Elfenbeinküste-Portugal Vom Winter gelähmt

Im nasskalten Port Elizabeth wollen sich Portugiesen und Ivorer nicht wehtun. Kein Wunder, meint unser WM-Pate Bartholomäus Grill. Die große Herausforderung wartet noch.

Keine Bewegung: Didier Drogba liegt regungslos am Boden

Keine Bewegung: Didier Drogba liegt regungslos am Boden

Und er spielt doch! Jedenfalls wärmt er sich auf. Man sieht ihm gar nicht an, dass er sich neulich den Ellenbogen gebrochen hat. Aber als die Zettel mit der endgültigen Mannschaftsaufstellung verteilt werden, suchen die WM-Reporter seinen Namen vergeblich. Didier Drogba nimmt zunächst auf der Bank Platz. Aber Ronaldo spielt, der Supergockel auf der anderen Seite.  

Elfenbeinküste gegen Portugal, Anpfiff in Port Elizabeth, der Hafenstadt am Indischen Ozean. Warum sie auchwindy cityheißt, kriegt man gleich zu spüren: Es regnet in Strömen, der Meerwind fegt durch das Stadion, und vermutlich ist es hier kälter als bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver.

Bartholomäus Grill
Bartholomäus Grill

Bartholomäus Grill ist Afrika-Korrespondent der ZEIT und kann auf seiner Vuvuzela die südafrikanischen Nationalhymne "Nkosi sikelel' iAfrika" spielen.

Nur einer findet sich in den widrigen Bedingungen gut zurecht: Guy Demel, der rechte Verteidiger der Ivorer. Er spielt beim HSV und ist hanseatisches Hundewetter gewohnt. Alle anderen Kicker scheint der Südwinter am Kap zu lähmen. Er zeigt heute sein grimmigstes Gesicht, aus den Drakensbergen ein paar hundert Kilometer nördlich wird Schneefall gemeldet. So hat man sich Südafrika nicht vorgestellt, weder in Abidjan, noch in Lissabon.  

Und so ist über die erste Halbzeit ausser einem Pfostenschuss von Ronaldo in der 10. Minute nicht viel zu berichten. Beide Teams spielen nach der Devise: Nichts riskieren, nur ja kein Tor zulassen. Das Spiel plätschert im Schnürlregen dahin. Der Stimmung des Publikums tut das keinen Abbruch. Und zur Abwechslung wird das monotone Getröte der Vuvuzelas durch eine flotte Trommlergruppe aus Westafrika aufgelockert.

Die zweite Hälfte ist besser, weil beide Teams ein bisschen mehr für die Offensive tun. Man sieht ein paar gefährliche Fernschüsse und Kopfbälle, die Chancen sind gleichmäßig verteilt, jeder hätte gewinnen können, aber es fehlt hier wie dort der unbedingte Siegeswille. Und so hält man sich weiterhin an das ivorisch-lusitanische Geheimabkommen, sich gegenseitig nicht weh zu tun.

Erst ab der 65. Minute, als Drogba eingewechselt wird und die Vuvuzelas und Trommeln zu einem Orkan anschwellen, treten Les Éléphants forscher auf, aber zu einem Tor reicht es nicht. "Du kannst gegen Ronaldo und Deco nicht voll auf Angriff spielen, das bringt dich um", wird der schwedische Trainer Sven Göran Eriksson nach dem Match erklären.

Die Portugiesen wollen auch nicht gewinnen, von Deco und Ronaldo ist nicht mehr viel zu sehen, und am Ende sind alle ganz froh, dass die Punkte geteilt werden. Schließlich wartet auf beide Teams noch die große Herausforderung: Brasilien. Dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Die Portugiesen werden untergehen, und die Ivorer können endlich zeigen, dass sie besser Samba tanzen können. Aber nur, wenn es nicht so saukalt ist.

Die WM-Paten: Jedes teilnehmende Land bekommt einen Paten aus den Redaktionen von ZEIT ONLINE, ZEIT oder extern. Die Paten porträtieren die Länderteams und schreiben subjektive Spielberichte zu den Partien ihres Teams.

 
Leser-Kommentare
  1. Die machen das schon, die Elefanten. Immerhin sind sie die Meister im Coupé Décalé tanzen und da kann Samba sowieso nicht mithalten!

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