Freunde sind da, alles ist richtig!
Und dann ruft der einzige Mensch in ganz Deutschland, der kein Fussball guckt, gerade mich an:
Mutter!
Schweinsteiger war auch für mich der beste Deutsche, exellent, der beste Schweinsteiger, den ich je gesehen hatte. Der Hype um Özil an diesem Tag (Spieler des Matches) war in Ordnung und hat dem Jungen sicher mal gut getan, aber Schweinsteiger ist mittlerwele erfahren genug, um selbst zu wissen, wer an diesem Tag wirklich der beste deutsche Spieler war.
Schweinsteigers möglichen Ausfall gegen England (und Ersatz durch Kroos) macht mich übrigens gar nicht so besorgt. Entgegen der allgemeinen Meinung denke ich, daß der Sieg gegen England durchaus deutlich, zumindest unangefochten sein wird. Die Engländer kommen aus ihrem Loch bei dieser WM nicht mehr heraus. Ihre Stärke war die Wucht, dafür fehlt ihnen gegenwärtig die körperliche Präsenz. Auf einen Sturzacker wie gegen Slowenien können sie diesmal auch nicht hoffen. So sind sie auf ihre spielerischen Möglichkeiten zurückgeworfen, und darin können sie einer wieder freier aufspielenden deutschen Mannschaft nicht das Wasser reichen. Sollte Kroos heute für Schweinsteiger spielen -- und er wird glänzend sein! --, dürfte das neue Mittelfeld gegen Argentinen Schweinsteiger-Kroos lauten. Kroos besitzt in der Offensive mehr Finesse als Kedira, ist außerdem spritziger.
Ich frage mich schon lange, warum Löw den Kroos nicht ähnlich wie Podolski fördert, sein Talent mit gelegentlichem Anflug von Genie ist offensichtlich. Und wohlverstanden, Kroos gehört ins Zentrum, nicht irgendwo auf die Seite, wo sein Spielwitz verschenkt ist.
Wo bleiben denn hierfür die sicher einige von uns wirklich sehr interessierenden Argumente Herr Dobbert?
Mir tut Schweinsteiger leid, denn damit rückt er zangsläufig ins Zentrum all der ungerechtfertigten Kritik, die nun ausgegossen werden wird.
Ballack hat es schon erlebt, er kann jahrelang auf höchstem Niveau spielen, sowohl als Teamarbeiter als auch als Führungsspieler, vor dem Tor für Gefahr sorgen und hinten die Zweikämpfe gewinnen und trotzdem wird er von seinen Landsleuten kritisiert und seine Leistung nicht anerkannt.
Dasselbe droht nun mit Schweinsteiger. Er ist ein Weltklassespieler geworden, allerdings leider nur in den ausländischen Zeitungen.
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